Bim Revierderby vermeiden Schalke und Dortmund ihre erste Rückrundenpleite. Die Bayern plagt nach dem Triumph über Paris Saint-Germain ein Luxusproblem.
Bundesliga-KolumneEin Philosoph, viele Chaoten und ein Unglücksrabe

Torschütze und Philosoph: Dortmunds Nico Schlotterbeck
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Rückschlag für Dortmund im Meisterrennen: Nicht gewonnene Spiele in der Liga sind für Dortmunds Kicker zu einer echten Rarität geworden. Vier Monate nach dem 2:4 in Gladbach war es nun aber wieder mal so weit, deshalb ließ sich Nico Schlotterbeck nach dem 2:2 auf Schalke auch erst einmal ratlos auf den Rasen plumpsen. Irgendwann hatte sich der Nationalverteidiger dann wieder vom Boden nach oben gearbeitet.
Rückschlag für Dortmund im Meisterrennen
Und auf die Frage, ob es denn sein darf, dass ein Erfolgsteam wie der BVB – wie zuvor geschehen – zwei Mal eine Führung weggibt, kam ihm da auch schon ein philosophisch angehauchter Kommentar in den Sinn. „Dürfen darf man alles, aber man sollte es nicht“, lautete die Schlotterbecksche Weisheit zum Rückschlag für die Westfalen im Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Bayern. Ein Ärgernis, das auch Edin Terzic nicht verhehlen konnte. Intern habe man das Thema Meisterschaft in den zurückliegenden Wochen „nicht groß“ werden lassen, versicherte der BVB-Coach nach dem Remis beim abstiegsbedrohten Revierrivalen zwar.
Doch im nächsten Satz grummelte er: „Eine absolute Spitzen-Mannschaft macht die Tür in so einem Spiel zu.“ Die Schwarz-Gelben aber ließen sie offen, die Königsblauen – neben dem BVB als einziges Team in der Rückrunde weiterhin ungeschlagen – huschten zwei Mal durch. Mit einer Taktik, die Terzic in seiner Zusammenfassung des frühen Samstagabends verarbeitete. „In der ersten Halbzeit“, erwähnte er, „hatten wir viele gute Phasen und viele Chancen. In der zweiten Halbzeit haben wir damit aufgehört, und dann wurde es wild. Genauso wie Schalke es haben wollte.“
Frevelhafte Augsburger ärgern die Bayern
Ein Kontrollverlust wie die Dortmunder im Wilden Westen suchte auch die Bayern heim, allerdings unter weitaus komfortableren Umständen. Beim kunterbunten 5:3 gegen Augsburg unterlagen sie in der Teilwertung „zweite Halbzeit“ mit 1:2. Ein frevelhaftes Verhalten der Gäste aus Schwaben, die Verantwortung dafür nahmen die allzeit anspruchsvollen Münchner aber selbstverständlich selbst.
„Jeder ist ein wenig sauer über die drei Gegentore, weil wir immer zu null spielen wollen. Wenn wir 4:1 vorne sind, müssen wir das Spiel kontrollieren“, analysierte Offensivkraft Jamal Musiala streng. Dieser Meinung war auch Trainer Julian Nagelsmann, der vorsichtig nörgelte: „In der zweiten Halbzeit hatten wir nicht mehr so viel Kontrolle.“
Frankfurt auf der Suche nach dem verlorenen Bauchgefühl
Etwas grundsätzlicher ist der Verlust des eigenen Selbstverständnisses im mittleren Westen der Republik: Die Kröte des dürftigen 1:1 gegen die Kellerkinder aus Stuttgart schluckten die Frankfurter in einer Mischung aus Widerwillen und Einsicht. „Wir müssen uns eingestehen, dass wir uns gerade sehr viel erarbeiten müssen. Du brauchst Selbstvertrauen, das haben wir gerade nicht“, psychologisierte Übungsleiter Oliver Glasner.
Die Fans der Eintracht und des VfB spielten auf ihre Weise Wilder Westen: Nach der Partie in Frankfurt zogen Stuttgarter Ultras in ihrem Sonderzug die Notbremse, um sich mit den Anhängern der Eintracht auf den Gleisen eine kraftstrotzende Auseinandersetzung zu liefern.
Doppelte Schmach für Gladbachs Pléa in Leipzig
Lieber ganz still in eine dunkle Ecke verkrochen hätte sich 400 Kilometer weiter nordöstlich Alassane Pléa. In Leipzig verschoss Gladbachs französischer Angreifer beim Stand von 0:0 erst einen Elfmeter, später verursachte er mit einem unnötigen Tackling zudem den Strafstoß, den die 3:0-Sieger von RB zu ihrem zweiten Treffer nutzten. „Wenn du zwei solcher Szenen drin hast, bist du sicher nicht der Matchwinner“, erkannte Christoph Kramer zielsicher. (am)
