Die SPD scheiterte 2025 noch mit einem Nachtfahrverbot für Mähroboter. CDU, FDP und Grüne hatten Bedenken. Nun nicht mehr.
Regeln für MähroboterJamaika in Rhein-Erft entdeckt Herz für Igel

Eine Tierärztin hält einen Igel in ihren Händen.
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Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe! Dieser Gedanke drängt sich bei der Betrachtung des Kreistagsbeschlusses in dieser Woche auf, ein Nachtfahrverbot für Mähroboter zu verhängen – zum Schutz von Igeln.
War da nicht was? Im Juni vorigen Jahres hatte die Jamaikakoalition ein solches Verbot noch abgelehnt. CDU, Grüne und FDP wollten stattdessen mehr auf Aufklärung setzen, etwa durch Flyer oder in sozialen Medien. Falls dies nicht fruchte, könne man ja sich nach einem Jahr noch einmal zusammensetzen und doch über ein Nachtfahrverbot nachdenken, sagte ein CDU-Politiker seinerzeit.
So ist Politik: dieselbe Zielsetzung, aber andere Antragsteller
Ach ja, den Antrag zum Schutz der nachtaktiven Tiere hatte die SPD mit Unterstützung zahlreicher Tier- und Umweltschutzorganisationen gestellt.
Am Donnerstag nun, zu noch nicht nachtschlafender Stunde, legte die Koalition im Kreistag einen Antrag auf den Tisch, der minimal von dem der SPD abwich, aber in der Sache das gleiche Ziel hatte: nämlich künftig seltener Aufnahmen von schwer verletzten oder getöteten Igeln zu sehen, mit denen Tierschützer aufrütteln wollen.
Nun ist es ja zunächst mal als positiv zu bewerten, wenn Menschen – zumal meist in ideologischen Korsetten steckende Politikerinnen und Politiker – ihre Position überdenken. In diesem Fall sind da jedoch mehr als leise Zweifel angebracht. Schließlich gibt es seit dem vorigen Sommer keine neuen bahnbrechenden Erkenntnisse darüber, dass die scharfen Klingen der Rasenmäher den zierlichen Tierchen üble Verletzungen zufügen können. Auch ist nicht bekannt, dass die damals angekündigte Aufklärungskampagne verpufft wäre. Gab's die überhaupt?
Deutlich naheliegender ist die Annahme, dass CDU und FDP (und vielleicht auch die Grünen im Kreistag) damals den Sinn eines nächtlichen Fahrverbots bezweifelten . . . und es auch heute noch tun. Denn es waren die Grünen, die infolge ihrer Ablehnung unter die Räder gekommen waren, und die lauteste Kritik kam von ihnen nahestehenden besagten Umwelt- und Naturschützern. So sprach Jutta Schnütgen-Weber von der BUND-Ortsgruppe Kerpen von einem Armutszeugnis für die grüne Kreistagsfraktion. Einen „Schlag ins Gesicht all derer, die sich seit Jahren im Tierschutz engagieren“ verspürte Renate Könen von den Tierfreunden Rhein-Erft.

Jutta Schnütgen-Weber stellte der Kreistagsfraktion der Grünen ein Armutszeugnis aus.
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Unverständnis auch an der grünen Parteibasis. Stellvertretend für viele sagte Annika Effertz, Vorsitzende des Kerpener Stadtverbands, ein Nachtfahrverbot wäre ein einfach umsetzbarer, wirksamer Schritt gewesen, zumindest nachtaktive Kleintiere zu schützen. Und:
Wer einmal ein Bild von einem Igel gesehen habe, der von einem Mähroboter erfasst wurde, vergesse das nicht so schnell.
Nicht vergessen hat die offenkundig von ihrer Basis entfernte Kreistagsfraktion diese Kritik. Nach der Kreistagswahl im September und in deren Folge in den Koalitionsverhandlungen war Elmar Gillet und Co. das nächtliche Fahrverbot für Mähroboter dann doch so wichtig, dass es sogar Einzug in den Koalitionsvertrag mit CDU und FDP/FW gehalten hat.
Mehr Schutz für Igel – wenigstens ein bisschen
In den Verhandlungen hätte man gerne Igelchen – pardon: Mäuschen – spielen wollen. Schließlich kriegt man in einer Koalition nichts geschenkt; schon gar nicht etwas, das den Überzeugungen der Partner entgegenläuft. Es würde sehr wundern, wenn die CDU den Grünen nicht die Zustimmung zu einem ihrer Themen, mit denen deren eigene Klientel bedient wird, abgerungen hätte.
Den Igeln ist es wurscht. Sie erhalten ein bisschen mehr Schutz.

