Bayer 04 entschied dank eines Elfmeter in der Nachspielzeit das Duell für sich. Am Sonntag steht das Heimspiel gegen Union Berlin an.
Vor Heimspiel gegen Union BerlinBoniface sichert Siegesserie von Bayer 04 – lobende Worte von Alonso

Victor Boniface feiert sein entscheidendes Tor gegen Qarabag Agdam. .
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Wenn Fußballprofis, deren Körper auf extremste Beweglichkeit getrimmt sind, einen halben Tag lang stillsitzen müssen, sollten sie wenigstens gutes Futter für ihre Köpfe an Bord haben. Dieses haben sich die Himmelstürmer von Bayer Leverkusens auf der weitesten aller Europapokal-Reisen selbst besorgt: „Das ist ganz, ganz wichtig“, sagte Jonas Hofmann nach dem schmeichelhaften 1:0-Sieg bei Qarabag Agdam.
Und der deutsche Nationalspieler, der die Werkself als Joker unterstützt hatte, um den aserbaidschanischen Meister weniger mit fußballerischer, aber mit mentaler Stärke zu knacken, ergänzte: „Mit der langen Reise, den Strapazen, dass wir mit diesem Gefühl nach Hause fliegen können, tut unheimlich gut“.
Sieg für Bayer 04 in Baku: Elfmeter in der Nachspielzeit entscheidet
Tatsächlich war der Bayer 04-Tross bereits am Mittwoch ins über 4000 Kilometer entfernte Baku geflogen und dort mit einer Zeitumstellung von plus drei Stunden umgegangen. Dank Victor Boniface‘ verwandeltem Handelfmeter in der Nachspielzeit, ging es am Freitag dann mit den nächsten drei Punkten im Gepäck, auf den sechsstündigen Rückflug.
„Es war klar, dass es nicht so wird, wie im Hinspiel“, ignorierte Hofmann den 5:1-Heimerfolg vor zwei Wochen und durfte sich doch über das gesicherte Überwintern in der Europa League freuen. Zwar brauchen sie für den Gruppensieg und das Achtelfinale noch einen Punkt aus den verbleibenden Duellen mit Häcken (A) und Molde (H). Am Donnerstag markierten die Leverkusener aber – auch ohne den am Knie verletzten Exequiel Palacios – einen weiteren Schritt in ihrer Entwicklung zur absoluten Spitzenmannschaft.
Nach Sieg in der Europa League: Chefcoach lobt seine Mannschaft
„Das war eine wichtige Erkenntnis“, befand Hofmann, „zu wissen, hey, wir können es auch in der Nachspielzeit ziehen und müssen es nicht schon nach der Halbzeit oder in der 70. Minute entscheiden“. Tatsächlich hatte Xabi Alonsos Elf zuvor noch keinen ihrer 14 Pflichtspielsiege per Last-minute-Treffer errungen. Lediglich das 2:2 in der Bundesliga beim FC Bayern München fiel auch per Strafstoß, auch in der 94. Minute, durch Weltmeister Palacios.
„Dieses Vertrauen zu haben, in unser Spiel, dass wir diese Chance haben werden, dafür müssen wir arbeiten und reif sein“, lobte der spanische Chefcoach seine Mannschaft. Auch wenn deren defensiver Vortrag oft fahrig war und es die aserbaidschanische Abschlussschwäche brauchte, um das Tor von Ersatzkeeper Matej Kovar ebenso sauber zu halten, wie die Weste in Gruppe H, beeindruckte ihre Willensleistung: „In den letzten 15 Minuten hatten wir das Gefühl, die Energie zu haben, um das Spiel besser zu beenden als der Gegner“, spürte Alonso die richtige Mentalität, ungeachtet aller Strapazen.
Grimaldo und Tella erstmals für ihre Nationalmannschaften nominiert
Auf ihrem Rückflug ins Rheinland durften seine Schützlinge sich auch über die Nominierungen für die anstehenden Länderspiele freuen. 13 Leverkusener sind dann insgesamt für ihre A-Nationalmannschaften unterwegs und erstmals auch Alejandro Grimaldo. Nach sieben Pflichtspieltoren, fünf Vorlagen und durchweg überragenden Leistungen im Bayer-Trikot hat Nationalcoach Luis de la Fuente den schon 28-jährigen Linksverteidiger nun erstmals ins spanische Aufgebot berufen, das in der EM-Qualifikation auf Zypern und Georgien trifft.
Im nigerianischen Kader steht neben Goalgetter Boniface erstmals auch Nathan Tella. Der gebürtige Londoner stand in Baku in der Startelf und könnte sich nun in der WM-Qualifikation für das Heimatland seiner Eltern beweisen. „Wir freuen uns für ihn“, stellte Alonso klar, gab angesichts des fünften, afrikanischen Nationalspielers und der drohenden Personalknappheit während des Afrika-Cups aber zu: „Für Januar und Februar macht es mir Sorgen, ihn vielleicht für fünf Spiele nicht zu haben.“ Bevor sich ein Großteil der Profis wieder in alle Himmelsrichtungen verstreuen wird, steht am Sonntag (15.30 Uhr/DAZN) noch das Heimspiel gegen Union Berlin an.
Alonso warnt: „Union wird schwierig und hart sein“
Den Köpenickern gelang nach zwölf Pflichtspiel-Niederlagen, jüngst ein 1:1 beim italienischen Meister SSC Neapel. Kein Wunder also, dass Alonso vor dem Champions-League-Teilnehmer warnt: „Union wird schwierig und hart sein“. Vor dem siebten Pflichtspiel binnen drei Wochen versucht er nochmal in die Köpfe seiner Spieler zu kommen: „Wir brauchen eine gute Stimmung, eine gute Energie“, weiß er um die schwindende Kräfte.
In einer solchen Phase müssen seine Profis akzeptieren, dass Spiel nicht immer mit Ball kontrollieren zu können. „Wir dürfen nicht hektisch werden und uns unwohl fühlen“, fordert er. Und auch wenn er mit Leverkusen nur noch einen Sieg vom Bundesliga-Startrekord des FC Bayern entfernt ist, den er als Spieler unter Pep Guardiola 2015/16 selbst aufstellte, schärft Alonso nun die Sinne: „Wir müssen auch ohne Ball das Spiel kontrollieren. Das können wir noch besser machen.“
Voraussichtliche Aufstellungen:
Bayer 04 Leverkusen: Hradecky; Kossounou, Tah, Hincapie; Frimpong, Palacios, Xhaka, Grimaldo; Hofmann, Wirtz, Boniface. - Union Berlin: Rönnow; Bonucci, Knoche, Diogo Leite; Juranovic, Khedira, Gosens, Laidouni, Haberer; Becker, Fofana.

