Der Südstadt-Klub gewinnt 3:2 gegen Düsseldorf II. Das Ergebnis spielte bei den Verantwortlichen nach Schlusspfiff jedoch keine Rolle mehr.
Vorfall im Regionalliga-DerbyRassismus-Vorwurf gegen Fortuna Kölns David Haider Al-Azzawe

Düsseldorfs Mechak Quiala-Tito (links) wirft seinem Kölner Gegenspieler David Haider Al-Azzawe (rechts) eine rassistische Beleidigung vor.
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Der Fußball-Regionalligist SC Fortuna Köln hat am sechsten Spieltag der West-Staffel das Derby gegen Fortuna Düsseldorf II mit 3:2 gewonnen. Doch das Ergebnis war nach Abpfiff am frühen Samstagabend kaum noch ein Thema bei den jeweiligen Verantwortlichen. Etwa zwölf Minuten vor Schluss hatte Schiedsrichter Jörn Schäfer das Spiel aufgrund lauter Proteste von der Düsseldorfer Trainerbank unterbrochen: Kölns David Haider Al-Azzawe soll Gegenspieler Mechak Quiala-Tito rassistisch beleidigt haben.
Düsseldorfs Spieler musste ausgewechselt werden
Auf der Pressekonferenz nach der Partie erklärte Düsseldorfs Trainer Jens Langeneke seine Sicht des Vorfalls: „Sportlich wird es keine Analyse von mir geben. Ich musste es leider heute zum ersten Mal erleben, dass ich einen Spieler auswechseln musste. Den Spieler kenne ich schon lange, coache ihn schon seit der U17. Mechak konnte nicht mehr weiterspielen, weil er aufgrund rassistischer Kommentare auf dem Platz emotional total aufgewühlt war. Das überschattet vieles.“
Der Düsseldorfer Stürmer hatte den Platz in der 78. Minute verlassen, nach angeblichen Beleidigungen von Kölns Innenverteidiger Haider Al-Azzawe. Der Schiedsrichter hatte nichts davon mitbekommen, wie Langeneke berichtete: „Er hat mir gesagt, dass er nichts gehört hat und daher nicht reagieren kann. Mein Spieler sagte mir, er habe Linien- und Schiedsrichter Bescheid gegeben.“
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Fortunas Trainer Matthias Mink sagte: „Zur Bewertung auf dem Feld kann ich nichts sagen, weil ich weder etwas gehört noch gesehen habe. Schlussendlich müssen wir die Geschichte innerhalb des Mannschaftskreises aufarbeiten und darüber sprechen. Ich kenne David gefühlt seit zehn Jahren. Er hat mir versichert, er hat nichts gesagt, was in diese Richtung geht. In erster Instanz schenke ich dem erstmal Glauben.“ Außerdem betonte Mink: „Unser Verein steht für Integration und Vielfältigkeit. Jegliche rassistische Äußerungen und alles, was mit Ausländerfeindlichkeit zu tun hat, verabscheuen wir. Der Verein Fortuna Köln, die Südstadt und die Verantwortlichen stehen für Integration und Vielfältigkeit.“
Ich kenne David gefühlt seit zehn Jahren. Er hat mir versichert, er hat nichts gesagt, was in diese Richtung geht. In erster Instanz schenke ich dem erstmal Glauben
So blieb nach Abpfiff ein bedrückender Beigeschmack, der den sportlichen Teil des Derbys zur Randnotiz degradierte. Köln begann druckvoll vor einer rot eingefärbten Fankurve, doch die erste Gelegenheit nutzten die Düsseldorfer prompt. David Savic flankte und Lennart Garlipp traf per Kopf zum 1:0 (6.). Die überlegenen Südstädter konnten mit der letzten Aktion der ersten Halbzeit den Ausgleich durch Angreifer Enzo Wirtz erzielen (45.+1.).
Fortunas Geschäftsführer Niklas Müller äußert sich
Nach der Pause wiederholten sich die Ereignisse: Erneut war es Garlipp, der eine schwach verteidigende Fortuna-Defensive ausnutzte und zum 2:1 traf (49.). Doch Nico Thier stellte nach einer Kopfballablage von Wirtz umgehend auf 2:2 (50.). Der eingewechselte Hamadi Al-Ghaddioui bescherte nach einem Torwartfehler den 3:2-Endstand (85.).
Einen Tag nach den Vorfällen äußerte sich Fortuna Kölns Geschäftsführer Niklas Müller im Gespräch mit dieser Zeitung: „Ich habe nach der Partie ausführlich mit David gesprochen. Er hat mir versichert, dass es über den üblichen Trash-Talk hinaus keinerlei rassistische Beleidigungen gegeben hat. Über die Vorwürfe war er schockiert.“
Er hat mir versichert, dass es über den üblichen Trash-Talk hinaus keinerlei rassistische Beleidigungen gegeben hat. Über die Vorwürfe war er schockiert.
Zu einer Aussprache mit Quiala-Tito kam es am Samstag nicht. „Gemeinsam mit unserem Kapitän Robin Afamefuna hat David nach dem Spiel das Gespräch mit dem Düsseldorfer Spieler gesucht. Das hat dieser zu dem Zeitpunkt abgelehnt. Daher wird Haider in den nächsten Tagen erneut das klärende Gespräch suchen. Wie Matthias Mink am Samstag schon ausführte, ist Fortuna Köln ein Verein, der für Vielfalt, Offenheit und vor allem gegen Rassismus steht. Das schreiben wir uns nicht nur auf die Fahne, sondern leben das tagtäglich im Verein“, sagte Geschäftsführer Müller.
Fortuna Köln: Winkler – Statovci, Al-Azzawe, Fischer, Fünger (58. Derbali) – Majetic (88. Brechmann), Geerkens, Stanilewicz – Thier (71. Al Ghaddioui), Wirtz (88. Bornemann), Garcia. – Zuschauer: 2251. – Tore: 0:1 Garlipp (6.), 1:1 Wirtz (45.+1.), 1:2 Garlipp (49.), 2:2 Thier (50.), 3:2 Al Ghaddioui (85.).