Köln – Alles oder Nichts. Klassenerhalt und ein weiteres Jahr Bundesliga oder der siebte Abstieg der Clubgeschichte und 2. Liga. Der 1. FC Köln steht am Samstag (18 Uhr/DAZN) im Rückspiel der Relegation bei Holstein Kiel am Scheideweg und nach der 0:1-Heimniederlage im Hinspiel am Mittwoch mit dem Rücken zur Wand. Die Geißböcke müssen an der Förde gewinnen, um Erstligist zu bleiben. Schon ein 1:0 brächte die Kölner in die Verlängerung und ein mögliches Elfmeterschießen. Ein Sieg mit mindestens zwei eigenen Toren würde aufgrund der Auswärtstorregel in der Relegation die Rettung und entsprechende Erleichterung bedeuten.
„Wir haben am Samstag die Möglichkeit, es besser zu machen und das Ding zu drehen“, gab Kapitän Jonas Hector die Richtung vor. Die Hoffnungen beim FC ruhen auf Friedhelm Funkel. Der routinierte Trainer ist vor seinem 924. und definitiv letzten Spiel auf der Bank eines Profivereins vor allem als Psychologe gefragt.
Funkel strahlt bemerkenswerte Ruhe aus
Der 67-Jährige nahm die mentale Aufbauarbeit auch gleich nach der unerwarteten Niederlage im Hinspiel auf und strahlte bei der Pressekonferenz eine bemerkenswerte Ruhe und Gelassenheit aus. Funkel verschwendete keinen Augenblick an den Gedanken, dass er seine lange Karriere mit einem Abstieg beenden muss. Nicht, weil es nicht eintreten könnte, sondern weil Funkel weiß, wie es sich anfühlt, die Dinge so zu akzeptieren, wie sie kommen.
Der Trainer konzentriert sich lieber auf seinen Einfluss, das Spiel in die gewünschte Bahnen zu lenken und widmet sich seinen Problemkindern. Von denen es nicht wenige in seinem Team gibt. Zum Beispiel auf der linken Seite. Der hochveranlagte Noah Katterbach steckt in einem tiefen Tal fest und dürfte nach seinen nervösen Auftritten gegen Schalke und im Hinspiel diesmal auf der Bank Platz nehmen.
Jakobs muss sich steigern
Weil der Einsatz von Jannes Horn aufgrund muskulärer Probleme eher unwahrscheinlich ist, wird wohl Ismail Jakobs hinten links auflaufen. Der Youngster muss sich aber dringend steigern. Am Mittwoch fehlte dem U21-Nationalspieler nicht nur die nötige Körperspannung, er war auch am Gegentreffer von Simon Lorenz maßgeblich beteiligt.
Friedhelm Funkel wird die Zeit zwischen den beiden Relegationsspielen auch genutzt haben, um sich zwei seiner zentralen Mittelfeldspieler zur Brust zu nehmen. Mister Zuverlässig Ellyes Skhiri etwa kämpft aktuell auf der Sechs mehr mit sich als mit seinen Gegenspielern. So ließ der Tunesier vor dem 0:1 Lorenz laufen, was sonst so gar nicht die Art des laufstärksten Spielers der Bundesliga ist.
Planungen
Der 1. FC Köln ist am Freitag um 17 Uhr mit einer Chartermaschine von Köln/Bonn nach Kiel geflogen und nimmt am Samstag nach dem Spiel den gleichen Weg zurück. Für Ismail Jakobs und Salih Özcan geht es am Sonntag direkt weiter zur U21-Nationalmannschaft, die am Montag (21 Uhr) im EM-Viertelfinale im ungarischen Szekesfehevar auf Dänemark trifft.
Ondrej Duda reist am Montag zum slowakischen Nationalteam, das sich auf die EM vorbereitet. Sollte der FC absteigen, wird der neue Trainer Steffen Baumgart wohl um den 21. Juni herum mit der Vorbereitung auf die Zweitliga-Spielzeit (Start 23. Juli) beginnen. Bei Klassenerhalt dürfte sich dieser Termin um 10 bis 14 Tage nach hinten verschieben. Die Bundesliga beginnt am 13. August. (sam)
Auch Ondrej Duda blieb zuletzt weit unter seinen Möglichkeiten. Der slowakische Nationalspieler drehte im Hinspiel zwar eine Reihe schöner Kreisel, der Ertrag tendierte aber gegen Null. Zudem verlor der Kölner Spielmacher durch die ständigen Attacken der Kieler nach einem Rot-würdigen Foul von Aleksandar Ignjovski kurz vor der Pause die Nerven. Fortan kämpfte der sensible 26-Jährige so sehr mit seinem Frust, dass ihm die Spielführung weiter aus den Händen glitt.
Jakobs, Duda und auch Jonas Hector dürften auf eine Rückkehr von Florian Kainz hoffen, der am Mittwoch nach zwei schwächeren Auftritten bei Hertha BSC und gegen Schalke von Funkel eine Pause verordnet bekam. Ein ausgeruhter, willensstarker Österreicher auf dem linken Flügel könnte dem FC enorm helfen.
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Das größte Problem für Friedhelm Funkel liegt aber weiterhin ganz vorne. Am Mittwoch wollte der Coach Teilzeitstürmer Sebastian Andersson schonen, nachdem der Schwede gegen Schalke fast über die komplette Distanz gegangen war, musste ihn aufgrund des Rückstands aber nach 66 Minuten einwechseln, um überhaupt einen Angreifer auf dem Platz zu haben. „Einen Kader ohne Stürmer? Da müsste ich lange zurückdenken. Ich glaube aber nicht“, legte Funkel den Finger in die schmerzhafteste Wunde des FC in dieser Saison.
In Kiel wird Andersson von Beginn an spielen und sich möglichst viel im gegnerischen Strafraum aufhalten müssen. Der 29-Jährige trägt nämlich trotz seines lädierten Knies die größten Hoffnungen auf einen Torerfolg. Und einen Treffer brauchen die Kölner mindestens, wenn sie Erstligist bleiben wollen.



