PlayoffsMcIntyre entscheidet Nervenkrimi für die Kölner Haie

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David McIntyre jubelt

Siegtor in der 87. Minute: Haie-Stürmer David McIntyre.

Die Kölner Haie liegen in der Playoff-Viertelfinalserie gegen Adler Mannheim wieder vorne. Die Mannschaft von Trainer Uwe Krupp siegte nach zweimaliger Verlängerung.

Die Spannung einer Endrunde speist sich auch aus der Frage nach dem Umgang mit Rückschlägen. Die Playoff-Viertelfinalserie der Deutschen Eishockey Liga (DEL) zwischen den Kölner Haien und Adler Mannheim ist dafür ein gutes Beispiel. Nach dem furiosen Auftakt des KEC in der SAP Arena (4:0) kassierte die Mannschaft von Trainer Uwe Krupp im ersten Heimspiel nach schwacher Leistung einen Dämpfer (1:2).

Für das dritte Duell am Sonntagabend in der Kurpfalz war daher eine Reaktion der Haie erforderlich, die durch einen 3:2 (0:0, 2:1, 0:1, 0:0 1:0)-Erfolg nach zweimaliger Verlängerung in bestmöglicher Form erfolgte. Damit legte der achtfache Meister in der „best-of-seven“-Serie wieder zum 2:1 vor und kann am Dienstag (19.30 Uhr, Lanxess Arena) einen großen Schritt Richtung Halbfinale tätigen. „Es war ein wichtiger Sieg“, freute sich Siegtorschütze David McIntyre nach dem vierten Kölner Erfolg im vierten Saisonspiel in Mannheim.

Es war ein wichtiger Sieg.
David McIntyre, Siegtorschütze der Kölner Haie

Der KEC war personell geschwächt angetreten. Mit Louis-Marc Aubry fehlte der teamintern zweitbeste Punktesammler der Hauptrunde angeschlagen. Für den kanadischen Center rückte der junge Luis Üffing ins Aufgebot. Aubrys Part in der Kölner Paradereihe übernahm Nick Baptiste. Die zweite Änderung betraf die Defensive, wo Nachverpflichtung Jack Dougherty anstelle von Jan Luca Sennhenn auflief. Sennhenn hatte am Freitag im Laufe des Spiels auf ein Vollvisier umstellen müssen. Die Adler konnten dagegen auf dieselbe Formation zurückgreifen, die sich in Köln in der Serie angemeldet hatte.

Wie am Freitag gaben die Unparteiischen früh die Linie vor. Andris Ansons und Gordon Schukies, die durchaus unüblich auch das dritte Aufeinandertreffen leiteten, zeigten sich erneut nicht zimperlich bei der Verteilung von Strafzeiten. Nach gerade mal 34 Sekunden gab es die erste Hinausstellung auf beiden Seiten. Als ein weiterer Adler in die Kühlbox wanderte, scheiterte Maxi Kammerer im ersten Kölner Powerplay an Arno Tiefensee (3.). Kammerer war es auch, der über die zweite gute Möglichkeit des KEC verfügte. Der Torjäger luchste Borna Rendulic im Aufbau die Scheibe ab, kam unter Bedrängnis aber nicht zum Abschluss (8.).

Doppelschlag der Haie im zweiten Drittel

Es wurde mit hoher Intensität gearbeitet, beide Mannschaften gingen vor 13.600 Zuschauern in der ausverkauften SAP Arena keinem Zweikampf aus dem Weg. In der zehnten Minute gerieten dann auch die Gäste erstmals in Unterzahl. Markus Eisenschmid (11.) und David Wolf (12.) verzogen knapp. Letzterer verpasste auch in der zweiten Mannheim Überzahl die Führung der Adler (16.). Als Mark Olver zu Beginn des Mitteldrittels wegen Beinstellens eine weitere vermeidbare Kölner Strafzeit kassierte, geriet der KEC ins Hintertreffen. Matthias Plachta bediente mit einem Querpass den eingelaufenen Tylor Gaudet, der ins lange Eck vollstreckte (22.).

Mannheim drückte fortan auf das 2:0. Umso überraschender gelang den Haien der 1:1-Ausgleich, den der auffällige Kammerer mit einer herausgeholten Strafzeit einleitete. Es war ein kurioser Treffer: Olver zog aus dem Slot ab, Sinan Akdag fälschte ab und die Scheibe trudelte über die Fanghand von Tiefensee ins Netz. Andreas Thuresson hatte den Mannheimer Goalie wohl entscheidend irritiert (32.). Nachdem Ryan MacInnis auf der Gegenseite das Kunststück fertiggebracht hatte, den Puck nicht im leeren Gehäuse unterzubringen (34.), setzte der KEC den zweiten Nadelstich. Carter Proft bediente hinter dem Tor stehend Nick Bailen, der aus kurzer Distanz zum 1:2 traf (36.). Die 600 Gästefans im Oberrang waren aus dem Häuschen.

Mannheim gleicht spät durch Plachta zum 2:2 aus

Mannheim erhöhte im Schlussabschnitt wieder die Schlagzahl, doch die Haie standen gut und hatten in Mirko Pantkowski einen starken Rückhalt. Dann nahmen sich die Gastgeber durch zwei schnelle Strafen selbst den Schwung (49., 52.). Der KEC wusste daraus jedoch kein Kapital zu schlagen – und wurde spät bestraft. Als nach Baptiste (53.) auch Kammerer (58.) runter musste, nahm Adler-Coach Bill Stewart eine Auszeit. Mit Erfolg: Plachta glich 77 Sekunden vor Ablauf der regulären Spielzeit per Direktabnahme aus.

Die Partie ging in die Verlängerung, in der in den Playoffs so lange gespielt wird, bis das erste Tor fällt. Trotz hochkarätiger Mannheimer Chancen stand es auch nach 80 Minuten weiter 2:2. Um 22.26 Uhr und damit rund dreieinhalb Stunden nach dem ersten Bully war der Nervenkrimi schließlich vorbei. David McIntyre staubte etwas aus dem Nichts im Nachsetzen ab. Es war das bereits drittes Tor des Routiniers in der Serie. Erneut hatten die Haie das Heimrecht geklaut.

Kölner Haie: Pantkowski; Dietz, Müller; Bailen, Stanton; Dougherty, Austin; Glötzl; Olver, McIntyre, Bast; Ferraro, Matsumoto, Üffing; Thuresson, Kammerer, Baptiste; Proft, Sill, van Calster. – SR.: Ansons/Schukies. – Zuschauer: 13.600 (ausverkauft). - Tore: 1:0 Gaudet (21:17/Plachta, Loibl/PP1), 1:1 Olver (31:41/Thuresson, Baptiste/PP1), 1:2 Bailen (35:27/ Proft, van Calster), 2:2 Plachta (58:43/Donovan, Gaudet/PP1), 2:3 McIntyre (86:03/Müller). – Strafminuten: Mannheim 10; Köln 12.

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