Gesundes EssenErnährungsrat will regionale Produkte deutlich stärker fördern

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Barbara Steinrück (l.)  und Linda Eiermann vom Ernährungsrat Bergisches Land.

Barbara Steinrück (l.)  und Linda Eiermann vom Ernährungsrat Bergisches Land.

Rhein-Berg – Das Bergische Land hat jetzt einen Ernährungsrat. Im Interview erklären Vorsitzende Barbara Steinrück und Pressesprecherin Linda Eiermann, wie ein solches Gremium einen gerechteren Zugang zu guten Lebensmitteln für alle herstellen will.

Warum braucht Rhein-Berg einen Ernährungsrat?

Steinrück: Die Auseinandersetzung mit der eigenen Ernährung erfordert in der heutigen Zeit ganz viel persönliches Engagement, um unabhängig zu sein von externen Einflüssen. Was habe ich in der Region, was kann ich saisonal essen, wie kann ich mich gesund ernähren? Dabei ist der Zusammenschluss von Verwaltung, politischer Entscheidung und Bürgerschaft das Herz von Ernährungsräten.

Das klingt sehr abstrakt.

Eiermann: Ja, das stimmt. Das Thema ist sehr komplex. Die Auswirkungen der industriellen Landwirtschaft haben wir ja jetzt gesehen, zum Beispiel die Störungen der Lieferketten. Ernährungsräte sind da ein gutes Instrument, damit sich alle beteiligen können, um wieder mehr Einfluss zu nehmen. Damit es nicht nur darum geht, dass Großkonzerne ihre Interessen vertreten.

Was sind genau Ihre Ziele?

Steinrück: Das Hauptziel ist, die Lebensmittelversorgung wieder stärker in die Region zu bringen. Es geht uns darum, möglichst viele regional erzeugte, klima- und tierwohlgerechte Nahrungsmittel bereitzustellen.

Der Ernährungsrat

Die Ziele

Der Ernährungsrat Bergisches Land mit Sitz in Bergisch Gladbach hat sich im März 2022 gegründet. Zu den  elf Erstmitgliedern gehören  Vertreter anderer Organisationen wie der BUND,  der Bergische Naturschutzverein, Slow Food oder die Bergischen Lebensmittelretter. Vereinsvorsitzende Barbara Steinrück, Agraringenieurin aus Bergisch Gladbach-Moitzfeld, ist in Bergisch Gladbach  bekannt durch ihr Projekt „Bauernhof im Koffer“, mit dem sie schon seit vielen Jahren in Kindergärten und Grundschulen kommt. Der Ernährungsrat ist am Sonntag 12. Juni, bei der Bergischen Landpartie, 11-17 Uhr, mit einem Stand auf dem Gelände des Kardinal-Schulte-Hauses in Bensberg vertreten.  Es gibt auch Mitmachangebote für Kinder zum Thema Ernährung. Interessenten, die sich über die Arbeit des Ernährungsrates informieren oder mitarbeiten wollen, können sich per Mail melden. (ub)

Und das langfristig für alle. Und wir wollen stärker ins Bewusstsein rücken, dass der ganze Ernährungssektor für die Reduzierung des CO2 -Ausstoßes ein ganz wichtiger Baustein und für eine ganzheitliche Nachhaltigkeitsstrategie unabdingbar ist.

Wie wollen Sie Ihre Ideen umsetzen?

Eiermann: Als Ernährungsrat wollen wir alle an einen Tisch holen und die einzelnen Akteure besser miteinander vernetzen – Politik, Verwaltung, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft – als Plattform, um eine lokale Ernährungsstrategie zu erarbeiten. Dabei ist uns die Zusammenarbeit mit bestehenden Initiativen und Institutionen, wie etwa der Ökomodellregion Bergisches Rheinland, wichtig.

Steinrück: Ein Fokus unserer Bemühungen liegt auf der Gemeinschaftsverpflegung, also auf den Kantinen und Schulmensen in den Kreisen. Dort könnten mehr regional und nachhaltig erzeugte Lebensmittel auf den Tisch kommen. In den Kindergärten könnte man das Bewusstsein für eine neue Esskultur fördern, wenn Kinder selbst kochen. Zum Thema Ernährungsbildung haben wir bereits eine eigene Arbeitsgruppe gebildet, ebenso zum Thema Produktion und Regionalvermarktung.

Suchen Sie noch Mitstreiter?

Eiermann: Ja. Das ist uns ganz wichtig. Wir suchen weitere Menschen, die sich aktiv engagieren wollen. Egal ob Laie oder Fachmann, jeder ist bei uns im Team willkommen. Dabei dürfen sich auch gerne neue Arbeitsgruppen bilden.

Steinrück: Wir freuen uns über jeden Landwirt, der mitmacht, um sein Angebot passgenau in der Region anbieten zu können, um Strukturen zu schaffen, wovon jeder Landwirt auch leben kann.

Regionale und gesunde Lebensmittel sind in der Regel teurer als das, was es beim Discounter gibt. Was ist mit Menschen mit wenig Geld?

Eiermann: Unser Ziel ist es, die beste Lösung für alle zu finden, nicht nur für sogenannten Eliten, die Bio kaufen können. Wir wollen dahinkommen, dass gesunde Ernährung, die fair produziert wird, zur Normalität wird.

Steinrück: Jeder kann für sich darauf achten, dass etwa der Anteil tierischer Lebensmittel ein bisschen reduziert wird. Oder saisonale Produkte einkaufen. Das ist günstiger. Und trägt auch etwas für den Klimaschutz bei.

Mehr Kochen in Eigenregie, ist das schon der erste Schritt für die Ernährungswende?

Steinrück: Für mich ja. Weil ich dann anfange, mir Gedanken darüber zu machen, was nehme ich eigentlich zu mir. In Fertigprodukten sind häufig Zusatzstoffe und mehr leere Kalorien drin, die dem Körper nicht guttun.

Was ist Ihre Vision eines zukunftsfähigen Ernährungssystems?

Steinrück: Da ist der Anteil an pflanzlichen Produkten höher als jetzt. Es wird ein vielfältiges saisonales Angebot aus der Region geben. Um die faire Wertschöpfung in der Region zu halten, werden Produkte vom regionalen Lebensmittelhandwerk, wie Bäcker und Fleischer, verarbeitet.

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Schließlich sind Vermarktungsstrukturen im Idealfalle auf dieses Angebot eingerichtet und für jeden - ob in der Stadt oder auf dem Land - leichter zugänglich.

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