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60 Jahre altes BauwerkSo wichtig ist der Villestollen für den Tagebau Hambach

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Kerpen – Er ist sechs Kilometer lang, 3,30 Meter hoch und und führt von Horrem nach Frechen-Buschbell, tief durch den Villerücken. Ein normales Auto könnte hindurchfahren, Radfahrer erst recht. Die Sache wäre allerdings gefährlich, wenn nicht gar tödlich.

Denn der Villestollen ist nicht als Abkürzung in Richtung Köln gedacht. Das Bauwerk, das im Innern an eine schlichte Kathedrale oder an einen Klostergang erinnert, dient ausschließlich dazu, Sümpfungswasser aus dem Tagebau in den Kölner Randkanal zu befördern.

Vom Pumpwerk in Horrem fließt das Wasser bis zum Auslass bei Buschbell und von dort in den Kanal, der bei Köln-Worringen in den Rhein mündet. Besucher sind dort eher selten. Viele Menschen wissen nichts von der Existenz dieses imposanten Bauwerks. Ganz sicher also ein vergessener, oder besser ein unbekannter Ort.

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Der Villestollen habe eine ganze Reihe von Problemen für die Ende der 50er Jahre neu entstehenden Tagebaue Frechen und Fortuna-Garsdorf gelöst, sagt RWE-Power-Pressesprecher Guido Steffen. „Der Stollen ist auch heute noch sehr wichtig, um Sümpfungswasser aus dem Tagebau Hambach an der Erft vorbei über den Randkanal in den Rhein zu leiten.“ Vor allem wenn die Erft Hochwasser habe, sei das unumgänglich. „Schon 1956 mussten sehr große Wassermengen abgeschlagen werden, dazu reichte die Erft allein nicht.“ Dazu brauchte man den Randkanal.

Ab Ende der 50er bis Ende der 60er Jahre wurden eine Milliarde Kubikmeter Wasser gehoben und abgeleitet. Die Bauarbeiten für den sechs Kilometer langen Stollen und den Kölner Randkanal begannen im Frühjahr 1955. Der Randkanal hat heute eine Länge von 35 Kilometern. Kernstück der Arbeiten, an denen bis 1957 zahlreiche Bauunternehmen mit bis zu 1700 Arbeiter beschäftigt waren, war der Bau des Tunnels durch den Villerücken.

Der Stollen wurde im bergmännischen Verfahren unter Tage mit einem Messervortrieb gebohrt. Stellenweise mussten auch Drucklufthämmer eingesetzt werden. Im Dreischichtbetrieb schafften die Arbeiter drei bis vier Meter pro Tag.

Die ausgebrochenen Erd- und Gesteinsmassen wurden mit Förderbändern und kleinen mit Akkus betriebenen Zügen weggeschafft. „Trotz harter Winter, zahlreicher Wassereinbrüche in den Stollen und Anfangsschwierigkeiten bei der Auskleidung kamen die Bauarbeiten zügig voran“, berichtet Steffen.

Technische Meisterleistung

Für die damalige Zeit galt der Bau des Kanals nebst Stollens als technische Meisterleistung. Binnen zweier Jahre konnte das Projekt abgeschlossen werden. Insgesamt verschlang die Entwässerung den für damalige Verhältnisse hohen Betrag von 45 Millionen Mark, nach heutiger Rechnung mehr als 23 Millionen Euro.

Eingeleitet wird das Wasser durch eine Pumpstation in Horrem. Der Kanal und der Stollen werden zwar derzeit nicht mehr so häufig genutzt, aber sobald starke Regenfälle oder die Schneeschmelze in der Eifel die Erft anschwellen lassen, beginnen die Pumpen ihre Arbeit und fördern das Wasser durch den Stollen.

Besucher sind im Stollen nicht erlaubt, die verschiedenen Zugänge und Schächte sind verschlossen. Nur Mitarbeiter, die den Stollen kontrollieren, dürfen hinein. Im vorigen Jahr wurde das Bauwerk aufwendig saniert. Im Lauf der Jahre war der Untergrund nämlich wegen mehrere tektonischer Sprünge abgesackt.

Inzwischen bildet der Stollen wieder eine Ebene von Horrem bis Frechen, über die die großen Wassermassen mit einer Geschwindigkeit von maximal 30 Metern pro Sekunde rauschen kann.

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