Bonn – Es ist ein Drahtseilakt, aber nicht ohne Sicherheitsnetz. Wenn das Rennen um die letzten beiden Play-off-Plätze in der Basketball-Bundesliga an diesem Freitag auf die Zielgerade geht, könnten die Telekom Baskets auch ohne einen Sieg in den letzten beiden Saisonspielen die Endrunde erreichen. Heute gastieren sie um 20.30 Uhr in Würzburg. Am Sonntag kommt der FC Bayern Basketball um 18 Uhr zum Saisonfinale in den Telekom Dome.
Bereits in der Halbzeitpause könnte heute der Druck von den Bonnern abfallen. Sollte Braunschweig Frankfurt besiegen (Beginn 18.30 Uhr) und Ludwigsburg in Göttingen verlieren (19 Uhr), könnten die Baskets maximal auf Rang acht zurückfallen. Wenn das Drahtseil ohne Hilfestellung überquert werden soll, muss der 18. Saisonsieg her. Im schlimmsten Fall könnte die Saison noch auf Rang zehn enden.
Subotic in Bestform
Um in der Würzburger Arena zu gewinnen, benötigen die Gäste eine starke Defensive und mehr Flexibilität. Ganz oben auf der To-do-Liste steht die Verteidigung, denn da lagen zuletzt die größten Probleme. 110 Punkte schenkte Berlin den Baskets ein, Jena 87, Braunschweig 86. Würzburg bewies am Dienstag mit 99 Punkten gegen Bayreuth Offensivqualitäten. Das Gefährliche: Mit Skyler Bowlin, Cameron Wells und Xavier Cooks hat Trainer Denis Wucherer drei Spieler in Topform – allen voran der 2,03 Meter große Cooks. Der US-Boy steigerte sich in den letzten sechs Spielen auf 14,3 Punkte im Schnitt (Saison 11,8).
An der Seitenlinie benötigen die Gäste, die am Donnerstagabend die Lizenz für die kommende Saison ohne Auflagen erhielten, mehr Impulse von Cheftrainer Chris O’Shea. Besonders auf der Forward-Position: Bojan Subotic ist seit dem Abgang von James Webb III in Bestform. Erst erzielte er 17 Punkte in Braunschweig, dann 22 in Berlin. Sollte Teamkollege Stefan Bircevic wieder einmal unauffällig bleiben, müsste der Montenegriner mehr Spielzeit erhalten – ebenso wie Charles Jackson. Fällt Gabriel Olaseni bei Würzburg weiterhin aus, ist der Amerikaner für Bonn die beste Option im Angriff – da die Gastgeber mit Mike Morrison nur einen Center im Kader hätten. Der Plan kann also nur lauten: Hart verteidigen und vorne die Schlüsselduelle gewinnen. Dazu gehört auch das Duell der Flügelspieler Cameron Wells (22 Punkte im Hinspiel) und Olivier Hanlan. Letzterer steuerte gegen Berlin 20 Punkte bei.
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Das 91:86 im Hinspiel ist vor dem Wiedersehen der Teams kaum aussagekräftig. Bei Bonn waren damals Ra’Shad James (20 Punkte), Webb III (11) und Shane Gibson (10) die besten Punktesammler, alle drei sind nicht mehr Teil des Teams. Auf Würzburger Seite gilt dasselbe für Perry Ellis, der im Telekom Dome 21 Punkte auflegte. Der verletzte Topscorer der Hausherren, Jordan Hulls, hatte am Hardtberg lediglich drei Punkte beigesteuert.
Wenn alle Stricke reißen, bräuchten Bonns Kapitän Josh Mayo und Co. am Sonntag einen Sieg gegen Ligaprimus München, um die Play-offs zu sichern. Die Bayern haben in dieser Saison nur zweimal verloren, zuletzt Anfang März gegen Vechta. Das Star-Ensemble um MVP-Kandidat Derrick Williams ist der heißeste Anwärter auf die Meisterschaft. Eine realistische Chance haben die Bonner am Sonntag nur, wenn München seine Leistungsträger vor den Play-offs schont. Ansonsten müssten die Hausherren über sich hinauswachsen, um das Ziel Endrunde noch zu erreichen.