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Kommunalwahl 2020Wiehler Bürgermeister Stücker will zweite Amtszeit

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Symbolbild.

Wiehl – Nicht nur in Wiehl haben die Wähler nur einen Bürgermeisterkandidaten zur Auswahl, aber dort hat es Tradition. Werner Becker-Blonigen ging jahrzehntelang meist konkurrenzlos in die Wiederwahl. 2015 stand dann auch bei der ersten Kandidatur von Ulrich Stücker kein weiterer Name auf dem Wahlzettel. Knapp 87 Prozent der Stimmen holte der parteilose Stadtplaner damals. Werden es diesmal mehr? Oder weniger?

Der 54-jährige gebürtige Wuppertaler leistet es sich, auf Wahlplakate zu verzichten. Nur auf Flyern und im Internet will er werben, ansonsten das gesparte Geld in Bäume für die Wiehler Schulhöfe investieren. Der Politikzirkus widerspricht dem Image des sachorientierten Machers, das Stückers Selbstverständnis und zugleich seine Stellenbeschreibung ausmacht. Mit den Lorbeeren der geglückten Steinmüller-Entwicklung wurde der Gummersbacher Beigeordnete nach Wiehl geholt, um den laufenden Stadtumbau dort zu einem ähnlichen Erfolg zu führen. Immerhin: Gerade rechtzeitig vor der Wahl wurde der erste Abschnitt des neuen Alten Kurparks eröffnet. Ansonsten ist Stückers Mission in Wiehl noch lange nicht abgeschlossen.

Ulrich Stücker tritt für eine zweite Amtszeit an.

In schwachen Stunden fragt sich der Bürgermeister auch schon mal selbst, ob es nicht besser gewesen wäre, den Neubau des Gymnasiums nach den bei seinem Amtsantritt vorliegenden Plänen durchzuziehen. Dann würde ihm heute keiner anlasten, dass sich das DBG-Projekt zur unendlichen Geschichte auszuwachsen droht. Am Ende kommt Stücker aber immer doch zu der Überzeugung, dass die gewiss größte Investition der Wiehler Stadtgeschichte in Höhe von vielleicht 30, 40 oder 50 Millionen Euro kein Schnellschuss werden darf. Zur pädagogischen Neukonzeption kamen Effekte höherer Gewalt wie die Rückkehr zu G9 und die Baukostenexplosion. Und nun sind Wie und Wo des DBG-Neubaus auch noch zum politischen Streitfall geworden.

Die Krise als Chance

Ulrich Stücker setzt auf Bürgerbeteiligung. Solange Kritik konstruktiv ist, nimmt er sie in Kauf („Man kann nicht erwarten, dass alle immer Hurra schreien“). Und er gibt sich gern gesprächsbereit, zuletzt in Drabenderhöhe, wo eine Initiative gegen ein geplantes Gewerbegebiet kämpft. Stücker betont gern, dass der Planungsprozess dort erst ganz am Anfang steht. Und er weiß, dass viele Gewissheiten durch die Corona-Pandemie ins Wanken geraten sind.

Was kann und muss sich die Stadt noch leisten? Soll man die Steuern erhöhen? Das sind Fragen, die Stücker zusammen mit dem neuen Stadtrat bald klären muss. Keine schlechte Voraussetzung ist dabei, dass er glaubt, dass die in der Corona-Krise veränderten Arbeitsbedingungen dem ländlichen Raum nützen können. Die Krise ist ihm eine Chance – was auch sonst? (tie)