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Einwurf – mit Michael ReschkeFC-Finale: Dem Frechener tut es leid für Timo Horn

Lesezeit 4 Minuten
Das Foto zeigt Michael Reschke aus Frechen. Er führt ein Telefonat an seinem Handy.

Der Frechener Michael Reschke hat unter anderem für Schalke und Stuttgart gearbeitet.

Der Fußballfunktionär blickt auf die Partie des FC, sieht Dortmund als Meister und hofft auf eine bessere Zukunft von Viktoria Frechen.

Am Samstag (27. Mai) könnte sich nach langer Zeit wieder ein Fußball-Bundesligist zum Deutschen Meister in Köln-Müngersdorf küren. Der 1. FC Köln ist zwar am letzten Spieltag der Fußball-Bundesliga weit entfernt von der Meisterschale, doch die Gäste des FC Bayern München haben noch eine Chance auf den Titel.

Fußballfunktionär Michael Reschke (65) bespricht im „Einwurf“ mit Matthias Breuer den möglichen Meister und die Absteiger der bald endenden Saison und erklärt, warum der 1. FC Köln um 15.30 Uhr für die Bayern keine leichte Aufgabe sein wird. Der gebürtige Frechener beobachtet im Übrigen regelmäßig die fußballerischen Ergebnisse der Vereine aus seiner Stadt und hofft, dass sein Heimatverein Viktoria Frechen schnell wieder auf die Beine kommt.

Herr Reschke, die Fußball-Bundesliga ist mit Blick auf die Meisterschaft spannend wie schon lange nicht mehr. Haben Sie mit einem so heißen Schlussspieltag zum Start der Saison gerechnet?

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Ich habe ja das erste Bundesligaspiel von Bayern München in Frankfurt gesehen. Die Münchener haben eine Performance gezeigt, nach der für mich ganz klar war: Es hat keine Mannschaft die Chance, Meister zu werden – außer der FC Bayern München. Ihr Auftreten und ihre Dominanz hatten für mich die Meisterfrage geklärt.

Wann ist bei Ihnen diese Meinung erstmalig gekippt?

So ein bisschen gekippt ist meine Meinung, als der Trainerwechsel stattfand und die ersten Ergebnisse ausblieben. Da habe ich gemerkt, dass das Team der Bayern nicht so stabil ist, wie sie es zu Saisonbeginn über weite Strecken vermittelt haben.

Sportvorstand Hasan Salihamidžić erklärte nach der Niederlage gegen RB Leipzig, dass die Entlassung von Julian Nagelsmann ein Fehler gewesen sei, wenn die Münchener am Ende der Saison keinen Titel holen sollten. Was hat der Serienmeister der letzten Jahre aus Ihrer Sicht falsch gemacht?

Zunächst mal werden solche Entscheidungen in so einem Moment nach besten Wissen und Gewissen getroffen, und das war aus Sicht von Salihamidžić in diesem Fall auch so. Für mich ist klar, dass Julian Nagelsmann als auch Thomas Tuchel hervorragende Trainer sind. Wenn die Bayern nicht Meister werden, liegt das aus meiner Sicht nicht an den Trainern, sondern daran, dass vieles innerhalb des Teams nicht zusammenpasst. Für mich waren nach der Weltmeisterschaft zu viele Spieler mit sich selbst beschäftigt und haben nicht ihre Balance gefunden, was sich auf die Mannschaft übertragen hat.

Borussia Dortmund hat den Matchball gegen Mainz 05 in der Hand. Doch neben Bayern-Profi Thomas Müller bezweifelt auch der eine oder andere neutrale Fußball-Fan, dass der BVB seine Chance auf den neunten Meistertitel nutzen wird. Wie sieht Ihre These für den Meisterschaftskampf aus?

Die Dortmunder sind aktuell Spitzenreiter und haben mehr Punkte als Bayern München. Also haben sie ihre Chancen bisher genutzt. Und ganz ehrlich: Ich respektiere die Mainzer, die bisher eine tolle Saison gespielt haben. Aber im Dortmunder Stadion wird so ein Druck entstehen, dass ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, dass der BVB nicht gewinnt. Ich bin fest davon überzeugt, dass Borussia Dortmund Deutscher Meister wird.

Mit dem VfB Stuttgart, dem VfL Bochum und dem FC Schalke 04 spielen noch drei Teams gegen den direkten Abstieg. Wer wird den Gang in die 2. Liga antreten müssen?

Ich habe für den VfB Stuttgart und Schalke 04 gearbeitet und immer noch einen guten Draht zu beiden Vereinen. Ich respektiere auch den VfL Bochum in hohem Maße, weil die mit ihren Mitteln einfach eine sehr gute Arbeit leisten. Auf das Ergebnis bin ich sehr gespannt, aber dazu werde ich keine Prognose abgeben. (schmunzelt)

Sie haben auch mal für Bayern gearbeitet. Drücken Sie denen die Daumen?

Wenn die Bayern im Champions League-Finale stehen würden, würde ich beide Daumen drücken – bis es Blutergüsse geben würde. Aber bei allen Sympathien für die Bayern, hier habe ich das Interesse für die gesamte Liga im Auge. Und für die wäre es einfach gut, wenn sich Borussia Dortmund verdientermaßen für ihre sehr gute Arbeit der letzten Jahre mal belohnt.

Der 1. FC Köln liegt im gesicherten Mittelfeld der Liga und würde auch mit einem möglichen Punktgewinn keine großen Sprünge mehr in der Tabelle machen. Dennoch bekommt der scheidende Torhüter Timo Horn von FC-Trainer Steffen Baumgart kein Abschiedsspiel im heimischen Stadion vor den eigenen Fans geschenkt.

Mir tut das leid für den Timo als Kölner. Aber die Lösung von Steffen Baumgart ist die einzig Mögliche. Es ist erneut eine goldrichtige Baumgart-Entscheidung, die man nur so entscheiden kann. Alles andere wäre nicht korrekt gewesen.

Wie sieht Ihr Tipp zum Aufeinandertreffen im Rhein-Energie-Stadion aus, sehen die FC-Fans zum Abschluss nochmals ein Torfestival?

Ich weiß nicht, ob ein Torfestival zu erwarten ist. Aber die Münchener werden gegen die Kölner eine richtige Herausforderung vor der Brust haben. Das, was der FC in dieser Saison wieder geleistet hat, ist gar nicht hoch genug zu bewerten. Für mich ist das eine außergewöhnliche Gesamtleistung der Mannschaft und des Trainerstabs. Am Ende des Tages tippe ich auf ein 2:2.

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