S-BahnlinienZugausfälle wegen hohem Krankenstand – Pendler im Rhein-Sieg-Kreis sind sauer

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Eine S-Bahn steht an einem Bahnsteig.

Eine Bahn an Gleis 2 in Eitorf: Zwölf Verbindungen fallen auf der Strecke nach Köln in dieser Woche täglich aus.

Jeweils zwölf S-Bahn-Verbindungen fallen derzeit jeden Tag in Rhein-Sieg weg – in beide Richtungen. Wie es laut Bahn nun weitergehen soll.

Wenn Michael Welteroth auf dem Bahnsteig in Eitorf steht und auf seine Verbindung nach Köln wartet, fällt ihm der Spruch eines Zugbegleiters ein: „Wenn Sie pünktlich sein wollen, müssen Sie zwei Züge früher fahren“. Insbesondere in dieser Woche trifft das zu: Aufgrund hoher Krankenstände, teilt die Bahn auf ihrer Internetseite mit, komme es bei den S-Bahnlinien 12 und 19 bis 27. Mai zu Einschränkungen.

Die Liste der ausfallenden S-Bahnen ist lang; jeweils zwölf Verbindungen fallen täglich in beiden Fahrtrichtungen zwischen Au und Horrem beziehungsweise Düren weg. Natürlich sei die Strecke gut bedient, gibt der 57-Jährige zu, der als Techniker in Köln arbeitet. Lange müsse man nicht auf die nächste Bahn warten. Aber dennoch: „Ich warte zehn Minuten, fünfmal die Woche – das sind in der Woche 50 Minuten, die mir die Bahn klaut.“ Und das nur auf einer Strecke. Mehr aber ärgert ihn: „Ich trete ja in Vorleistung. Ich zahle, aber die Bahn liefert nicht.“

Pendler im Rhein-Sieg-Kreis zwischen Verständnis und Wut auf die Bahn

Martin Dohrmann und seine Frau Kirsten sind auf dem Weg nach Teneriffa und froh, dass ihr Zug ab Eitorf nach Köln fährt. „Wir kennen ja das Spiel durch unseren Sohn, der pendelt täglich – was der für Geschichten erzählt!“ Immer voll, immer unpünktlich seien die Züge.

Das bestätigen auch Margret Hanke und Nicole Graef, die beide im Nachhilfeinstitut in Eitorf arbeiten. In dieser Woche mit den massiven Ausfällen sei es besonders arg: „Wir bekommen ja mit, dass die Schüler und auch die Lehrkräfte sich verspäten“, so Hanke. Sie selber müssten zum Glück nicht regelmäßig Bahn fahren. „Aber mein Mann pendelt nach Köln, das ist ganz schlimm“, sagt Graef.

Zwei Frauen stehen vor einem einfahrenden Regionalzug.

„Oh, die Bahn ist ja pünktlich!“ Nicole Graef (l.) und Margret Hanke freuten sich am Eitorfer Bahnhof über die Einfahrt der S-12.

Susanne Zimmermann pendelt täglich von Köln nach Siegburg zur Arbeit. Die 46-Jährige ist mittlerweile routiniert und startet erst nach einem Blick auf ihre DB-App. „In den allermeisten Fällen erspart mir das die unnötigen Wartezeiten am Bahnsteig“, sagt sie. Grundsätzlich, so Zimmermann, habe sie schon Verständnis dafür, dass bei dem engen Takt nicht immer alles nach Plan laufen kann. „Wir alle haben spätestens seit der Pandemie gelernt, dass die Dinge manchmal einfach nicht so laufen, wie wir uns das vorstellen.“

Bahn bedauert Einschränkungen für Pendler in Rhein-Sieg

Dass die Ausfälle nun aber seit Monaten zur Regel geworden seien, nerve aber zunehmend. „Ich habe schon mehr und mehr den Eindruck, dass die Personaldecke bei der Bahn vorne und hinten nicht passt“, sagt die 46-Jährige. „Es kann einfach nicht sein, dass beim ersten Krankenfall sofort eine Bahnlinie ausfällt.“

Man bedauere die Einschränkungen für die Fahrgäste und bemühe sich, die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten, sagt ein DB-Sprecher auf Anfrage. Aber: „Bei uns spiegelt sich der Krankenstand wider wie bei allen Unternehmen in Deutschland. Daher kann es an der einen oder anderen Stelle zu geringen Einschränkungen im Zugverkehr kommen.“

Bahnausfälle könnten sich in der kommenden Woche fortsetzen

Wo Verbindungen ausfielen, gebe es in aller Regel parallel laufende Linien und alternative ÖPNV-Angebote.  „Wir versuchen, kurzfristig Ersatz für erkrankte Mitarbeitende zu finden“, so der Bahnsprecher weiter. Ob die S12 und S19 in der kommenden Woche wieder nach Plan fahren, konnte er noch nicht sagen: „Ein sehr hoher Krankenstand kann punktuell zu einer angespannten Personalsituation führen, denn auch eine flexible und vorausschauende Personalplanung kann die aktuelle gesundheitliche Lage nicht immer ausgleichen.“

So sei es auch zu erklären, dass teilweise mehr Linien gestrichen seien als von der Bahn angekündigt und selbst die App diese Ausfälle nicht aktuell anzeige.

Von einer generellen Personalknappheit könne man aber nicht sprechen, die Bahn stelle laufend zusätzliches Personal ein. „Allein in diesem Jahr werden mehr als 25 000 neue Kolleginnen und Kollegen an Bord kommen. Darunter sind auch 5500 Nachwuchskräfte – das ist ein neuer Rekord“, so der Bahnsprecher. Allein bei DB Regio NRW lernten derzeit 180 Auszubildende ihren Beruf.

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