Fußball-MittelrheinligaSiegburg lebt – Okoroafor erlöst Hennef

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Torwarttrainer Gerd Schmidt (links) und Sportchef Mehmet Dogan vom Siegburger SV 04

Vier Fäuste für drei Punkte: Torwarttrainer Gerd Schmidt (links) und Sportchef Mehmet Dogan vom Siegburger SV 04.

Siegburg präsentiert sich im Spiel eins ohne Alex Voigt wie ausgewechselt. Hennef jubelt dank eines Duos, das im Sommer nach Bonn wechselt.

Siegburger SV 04 – Eintracht Hohkeppel 2:1 (1:0). Die Hoffnung lebt. Dank des 2:1-Erfolgs über Hohkeppel trennen den Fußball-Mittelrheinligisten Siegburg 04 nur noch zwei Punkte vom rettenden Ufer. „Wir sind zurück“, stellte Oliver Bonato zutreffend fest. Der Sportdirektor sprach von einer „geilen Leistung. Die Mannschaft war im Vergleich zu den letzten Wochen nicht wiederzuerkennen.“

Neben Doppeltorschütze Musashi Fujiyoshi erhielt auch Mehdi Reichert ein Extralob. Der 26-Jährige hatte nicht bloß als Interimstrainer alle Hände voll zu tun gehabt. Vier Tage nach dem Rücktritt von Chefcoach Alexander Voigt heizte er seine Teamkollegen vor dem Anpfiff ein, ehe er selbst die Schuhe schnürte und sein Comeback nach fast achtmonatiger Verletzungspause feierte. Nach 53 Minuten ging er völlig entkräftet vom Platz und wechselte auf die Trainerbank.

Die Jungs haben Eier gezeigt und sich jeden Cent verdient
Mehmet Dogan, Sportchef des Siegburger SV 04

„Heute hat man gesehen, wie sehr uns Mehdi gefehlt hat“, sagte Bonato. „Er hat Regie geführt, als ob es nie eine Verletzung gegeben hätte.“ Fujiyoshi hatte die Siegburger nach Vorarbeit von Julian Fälber in Führung gebracht (7.), ehe der Japaner nach einem Traumpass von Hendrik Strobl den Sack zumachte (87.). Das 1:2 durch einen von Keita Kinoshita verursachten Handelfmeter kam aus Gästesicht zu spät (90./+2, Manuel Glowacz).

Interims- und Spielertrainer Mehdi Reichert (Zweiter von links)

Voller Einsatz für den SSV 04: Interims- und Spielertrainer Mehdi Reichert (Zweiter von links).

Mit dem Sieg haben die 04er nicht nur etwas fürs Tableau getan, sondern auch für die eigene Mannschaftskasse. Der neue Sportchef Mehmet Dogan hatte vor der Partie „ein nettes Sümmchen“ als Siegprämie in Aussicht gestellt und bilanzierte zufrieden: „Die Jungs haben Eier gezeigt und sich jeden Cent verdient.“

SSV: Vogel – Nakanishi, Koyuncu, Isecke, Kinoshita – Kouekem, Reichert (53. Hammouda), Mai (70. Brand) – Fujiyoshi (90. Tomita), Fälber (78. Klug), Kisekka (63. Strobl).


Fortuna Köln II – FC Hennef 05 2:3 (1:2). Der Krimi in der Kölner Südstadt endete aus Hennefer Sicht mit einem Happy End. „Kein Topteam hat bislang bei der Fortuna gewonnen, wir haben es geschafft“, sagte Sportchef Dirk Hager. „Wie wir heute wieder zahlreiche Ausfälle weggesteckt haben, war sensationell.“ Toptorjäger Louis Klapperich hatte sich erst einen Tag vor dem Spiel den Arm gebrochen. Auch Trainer Sascha Glatzel war „einfach nur stolz. Diese Mannschaft lässt sich von nichts und niemandem vom Weg abbringen.“

Die Gäste hatten den besseren Start erwischt: Einen Fernschuss von Jannik Stoffels konnte Fortuna-Keeper Hannes Kramp zwar zur Seite abwehren, doch Masahiro Fujiwara staubte zum 1:0 ab (8.).

Antoski erzielt „Wembley-Tor“

In der 34. Minute wurden Erinnerungen wach an das Wembley-Tor bei der WM 1966: Gjorgji Antoski schoss den Ball an die Unterkante der Latte, ehe die Kugel hinter (oder eben auf) die Torlinie und wieder zurück ins Spielfeld sprang. „Der Ball war nie im Leben mit vollem Umfang hinter der Torlinie“, so Hager. Der Referee sah das anders und zeigte (nach Rücksprache mit dem Linienrichter) auf den Anstoßpunkt – 1:1.

Die Antwort der 05er folgte noch vor der Pause: Wieder war es Fujiwara, der nach Pass von Sakae Iohara im Eins-gegen-Eins-Duell mit Kramp die Nerven behielt – 2:1 (42.). Doch der Gegner zeigte erneut Comebackqualitäten: Nach einer Flanke von San Jose Francisco beförderte Hamdi Dahmani den Ball am kurzen Pfosten ins lange Eck (56.). Kurz darauf hatte Köln die große Chance zur Führung, doch den (von Robin Schmidt verursachten) Foulelfmeter von Gianluis Di Fine parierte Martin Michel (64.).

Okoroafor hat das letzte Wort

Der Strafstoß diente offensichtlich als Weckruf für den FCH. Denn es folgte eine Drangphase, die mit dem 3:2 belohnt werden sollte: Nach einer Flanke von Dannyking Beya-Kafunda legte Fujiwara den Ball zurück auf Michael Okoroafor, der eiskalt vollstreckte (80.). Der Torschütze wechselt im Sommer ebenso zum Bonner SC wie Michel. Beide scheinen mit ihren Gedanken aber ausschließlich beim FCH zu sein, der seinen Vorsprung an der Spitze auf drei Zähler ausgebaut hat.

FCH: Michel – Siregar, Dogan, Viehweger (67. Mus), Ramirez – Fujiwara (90. Simsik), Iohara, Stoffels, El Morabiti (67. Akalp, 73. Beya-Kafunda) – Okoroafor, Schmidt.

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