- Der FC Bayern München hat sich mit dem Sieg im DFB-Pokal das Double gesichert.
- Nach anfänglichen Überlegungen sprach sich Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge für Trainer Niko Kovac aus.
- Kovac wird wohl Trainer bleiben. Was das für den FCB bedeutet.
Berlin – Ein wenig nervös wirkte Niko Kovac auf der Pressenkonferenz nach dem Pokalerfolg über Leipzig in den Katakomben des Berliner Olympiastadions dann doch noch. Immer wieder blickte der Bayern-Coach sich um, verlor ab und an sogar den Faden.
Vor genau einem Jahr hatten an selbiger Stelle jubelnde Eintracht-Spieler die Pressekonferenz gestürmt und Kovac im schicken Eintracht-Anzug mit Bier übergossen. „Ich schaue immer nach links“, sagte Kovac nun lächelnd. „Die Tür ist offen, und ich weiß nicht, ob wieder jemand reinstürzt.“
Gediegene Double-Feier
Es stürzte niemand durch die Tür – zumindest keine Bayern-Spieler. Diese feierten in der Kabine, deutlich gediegener als die Frankfurter noch vor einem Jahr. „Wir waren letztes Jahr der Underdog mit der Eintracht. Dass wir den FC Bayern besiegt haben, war eine Sensation. Der Club hatte 30 Jahre keinen Erfolg gefeiert“, sagte Kovac. „Das bedeutet, dass man emotionaler an die Sache ranging. Der FC Bayern ist dagegen ein Club, der jährlich Titel einheimst.“

Der Bayern-Trainer Niko Kovac mit der Meisterschale und dem DFB-Pokal
Copyright: Bongarts/Getty Images
Und nichts weniger als diese Titel hatten die Verantwortlichen des FC Bayern vor der Saison von ihrem neuen Trainer gefordert. Zwei hat Kovac geliefert. Nach der Meisterschaft nun auch den Pokal – und das in seinem ersten Jahr an der Säbener Straße. Der Trainer wirkte entsprechend erleichtert, aber auch nachdenklich, als er unmittelbar vor der Pokalübergabe gerührt in den Himmel blickte.
Kovac ist gezeichnet, die vergangenen Wochen mit der hartnäckigen Diskussion um seine Person haben sichtbar an dem Trainer genagt. Er musste um die Fortführung seines Jobs lange zittern. „Ich würde mir manchmal wirklich wünschen, dass alles ein bisschen anders läuft. Das Rad zurückzudrehen ist schwierig. Wir sollten alle daran arbeiten, wir sind schließlich alles Menschen. Wir sollten zusehen, dass wir miteinander auskommen.“ Kritik sei „immer berechtigt, aber die Art und Weise ist entscheidend“, sagte Kovac bei Sky.
Rummenigge spricht sich für Kovac aus
Erst in einem TV-Interview vor dem Pokalfinale sprach auch der Vorstandsvorsitzende der Bayern Karl-Heinz Rummenigge sich für den Verbleib des Trainers aus, zumindest einigermaßen. „Wir haben das eigentlich nie in Frage gestellt“, sagte Rummenigge. Eine Trennung von dem 47-Jährigen sei „nie ein Thema“ gewesen.
Das könnte Sie auch interessieren:
Doch der Stuhl des Coaches wackelte während der Saison bedenklich. Mehrere Spieler sollen sich kritisch geäußert haben, taktische Fehler, mangelnde Rotation. Dazu sportlicher Misserfolg. Gerade im Herbst, als die Bayern neun Punkte hinter Borussia Dortmund abgeschlagen auf Rang fünf lagen, war die Situation für den Trainer bedrohlich.
„Wir waren weit hinten, aber die Mannschaft hat Großartiges geleistet. Das Spiel gegen Benfica war der Turnaround“, sagte Kovac. In der Champions League hatte sein Team beim 5:1 geglänzt. Es folgte eine starke Rückrunde mit nur zwei Pleiten gegen Liverpool und Leverkusen. Kovac behielt die Ruhe, nahm taktische Veränderungen vor und brachte die Bayern allen Widerständen zum Trotz zurück auf Kurs.
Das Jahr mit den Bayern hat bei dem 47-Jährigen Spuren hinterlassen. Aber: „Ich habe mich nicht verändert. Ich bin so, wie ich bin, und so möchte ich bleiben“, sagte der Trainer, dessen Anzug dieses Mal trocken blieb.



