SicherheitschecksFlughafen Köln/Bonn nimmt Kontrollen nun selbst in die Hand

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Sicherheitskontrollen können für die Flugpassagiere manchmal zum Ärgernis werden.dpa

Sicherheitskontrollen können für die Flugpassagiere manchmal zum Ärgernis werden.dpa

Bisher sind die Sicherheitschecks Aufgabe der Bundespolizei, die dafür eine private Sicherheitsfirma beuaftragt.

Die Flughafen Köln/Bonn GmbH will die Steuerung und Organisation der Sicherheitskontrollen künftig selbst übernehmen. Was bereits mehrfach in Erwägung gezogen wurde, soll ab dem 1. Januar 2025 nun umgesetzt werden, wie der Flughafen der Rundschau gegenüber bestätigte.

Bisher sind die Sicherheitschecks Aufgabe der Bundespolizei, die dafür eine private Sicherheitsfirma beuaftragt. „Die Umsetzung des Projekts wird in den kommenden Monaten intensiv und im engen Schulterschluss mit der Bundespolizei vorangetrieben, die die Kontrollen bis Ende des Jahres steuert und für die Durchführung der Fluggastkontrollen einen privaten Sicherheitsdienstleister einsetzt“, so der Flughafen in einem Statement. „Daran ändert sich auch mit Übernahme der Verantwortung und Steuerung durch den Flughafen nichts.“

Kontrollen Flughafen Köln/Bonn: Auftraggeber ist nicht mehr Bundespolizei

Die Sicherheitschecks werden also weiterhin durch eine private Sicherheitsfirma durchgeführt – deren Auftraggeber ist dann aber nicht mehr wie bisher die Bundespolizei, sondern der Köln/Bonn Airport selbst. Er übernimmt damit das sogenannte „Frankfurter Modell“: Am dortigen Flughafen bestimmt die Gesellschaft Fraport, nicht die Bundespolizei, welche Firmen mit Kontrollen beauftragt werden.

Dass die Bundespolizei diese Aufgabe abgibt, ist rechtlich erlaubt: „Die Übertragung auch hoheitlicher Tätigkeiten im Bereich der Passagier- und Gepäckkontrollen ist im Luftsicherheitsgesetz geregelt und zulässig“, erklärt ein Sprecher des Bundesinnenministeriums auf Anfrage der Rundschau. Der bewaffnete Schutz der Kontrollstellen oder auch die Standposten bei besonders gefährdeten Luftfahrzeugen blieben in Köln/Bonn aber auch weiterhin in der Zuständigkeit der Bundespolizei, so das Ministerium.

In Düsseldorf hatte es letztes Jahr ebenfalls Pläne gegeben, das Frankfurter Modell einzuführen — daraus wurde am Ende allerdings nichts.

Darüber hinaus will der Flughafen Köln/Bonn auch auf neue Technik setzen. Für deren Beschaffung sei nun ebenfalls die Flughafengesellschaft zuständig, die dafür rund 15 Millionen Euro investieren will. Sie soll die Abfertigung der Passagiere effizienter und angenehmer gestalten.

„Geplant ist, alle Kontrollspuren mit modernen CT-Scannern auszurüsten, um unter Beibehaltung höchster Sicherheitsstandards ein bestmögliches Passagiererlebnis zu gewährleisten, etwa indem Flüssigkeiten und Elektronikgeräte im Handgepäck verbleiben können“, so die Mitteilung des Flughafens. „Mit der Umrüstung auf CT-Technik geht die Neugestaltung der Kontrollspuren einher, die ein innovatives Design und Layout erhalten.“

Flughafen Köln/Bonn: Moderne Technik soll helfen

Im Jahr 2022 war es am Flughafen Köln/Bonn mehrfach zu sehr langen Warteschlangen gekommen, die teils bis vor das Terminalgebäude reichten. Fluggäste mussten stundenlang auf ihre Abfertigung warten. Um zu vermeiden, dass sich solche Szenarien wiederholen, hat der Flughafen 2023 ein neues, zentrales Kontrollzentrum, das Airport Operation Control Center (AOCC), in Betrieb genommen. Dort werden seither alle Prozesse zum Flugbetrieb zusammengeführt und gesteuert. „Mit der Übernahme der Steuerung der Sicherheitskontrollen wird das Ineinandergreifen von wichtigen Abläufen im Sinne eines ganzheitlichen Passagierprozesses weiter optimiert“, so der Flughafen.

Verdi-Gewerkschaftssekretär Özay Tarim sieht in dem angekündigten Schritt des Flughafens, die Sicherheitskontrollen selbst zu steuern und zu organisieren, eine „Fehlentscheidung“, da die Fluggastkontrollen nach wie vor in die Hände privater Sicherheitsunternehmen gelegt würden. Ob der Auftraggeber nun die Bundespolizei oder der Flughafen selbst ist, mache keinen Unterschied. „Das ist das Gleiche in Grün“, so Tarim im Gespräch mit der Rundschau. „Die Luftsicherheit darf nicht in die Hände von privaten, gewinnorientierten Unternehmen gelegt werden, sondern gehört in die öffentliche Hand.“ Wenn der Flughafen wirklich Verantwortung übernehmen wolle, so Tarim, sollte er „die Beschäftigten der privaten Sicherheitsfirmen übernehmen und im öffentlichen Dienst beschäftigen, im Tarifvertrag ÖD.“ Die Gewerkschaft freue sich zwar, wenn neue Technik die Beschäftigten unterstützt, doch der Flughafen solle „das Geld auch in das Personal und nicht nur in die Technik investieren.“