Topscorer aus dem AgnesviertelDas sind Kölns torgefährlichste Zwillinge

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12.03.2023, Fussball-DJK Südwest Köln-Schlebusch ii

links: Hendrik Graf (Südwest Köln)
rechts: Philipp Graf (Südwest Köln)

Foto: Uli Herhaus

Torgaranten der DJK Südwest Köln: Hendrik Graf (links) und sein Zwillingsbruder Philipp

Philipp und Hendrik Graf wollen die DJK Südwest Köln zur Meisterschaft und zum Aufstieg schießen.

Wenn Philipp und Hendrik Graf, eineiige Zwillinge wie aus dem Bilderbuch, das Spielfeld betreten, wird es für den Gegner schon seit Jahren ungemütlich. Für ihren Herzensklub DJK Südwest Köln summierte sich die Torausbeute der Offensivspieler in der vergangenen Saison auf 49 Treffer. Hinzu kamen 36 Torvorbereitungen – zumeist füreinander. „Wir verstehen uns blind“, erklärt Philipp, 23 Jahre jung und fünf Minuten älter als Hendrik. Ein Brüderpaar mit 85 Scorerpunkten sucht man im Fußballkreis Köln und wohl auch darüber hinaus vergebens.

Angebote von höherklassigen Vereinen bleiben bei derartigen Quoten nicht aus, verlockend genug war bislang aber noch keine der Offerten. Mit langjährigen Freunden zu spielen und gemeinsam Spaß zu haben, sei mit Geld nicht aufzuwiegen, erklären die Brüder aus dem Agnesviertel. „Wenn ein Klub wie der 1. FC Köln käme, müssten wir nicht lange überlegen. Aber uns gibt es nur im Paket“, sagt Hendrik, der Jüngere, und schmunzelt. Ernst gemeint ist das nicht. Die Kreisliga A trennen sieben Ligen von der Bundesliga – Fußball-Welten.

12.03.2023, Fussball-DJK Südwest Köln-Schlebusch ii

mitte: Hendrik Graf (Südwest Köln)

Foto: Uli Herhaus

Hendrik Graf (Mitte) setzt sich gegen Schlebusch im Kopfballduell durch.

Hendrik ist Fan von Schalke 04, Philipp hängt am FC Bayern

Viel am Hut haben die beiden mit dem 1. FC Köln ohnehin eher nicht, obgleich die eigene am Militärring gelegene Klubanlage am Unteren Komarweg unweit des Kleingärtnervereins im Stadtteil Klettenberg nur einen ordentlichen Steinwurf vom Geißbockheim entfernt liegt.

Dass Hendrik, der den Scheitel als markantestes Unterscheidungsmerkmal im Gegensatz zu Philipp nach rechts trägt, sein Herz an den FC Schalke 04 vergeben hat, nimmt Mutter Ute auf sich. „Er hatte als Baby einen blauen Schnuller, Philipp den roten. Da trifft mich zumindest eine Teilschuld“, meint die Mutter der beiden Goalgetter. Philipp hat sich als Heranwachsender für den FC Bayern München entschieden. Da ist mehr Freude als Leid programmiert. Die letzten zehn Deutschen Meisterschaften gingen schließlich an den renommierten Klub von der Säbener Straße.

Die beiden 23-Jährigen, die, natürlich gemeinsam, ein Studium auf Lehramt für Sonderpädagogische Förderung absolvieren und „nebenher“ (Philipp) drei Tage in der Woche im Acht-Stunden-Dienst als Integrationshelfer arbeiten, spielen für die DJK Südwest Köln bereits ihre 15. Saison. Als Junioren kamen sie nie über die Kreissonderliga hinaus. Die Bezirksliga wäre der nächste Schritt gewesen.

DJK Südwest ist souveräner Tabellenführer der Kölner Kreisliga A

Diesen Sprung streben Hendrik und Philipp in dieser Spielzeit im Seniorenfußball an. Und die Aussichten könnten viel besser nicht sein: Nach 17 von 30 Spieltagen führen die Klettenberger die Kölner Kreisliga A mit 49  Punkten souverän an und haben stattliche 14 Punkte Vorsprung auf den TFC Köln.

DJK Südwest hat noch nie in der Bezirksliga gespielt. Das ist Neuland, dass wir unbedingt betreten wollen
Philipp Graf

Dass sich Südwest im Topspiel gegen den SV Schlebusch II (1:1) am Sonntag einen kleinen Ausrutscher leistete, blieb aufgrund der überraschenden Niederlage von Verfolger TFC Köln folgenlos. Den Ausgleich erzielte DJK-Standardschütze Maximilian Schmidt, mit einem präzisen Freistoß von der Strafraumgrenze in letzter Sekunde.

Scheiterte Südwest in der vergangenen Saison denkbar knapp – nur ein Punkt fehlte – am Aufstieg in die Bezirksliga, soll dieser im Sommer nachgeholt werden. „Das ist das Ziel. Ganz klar. DJK Südwest hat noch nie in der Bezirksliga gespielt. Das ist Neuland, dass wir unbedingt betreten wollen“, sagt Philipp, der im Topspiel ebenso wie Hendrik leer ausging.

Onkel Peter Harmuth kickte einst mit Heinz Simmet

„Das kann passieren. Chancen waren da, um das Spiel zu gewinnen“, meinte Graf-Onkel Peter Harmuth am Spielfeldrand, für den sich die Frage nach dem Ursprung des Talents der beiden nicht stellt. „Das haben sie natürlich von mir“, meint der 84-Jährige mit fester Stimme.

Harmuth, der nach eigener Aussage Anfang der sechziger Jahre mit FC-Idol Heinz Simmet in der Kölner Stadtauswahl gespielt hat, war seinerzeit schließlich auch ein Vollblutstürmer. Im Vorgängerverein des heutigen SC Brühl wurde er in einer Saison mit 33 Toren Torschützenkönig. Dass keine direkte Blutslinie existiere, wie Mutter Ute einwirft, spiele keine Rolle, meint der Rentner und lächelt.

Auf den Spuren von Onkel Peter bewegt sich aktuell Philipp, der die Torjägerliste der Kreisliga A mit 20 Treffern und weiteren 24 Torvorlagen anführt. Keine Chance auf die Krone hat in dieser Spielzeit Hendrik, der sich eine Woche vor dem Saisonstart einen doppelten Bänderriss zugezogen hatte, um nach sechsmonatiger Verletzungspause ein beeindruckendes Comeback zu feiern. Im ersten Pflichtspiel dieses Jahres war Hendrik vor einer Woche mit zwei Treffern und einer Torvorlage maßgeblich am 5:0-Sieg bei Borussia Lindenthal-Hohenlind II beteiligt.

Die DJK Südwest Köln hat mehr als 2000 Mitglieder

Die DJK Südwest Köln hat mehr als 2000 Mitglieder. Mehr als 700 davon sind in der Fußball-Abteilung registriert. Das sei die größte in Köln, wie Geschäftsstellen-Mitarbeiter Andreas Lang erklärt. Regelmäßig nähmen 30 bis 35 Teams am Spielbetrieb teil. Hinzu kämen drei bis vier Freizeitmannschaften.

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