Das Strukturförderprogramm des Landes, das Projekte im Bergischen Rheinland unterstützte, läuft aus.
Regionale 2025Dorfladen, Burg, Quartier – Was in acht Jahren in Rhein-Sieg passiert ist

Die Regionale 2025 Agentur hatte zur Zukunftswerkstatt Energie unter dem Titel "Gewerbegebiete neu denken" in die Meys Fabrik nach Hennef eingeladen.
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Nach acht Jahren steht das Finale vor der Tür: Die Regionale 2025 hat fertig. 50 Projekte wurden im Rhein-Sieg-Kreis, im Rheinisch-Bergischen und im Oberbergischen Kreis realisiert. „Lust auf Zukunft“ war das Motto, unter dem in 28 Kommunen der Region Dinge in Bewegung gebracht und Fördergelder organisiert wurden - immerhin rund ein Drittel der Kommunen im gesamten Regierungsbezirk Köln.
Das Bergisches Rheinland stand im Fokus; im Rhein-Sieg-Kreis beteiligten sich Windeck, Lohmar, Neunkirchen-Seelscheid, Much und Ruppichteroth. Von diesem Schulterschluss, so Regionale-Geschäftsführer Reimar Molitor im Gespräch mit dieser Zeitung, profitierten alle Kommunen des östlichen Kreisgbietes. Denn in Zeiten massiver Haushaltsprobleme sei Strukturförderung wichtiger denn je. „Denen nutzt es nichts, jetzt mit Sankt Augustin in einen Topf geschmissen zu werden oder mit Niederkassel. Wenn ich die in der Kreismitte absaufen lasse, dann werden die sich nicht entwickeln können.“
Große Leuchtturm-Projekte gab es 2010, diesmal war die Regionale kleinteiliger
Dabei hatte das Landesstrukturprogramm nach einem „fliegenden Start“ 2018 mehrere Rückschläge zu überwinden: Corona, Ukraine-Krieg, die Verteilung vieler Geflüchteter auf die Kommunen. Aus diesem „Windschatten“ heraus, wie Molitor es nennt, seien dennoch viele Projekte umso deutlicher durchgestartet. Was auch damit zusammenhänge, dass sich nach der Pandemie das Arbeiten im Homeoffice etabliert habe: Statt drei Stunden zur Arbeit und zurück zu pendeln, investierten die Menschen diese Zeit jetzt etwa in Gemeinschaftsprojekte. Außerdem sei die Attraktivität des östlichen Kreigebiets bei jungen Familien gestiegen, was sich widerum postiv auf die Entwicklung der Gebiete auswirke.
Der Raum Bergisches Rheinland sei wie ein Körper, die Regionale-Projekte wie Akkupunkturnadeln: „Die stechen dann in die Nerven, und wenn die Nadeln gut sitzen, dann passiert da was. Dann fängt der Raum an zu kommunizieren und dann fängt er an, sich zu entwickeln. Wir hatten in der ersten Regionale wenige Nadeln für die ganze Region. Aber die waren teilweise von den Impulsen sehr kräftig.“ Beispiele seien die Leuchtturm-Projekte Drachenfels und Kloster Heisterbach in Königswinter oder auch der „Sprung an die Sieg“ in Eitorf in der Regionale 2010. Diesmal sei man kleinteiliger herangegangen. Er stelle sich das vor wie einen Quilt: Die Projekte in der Region, die Themen von heute und morgen seien die Stoff-Flicken. „Es ging eher darum, zusammenzusitzen und das zusammenzunähen.“
In Windeck-Leuscheid entstand 2023 der erste 24-Stunden-Markt in NRW
Eins der ersten, umgesetzten Projekte war das Dorfzentrum Leuscheid mit dem ersten 24/7-Laden in Nordrhein-Westfalen, der am 4. März 2023 in einem leerstehenden Ladenlokal eröffnet wurde. „Ein früher Erfolg“, sagt Molitor. „Es war für uns stilbildend für andere Projekte im Bergischen Rheinland.“ Das Besondere am Leuscheider Landmarkt sei, dass es eben nicht nur ein gut gehender Selbstbedienungssupermarkt sei, sondern auch das Miteinander fördere: Es gebe Angebote zum Häkeln, Mütterkaffee und Seniorenbridge.

Einkaufen im Leuscheider Landmarkt ist gesellig.
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Das Innovationsquartier auf dem Thurn-Gelände in Neunkirchen, sei ebenfalls ein Vorzeigeprojekt: „Die haben ja jetzt schon tolle Entwicklungen, die Förderschule des LVR, die erste Wohnbebauung, erste Investoren“, so Molitor. Die Gemeinde Neunkirchen-Seelscheid profitiere durch die Ortsentwicklung, die Gewerbeentwicklung, die Steuerzahler. Hätte die Gemeinde das Areal nicht selber entwickelt, wäre vielleicht ein Fonds gekommen, hätte es als Buchwert gekauft und es liegen gelassen, so der Regionale-Geschäftsführer.

