GerichtWie ein Bergisch Gladbacher das Schöffen-Amt erlebt hat

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Ein Richter hängt seine Robe an eine Garderobe für Richter und Schöffen

Die Stadt Bergisch Gladbach sucht Schöffen. (Symbolbild)

Die Stadt Bergisch Gladbach sucht Schöffen. Wir haben mit einem Ehrenamtler über die Arbeit eines Schöffen gesprochen.

Die Stadt Bergisch Gladbach sucht Schöffinnen und Schöffen für das Amtsgericht Bergisch Gladbach und das Landgericht Köln. Die Vorschlagslisten für die Besetzung der Schöffenstellen werden im Jahr 2023 für die neue Amtsperiode 2024 bis 2028 erstellt.

„Schöffen sind ehrenamtliche Richter, die während der Hauptverhandlung ein Richteramt in vollem Umfang und mit gleichem Stimmrecht wie ein Berufsrichter bekleidet“, schreibt das NRW-Justizministerium. Was das konkret bedeutet, weiß Philipp Marschall. Der 35-jährige Bergisch Gladbacher war 2019 selbst Schöffe am Landgericht Köln. Damals wohnte er noch in Köln.

Über einen Arbeitskollegen, mit dem er damals häufiger auf Dienstreisen unterwegs war und der Schöffe in einem anderen Landkreis gewesen war, sei er auf das Schöffenamt gestoßen. Über das Internet habe er sich dann beworben und ein paar Wochen später eine Antwort vom Gericht bekommen.

Das muss man schon ernst nehmen, das muss einem klar sein.
Philipp Marschall, Ex-Schöffe aus Bergisch Gladbach

Marschall wurde einer Großen Strafkammer zugewiesen, mit drei Berufsrichtern und zwei Schöffen. Es ging um einen Drogentransport mit harten Rauschmitteln in zweistelliger Kilozahl, erinnert er sich Marschall. 15 Verhandlungstage waren zunächst angesetzt.

„Es war schon spannend, überhaupt mal eine Gerichtsverhandlung mitzuerleben“, beschreibt Marschall. Aber: Als Event wolle er das auf keinen Fall verstanden wissen. „Das muss man schon ernst nehmen, das muss einem klar sein.“

Neben den Verhandlungen vor Gericht erklären die Berufsrichter im Richterzimmer den Schöffen ihre Gedankengänge und setzen die im Prozess vorgelegten Beweise in einen Kontext. „So kann man das Ganze nachvollziehen und mitdiskutieren“, sagt Philipp Marschall. Denn die Stimme eines Schöffe hat dasselbe Gewicht wie die eines Berufsrichters.

Schöffen in Bergisch Gladbach und Köln gesucht

In Marschalls Fall seien sich Berufs- und ehrenamtliche Richter grundsätzlich weitgehend einig gewesen. Differenzen habe es hier und da in der Bewertung einzelner Wahrnehmungen oder in den Rollen, die manche Personen in dem Fall gespielt haben, gegeben.

Aus den zunächst 15 angesetzten Verhandlungstagen wurden am Ende 25. Der Grund, weshalb Marschall nach dem Fall von einem Amt zurücktrat. Bei der großen Zahl der Verhandlungstage durfte er das. „Es war spannend, interessant und ich hab das gerne gemacht“, sagt er. Und hätte er Gewissheit gehabt, dass es beim nächsten Fall weniger Termine gewesen wären, hätte er Amtszeit wohl auch erfüllt.

Für den Zuständigkeitsbereich der Stadt Bergisch Gladbach werden für das Amtsgericht fünf Hauptschöffen und 22 Ersatzschöffen sowie für die Strafkammern des Landgerichts Köln 24 Hauptschöffen gesucht.

Auch für das Jugendschöffengericht Bergisch Gladbach und die Jugendkammern des Landgerichts Köln werden ehrenamtliche Laienrichter gesucht: In Bergisch Gladbach sind es neun Jugendschöffen (fünf weibliche und vier männliche) und in Köln sind es acht Jugendhauptschöffen (vier weibliche und vier männliche).


Die Voraussetzungen

Bewerber müssen mindestens 25 Jahre alt beziehungsweise höchstens 69 Jahre alt sein, die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen und in der Gemeinde wohnen. Ausschlussgründe nach dem Bundesverfassungsgericht sind etwa: gesundheitliche Gründe, Verstoß gegen die Menschlichkeit und der Rechtsstaatlichkeit oder die Tätigkeit für die Staatssicherheit der ehemaligen DDR.

Die Frist für die Bewerbung für das Schöffenamt endet am 28. Februar. Sie muss schriftlich erfolgen: Stadt Bergisch Gladbach, Fachbereich 3, Postfach 20 09 20, 51439 Bergisch Gladbach. Fragen beantwortet Brigitte Cord, b.cord@stadt-gl.de, (02202)14 23 78.

Für das Jugendschöffenamt endet die Bewerbungsfrist am 31. März. Informationen gibt der Fachbereich Jugend und Soziales. Ansprechpartner ist Miriam Tomechna, m.tomechna@stadt-gl.de,(02202)142865.

Die Bewerbungsunterlagen können in den beiden städtischen Fachbereichen angefordert oder im Internet heruntergeladen werden. Für Schöffen: www.bergischgladbach.de/bewerbung-schöffen. Für Jugendschöffen: www.bergischgladbach.de/bewerbung-jugendschöffen. Weitere Informationen auch unter, www.schoeffenwahl.de.

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