Debatte über FeinstaubWahlscheider stehen fest zu ihrem Feuerwerk

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Feuerwerk_Lohma

13 Minuten „Oh“ und „Ah“: Bei der Wahlscheider Kirmes gab’s prächtige Pyrotechnik zum Abschluss.

  1. Die Absage des Feuerwerks auf dem Siegburger Stadtfest beeindruckte die Organisatoren der Kirmes in Lohmar-Wahlscheid nicht.
  2. Viele Gäste der Kirmes mögen die Tradition der bunten Knallerei.
  3. Im vergangenen Jahr war das Feuerwerk in Wahlscheid dennoch ausgefallen.

Lohmar/Siegburg – Es knallte, es zischte, die Menschen riefen „Oh“ und „Ah“: Tausende sahen das Abschlussfeuerwerk der Wahlscheider Kirmes, bis weit in die Nachbarorte waren die Raketen und Böller zu hören. „Es ist eine schöne Tradition“, sagte Sandra Eimermacher vom Organisationsteam. In Zeiten der Klimadiskussion das 13-minütige Spektakel zu streichen, sei keine Frage gewesen.

Vorstoß des Siegburger Bürgermeisters

Beim Siegburger Stadtfest gab es am Abend zuvor nicht wenige, die das Feuerwerk glühend vermissten. Bürgermeister Franz Huhn hatte es Wochen zuvor mit dem Argument „Feinstaubbelastung“ abgesagt und seine Amtskollegen in Bonn und Köln schlagzeilenträchtig aufgefordert, ebenfalls über einen Verzicht bei Pützchens Markt und den Kölner Lichtern nachzudenken.

Zudem wandte sich Huhn an das Bundesinnenministerium mit der Bitte, ein deutschlandweites Feuerwerksverbot zu überprüfen. Bei der Kirmes in Lohmar-Ort fällt die Show kommende Woche aus.

Lieber ohne Knalleffekt

„Nonsens“, meinte dazu Beate Mlinksi, die mit Freunden die Wahlscheider Kirmes besuchte. „Solange nicht die ganze Welt mitmacht, muss man nicht so ein Tamtam machen.“ Das Feuerwerk habe Tradition, und ein ganzer Wirtschaftszweig lebe davon.

Sie versuche, sich umweltbewusst zu verhalten, doch hält die 56-jährige Verwaltungsfachangestellte auch die Diskussion über den Diesel für Augenwischerei. Elektrofahrzeuge seien doch keine Alternative: „Die Herstellung und Entsorgung der Akkus ist extrem umweltbelastend.“

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„Eigentlich wird schon genug geböllert“, sagte hingegen Jan Schmitz. Er hält die privat abgeschossene Pyrotechnik an Silvester aber für viel schädlicher und plädiert für zentrale Veranstaltungen. „Ob jedes Dorffest so etwas haben muss, ist die Frage“, gab der 37-jährige Wirtschaftsingenieur zu bedenken. Früher habe man prima auch ohne Feuerwerk gefeiert.

Ginge es nach Romy Höhne, 9, gäbe es nur Lichter ohne Knalleffekt. „Das ist mir viel zu laut“, sagte die Viertklässlerin. Auch sie habe schon gehört, dass das Zünden der Raketen „nicht gut ist für die Umwelt“.

Ihre Mutter Bianca Höhne indes zeigte sich froh, dass Wahlscheid sich dem Trend widersetzte. „Ich liebe Feuerwerk“, schwärmte die 35-jährige Intensiv-Krankenschwester, „das gehört für mich dazu“.

Man könne vieles andere für die Natur tun. Vermissen würde das Lichtspektakel auch Christian Kaiser, 31, „das könnte es viel öfter geben. Auch der Krach stört mich nicht“.

Noch viel schöner findet der Eventmanager allerdings die Kölner Lichter. „Das Ganze mit Musik ist der Gipfel.“ Es sei doch schade, auf jedes Vergnügen zu verzichten.

Pyrotechnik aus dem Jahr 2018

Urheber der Wahlscheider Pyrotechnik-Show waren die Experten von Weco, die auch die Kölner Lichter komponieren. Das Kirmesteam habe diesmal nicht so tief in die Tasche greifen müssen, so Sandra Eimermacher, das Material war noch übrig. Denn im vergangenen Jahr leuchteten nur Taschenlampen und Wunderkerzen. Grund: die extreme Trockenheit. 

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