Abo

Heimniederlage gegen HerthaBayer ist zurück im Niemandsland der Bundesliga

3 min
Leverkusen gegen Hertha

Leverkusens Sven Bender (links), Nadiem Amiri und Kevin Volland (rechts) nach dem Abpfiff.

Leverkusen – Bayer 04 Leverkusen hat eine Fähigkeit, um die sie kein anderer Club der Welt beneidet. Dieser so üppig mit Talent und Versprechen ausgestatteten Fußballmannschaft gelingt es in schöner Regelmäßigkeit, sich den mühsam freigeschlagenen Weg des Erfolgs sofort wieder mit einem dichten Dornengestrüpp zu verbauen.

Die Werkself benötige nach den triumphalen 2:1-Siegen bei Bayern München und gegen Schalke 04 nur vier Tage, um der peinlichen 0:2-Derbypleite beim 1. FC Köln eine 0:1 (0:0)-Enttäuschung gegen Kellerkind Hertha BSC Berlin folgen zu lassen. Vor dem letzten Hinrundenspiel in Mainz ist Bayer wieder im Niemandsland der Bundesliga-Tabelle untergetaucht.

Peter Bosz baut sein Team vor der Partie um

Bayer-Coach Peter Bosz reagierte personell gesehen verhalten auf die Blamage von Köln. Für Aleksandar Dragovic (Gelb-Rot), Julian Baumgartlinger (muskuläre Probleme) und Wendell schickte der Niederländer seinen Landsmann Daley Sinkgraven, Jonathan Tah und Lucas Alario im letzten Heimspiel des Jahres 2019 auf den Platz.

Boszs im Vorfeld der Partie auch verbal geäußerte Zurückhaltung bezüglich des herben Rückschlags von Samstag übertrug sich auf seine Mannschaft. Ganz sicher ungewollt, aber schnell erkennbar. Die Leverkusener hatten ihre Lethargie die knapp 15 Kilometer aus dem Rheinenergiestadion in die BayArena mitgeschleppt.

Das könnte Sie auch interessieren:

Jürgen Klinsmann erschwerte beim Wiedersehen mit seinem Weltmeister-Sturmpartner von 1990, Rudi Völler, das Unternehmen Wiedergutmachung. Der noch frische Hertha-Coach wählte eine Taktik, die perfekt zu einem Gegner passt, der über sich und seine Versäumnisse nachdenkt. Das Problem, das eigene Potenzial konstant abzurufen, steckte in den Köpfen der Bayer-Profis und lähmte die einfachen Kreativ-Instinkte, die eine Leverkusener Mannschaft braucht und auszeichnet.

Bayer Leverkusen zeigt sich ideenlos

Die Berliner stellten sich in einem 4-1-4-1 am eigenen Strafraum auf und beobachteten in aller Ruhe die grüblerische Ideenlosigkeit auf der anderen Seite. Zwei Einzelaktionen von Moussa Diaby (9.) und Lucas Alario (18.) mit leichten Prüfungen für Keeper Rune Jarstein, mehr gaben die die Bayer-Bemühungen vor der Pause nicht her. Auch, weil in der Schaltzentrale der Leverkusener Kai Havertz auf der Suche nach Form und Leichtigkeit ist und Mr. Zuverlässig Charles Aranguiz mit seinen Gedanken zeitweise irgendwo anders zu sein schien.

Das Beste aus Sicht der Gastgeber war noch, dass die Berliner aus Klinsmanns erfolgreicher Einschläferungsmasche offensiv kein Kapital schlugen. Die Chancen dazu waren da: Javairo Dilrosun (21./44.) zielte zweimal knapp vorbei und Davie Selke scheiterte am aufmerksam Bayer-Torwart Lukas Hradecky (22.).

Karim Rekik trifft für Hertha zum 1:0

Weil das Spiel der Leverkusener nach der Pausenansprache ihres Trainers nicht besser, sondern zu allem anderen Übel auch noch ungenauer daher kam, holte die Hertha ihr Versäumnis nach. Nach einem abgewehrten Eckball öffnete der für Lars Bender eingewechselte Panagiotos Retsos eine Lücke, die Karim Rekik dankend ausfüllte. Der Berliner Innenverteidiger scheiterte zwar im ersten Versuch noch an Hradecky, hatte danach im Strafraum aber so viel Raum und Zeit, dass er seine eigenen Abpraller seelenruhig zur Führung verwandeln konnte (64.).

Kai Havertz gegen Hertha

Kai Havertz wurde nach dem Spiel von denen eigenen Fans ausgepfiffen.

Bayer war kurz wütend und antwortete mit einem gefährlichen Kopfball von Kevin Volland (66.), verfiel aber sofort wieder in seine Muster der ersten Stunde und steigerte die Enttäuschung von Köln ins Bodenlose. Peter Bosz sah sich sogar gezwungen den Schatten von Kai Havertz auszuwechseln (71.). Mit der Anwesenheit des echten Jungstars war vor nur 24.472 Zuschauern nicht mehr zu rechnen. Ein Abseitstor des eingewechselten Paulinho blieb alles, was die Werkself nach Vollands Kopfball noch zustande brachte. So blieb die Erkenntnis, eine Fähigkeit zu besitzen, die kein anderer haben möchte.

Leverkusen: Hradecky; L. Bender (46. Retsos), Tah, S. Bender, Sinkgraven; Aranguiz, Havertz (71. Paulinho); Amiri, Diaby; Volland, Alario. – Hertha BSC: Jarstein; Klünter, Boyata, Rekik, Plattenhardt; Skjelbred, Grujic, Darida (90. Maier), Dilrosum, Lukebakio (65. Wolf), Selke (71. Köpke). – SR.: Dankert (Rostock). – Zuschauer: 24.472. – Tor: 0:1 Rekik (64.). – Gelbe Karten: Volland, Paulinho; Grujic, Skejbred.