Das Gelände der ehemaligen Thurn-Werke in Neunkirchen.
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Die Teichlandschaft im Lohmarer Wald sei eine Überraschung und Herausforderung gewesen: „Obwohl wir hier in der Region lange arbeiten, hatten wir diese Ecke überhaupt nicht auf der Pfanne. Wir kennen die Heide, aber das ist ja dieser Übergangsraum zwischen Heideterrasse, dem Hinterland und der Rheinschiene.“ Ökologisch extrem wichtig, so Molitor, aber durch verschiedene involvierte Akteure schwierig zu entwickeln. „Das war unsere Aufgabe, als wir da reingegangen sind, um zu sagen, wie kriegen wir das jetzt hin?“ Schließlich habe der Kreis die Trägerschaft substituiert.

Das Wahrzeichen der Gemeinde soll im Zuge der Regionale 2025 durch verschiedene Maßnahmen besser erreichbar werden.
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Das Heimathaus in Stadt Blankenberg in Hennef, die Neugestaltung der Ortsmitte in Lohmar-Birk, die Burg Windeck mit dem Dorf der Generationen - das sind Zukunftsprojekte, die Molitor auf einem guten Weg sieht. Insbesondere bei der Burg Windeck dürfe man sich jetzt nicht auf dem Erreichten ausruhen: „Das ist ein toller Touristenmagnet. Wir haben das Geld besorgt, jetzt muss der Rhein-Sieg-Kreis weitermachen.“ Gerade die Burg sei ein guzes Beispiel dafür, wie Projekte die ganze Region aufwerteten: „Die kann man nicht isoliert sehen, sondern es ist eine hübsche Kette: Kabelmetall, Siegradweg, Altwindeck, Elisental, Burg Windeck, Panabora, Schloss Homburg in Nümbrecht - die ganze Achse ist ja aufgeräumt.“
Im Rhein-Sieg-Kreis fehlen 20 Leihrad-Stationen, obwohl das Geld bereitsteht

In der Denkschmiede in Ruppichteroth-Winterscheid gab es die Konferenz "KI.zukunft.regional - Forum für Handwerk und Industrie". Eindruck aus einem Workshop.
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Die Denkschmiede in Hennef und Ruppichteroth-Winterscheid sei ein gutes Beispiel, wie der Trägerverein regionale Unternehmen, Handwerksbetriebe und produzierendes Gewerbe stärke, besonders bei Themen wie Digitalisierung und Umgang mit künstlicher Intelligenz. Ähnliches sollte am B7-Campus in Windeck passieren, aber „das hat ehrlicherweise nicht so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben“, gibt Molitor zu. Auch der Schwerpunkt Ressourcen seihinter den Erwartungen zurück geblieben.
In Sachen Leihräder sieht Molitor ebenfalls Luft nach oben: Während der Rheinisch-Bergische Kreis sein Netz etabliert habe, fehle es im Rhein-Sieg-Kreis noch an 20 Stationen: „Die sind ja projektiert, die sind finanziell angemeldet, die müssen jetzt nur noch umgesetzt werden. Es gibt das stehende Geld von GoRheinland, aber die Kommunen sind in der Verpflichtung, es zu machen.“ Dass der Bedarf da sei, werde durchaus in den Verwaltungen gesehen, so Molitor. „Aber das steht auf der Liste von all den Dingen, die man machen muss, eben nicht weit oben.“ Schade sei das, denn im Rheinisch-Bergischen gebe der Erfolg dem Konzept Recht: „Da sind viele Pendler, die jetzt ihr Auto stehen lassen.“
Der Abschluss in Much markiert nur das formale Ende der Regionale - es soll weitergehen
Dennoch, so kurz vor dem großen Finale am Wochenende 11. und 12. Juni in Much, zieht Molitor ein durch und durch positives Fazit: Aus dem Kleinteiligen sei eine Vielzahl an großen und guten Projekten entstanden. Viele weitere seien in Umsetzung befindlich oder verbindlich angestoßen worden, nur wenige ruhten. Es sei deutlich geworden, dass „da, wo sich Staat und Markt und Kirche zurückziehen, sich Bürgerinnen und Bürger in vielen Bereichen selber organisieren“. Sie seien Fans des Raums im Bergischen und an der Oberen Sieg geworden, so Molitor, „aber ich glaube, der Raum ist auch mittlerweile ein bisschen mehr Fan von sich selber“.
Wichtig sei auch gewesen, dass sich die drei Landkreise zur Zukunftsallianz Bergisches Rheinland bekannt hätten und auch nach dem Projektende der Regionale rollierend mit dem Region-Köln-Bonn-Fonds weitermachten.
Der Abschluss, der am Wochenende 11. und 12. Juli mit einem Zeltfest in Much gefeiert werde, markiere nur das formale Ende der Regionale. Während der Sonntag im Zeichen des Feierns stehe, stellten sich am Samstag 30 selbst organisierte Projekte vor, außerdem gebe es Informationen zu Fördergelden und Stiftungen. „Die Idee von uns ist, dass noch mal ein ganzer Schwung neue Projekte entsteht“, so Molitor. „Schluss, Tusch, Peng – jetzt geht es los!“