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Serie „Muss das so sein?“Was die Reduzierung der Nachtflüge wirklich gebracht hat

3 min
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Wie laut es genau ist, dokumentiert Prante, der sich im Bürgerverein Neubrück auch gegen den Fluglärm engagiert, mit einer Messanlage auf seinem Dach.

  1. Die Zahl der Nachtflüge am Flughafen Köln/Bonn sollte im Sommerfahrplan 2019 von Eurowings deutlich reduziert werden, war ein Versprechen vor sechs Monaten an die lärmgeplagten Anwohner.
  2. Wir haben nachgehakt, ob das Versprechen eingehalten wurde.
  3. Jetzt weiterlesen in unserer PLUS-Serie „Muss das so sein?“

„Gefühlt ist es nicht leiser geworden“, sagt Manfred Prante (82). Er wohnt seit 1969 in einem Bungalow in Köln-Neubrück. Seitdem habe der Flugverkehr exorbitant zugenommen. Regelmäßig überfliegen Maschinen auf ihrem Weg nach Köln/Bonn sein Haus. Und regelmäßig gebe es dabei zwischen 23 und 5 Uhr am Morgen Lärmereignisse von 75 dBA, hatte er vor einem halben Jahr angegeben. Durchschlafen sei nicht mehr möglich, so Prante damals. Und subjektiv spürt er keine Lärmreduzierung. „Da bekommen sie keinen Freudenschrei“, so Prante jetzt. „Da muss mehr passieren.“

Zahl der Starts und Landungen gesunken

Die Zahl der Starts und Landungen ist in den ersten vier Monaten des Jahres leicht um 1,3 Prozent auf 42 167 gesunken, wie aus Zahlen der Lärmschutzgemeinschaft Flughafen Köln/Bonn hervorgeht. Dabei ging die Zahl der Tagflüge um etwas mehr als ein Prozent auf 30 416 zurück. Zwischen 22 und 6 Uhr gab es 11 751 Flüge, knapp zwei Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Nach Rekordwerten im abgelaufenen Jahr hatte der Flughafen freilich einen Rückgang bei Passagieren erwartet, weil etwa die Eurowings-Langstrecke nach Düsseldorf abgewandert war. Und schlechtere Rahmenbedingen beim Handel lässt die Zahl der Frachtflüge sinken.

Der Rückgang in den ersten Monaten des Jahres beim Nachtflug geht Wolfgang Hoffmann von der Lärmschutzgemeinschaft nicht weit genug. Nachtflüge seien vielmehr über die letzten Jahre ausgeweitet worden. Und mit 44 600 Starts und Landungen in der Nacht wurde im abgelaufenen Jahr in Köln/Bonn ein neuer Rekordwert erreicht. Im Vergleich zu 2017 ist das ein Plus von 5,2 Prozent. Besonders kritisiert die Lärmschutzgemeinschaft die Erhöhung der Flüge in der Kernnacht von 0 bis 5 Uhr um 28 Prozent seit 2014 auf 28 755. Und ein besonderer Dorn im Auge sind ihr die Passagierflüge in der Kernnacht. Die nahmen seit 2014 sogar um 37,3 Prozent auf 9260 Flugbewegungen zu.

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Auch Eurowings bietet Nachtflüge an. Im Sommerflugplan 2019 sind es zwischen 0 und 5 Uhr wie im Vorjahreszeitraum 24 pro Woche. Das ist nicht die ins Auge gefasste Reduzierung. „Für uns gilt nach wie vor, dass wir so wenig Starts und Landungen wie möglich in diesem Zeitfenster abfertigen wollen“, sagte ein Sprecher. Da in diesem Sommer die Nachfrage nach Verbindungen zu touristischen Destinationen unverändert hoch sei und Eurowings immer abhängig von den verfügbaren Zeitfenstern an den jeweiligen Zielflughäfen wie beispielsweise Palma de Mallorca sei, falle ein sehr geringer Teil des Flugangebots von Eurowings in diesen Zeitraum, so der Sprecher.

Gebührenordnung soll helfen

Dabei versucht der Flughafen Köln/Bonn durch seine Gebührenordnung Flüge aus der Nacht in den Tag zu verlegen. Seit 2013 hat er drei Mal die Gebührenordnung verändert. Nach der jetzt geltenden Regelung von 2017 sind die Gebühren für einen Airbus A 319, die sich aus zahlreichen Komponenten zusammensetzen, in der Nacht 80 Prozent höher als am Tag. Vorher waren es 51 Prozent. In der Tat, so die Lärmschutzgemeinschaft, kostet der Flieger jetzt 1026 Euro Gebühren statt zuvor 884 Euro in der Nacht. Am Tag sind es 572 statt zuvor 584 Euro.

Diese Spreizung geht der Lärmschutzgemeinschaft aber noch nicht weit genug. „Die Gebührenerhöhungen für Nachtflüge sind nicht zielführend bei der Reduzierung der Nachtflüge“, sagt Hoffmann. „Nachflüge müssten so verteuert werden, dass sie unwirtschaftlich werden. „Kosten wie für ein oder zwei Sitze spüren die Airlines nicht“, lautet Hoffmanns Forderung.

Hoffmanns Forderung dürfte der Flughafen auch bei einer anstehenden Gebührenänderung im kommenden Jahr nicht erfüllen. Die Spreizung werde aber größer, sagte ein Flughafen-Sprecher.