Zwei Bahnarbeiter getötetStaatsanwaltschaft startet Ermittlungsverfahren nach Bahnunfall in Hürth

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Das Bild zeigt einen Regionalzug, der die Unglücksstelle passiert.

Auf diesem Gleisabschnitt in Fischenich zwischen dem Bahnhof Kalscheuren und Brühl stand der IC nach dem Bahnunglück. Dort herrschte am Freitag wieder reger Zugverkehr.

Nach dem Unfall in Hürth, bei dem ein IC in eine Gruppe Arbeiter gefahren war, sind die Mitarbeiter der Firma schockiert.

24 Stunden nach dem tragischen Unglück auf der Bahnstrecke in Höhe Fischenich am Marktweg, bei dem ein Intercity in eine Gruppe von Bauarbeitern gefahren war und zwei Personen dabei starben, erinnert am Freitag am Unfallort nichts mehr an das Unglück. Die Züge fuhren gefühlt im 5-Minuten-Takt über die Gleise. 

Die Staatsanwaltschaft Köln hat ein Todesermittlungsverfahren aufgenommen

Die Ermittler der Kripo hatten gemeinsam mit ihren Kollegen der Bundespolizei bis Donnerstagnachmittag Spuren auf den Gleisen und am IC gesichert, ein Hubschrauber hatte Luftaufnahmen gemacht. Gegen 17 Uhr wurde die Strecke für den Bahnverkehr wieder freigegeben. Der Zug hatte zwei Bahnarbeiter erfasst, einen 27-Jährigen und einen 31-Jährigen, die tödlich verletzt wurden. Fünf weitere Arbeiter konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. 

Die Polizei Rhein-Erft gab am Freitagnachmittag bekannt, dass sie in enger Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Köln die Ermittlungen in dem Fall aufgenommen hätten. „Die Staatsanwaltschaft hat ein sogenanntes Todesermittlungsverfahren aufgenommen. Wir prüfen, ob es mit Blick auf den Tod der beiden Männer Hinweise auf ein strafrechtlich relevantes Fremdverschulden gibt“, verdeutlicht Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer. Die Staatsanwaltschaft Köln habe außerdem rechtsmedizinische Untersuchungen angeordnet. 

Details zu den Ermittlungen werden noch nicht mitgeteilt

Vor allem von Bedeutung sei die, Frage zu klären, „was von den Beteiligten zu dem Arbeitseinsatz vor Ort konkret besprochen worden ist, welche Sicherungsvorschriften für solche Arbeitseinsätze bestehen und wer gegebenenfalls dagegen verstoßen hat“, so Bremer weiter. Weitere Details könnten derzeit mit Blick auf das laufende Ermittlungsverfahren nicht mitgeteilt werden. Weitere Angaben zur Art der Arbeiten an den Gleisen oder zur Absicherung der Baustelle machte die Polizei Rhein-Erft am Freitag zunächst nicht. 

Wie die Polizei mitteilt, sichteten Ermittlerinnen und Ermittler des zuständigen Kriminalkommissariats 11 bis in den späten Donnerstagabend die vorliegenden Beweismittel und werteten die schon vorliegenden Zeugenaussagen aus. „Seit den frühen Morgenstunden am Freitag arbeiten die Mitglieder der eigens eingesetzten Ermittlungsgruppe weiter an der lückenlosen Klärung des Unfallgeschehens“, heißt es von der Polizei Rhein-Erft.

Das Bild zeigt mehrere Rettungskräfte unweit der Unglücksstelle.

Zahlreiche Rettungskräfte waren am Donnerstag nach dem Zugunfall in Hürth an der Einsatzstelle.

Landrat und Polizeichef Frank Rock sowie Bürgermeister Dirk Breuer waren am Donnerstag zur Unglücksstelle gekommen, um sich selbst ein Bild vor Ort zu machen. Dabei brachten sie ihre Betroffenheit zum Ausdruck. Die Baufirma mit Sitz in Norddeutschland, die die Arbeiten gestern in Hürth durchführen sollte, zeigte sich am Freitag sehr betroffen. „Wir sind noch schockiert und fassungslos, können derzeit noch nichts sagen“, so eine Mitarbeiterin.

Schreckliche Szenen mussten viele der rund 40 Einsatzkräfte der Feuerwehr nach dem Zugunglück in Fischenich mit ansehen. Ein solcher Einsatz sei auch für erfahrene Feuerwehrleute nicht alltäglich, sagt Brandoberinspektor Marvin Habbig, Sprecher der Hürther Feuerwehr. „Wir kommen ja immer in Ausnahmesituationen. Aber sowas passiert um Glück nicht jeden Tag.“

Schon vor Ort kümmerten sich Notfallseelsorger auch um Einsatzkräfte. „Wichtig ist nach solchen Einsätzen der Austausch bei der Nachbesprechung auf der Wache“, so Habbig. Um belastende Eindrücke verarbeiten zu können, stünden den Einsatzkräften auch speziell geschulte Kollegen der psychosozialen Einheit zur Seite, die im Zweifel auch zu Fachärzten weitervermitteln könnten.

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