Der 24. Februar dieses Jahres markiert zum vierten Mal jenen Tag, an dem Russland mit seinem Angriff auf die Ukraine die europäische Friedensordnung erschüttert hat.
Vierter JahrestagEuropa zwischen Ukraine-Hilfe und inneren Spannungen

27.01.2026, Ukraine, Odessa: Rettungskräfte beseitigen die Trümmer eines Wohnhauses, das nach einem Raketeneinschlag in Odessa schwer beschädigt wurde.
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Was als schneller Sieg des Kreml geplant war, ist zu einem zermürbenden Abnutzungskrieg geworden, dessen Ende trotz aller Vermittlungsbemühungen der USA noch immer nicht in Sicht ist.
Und wofür? Dafür, dass ein einzelner Mann, nämlich Wladimir Putin, seinen imperialen Gelüsten frönen kann. Die zahllosen gefallenen russischen Soldaten lassen den Präsidenten kalt, das Leid und die Zerstörung, die er in seinem Namen in der Ukraine anrichten lässt, erst recht. Dass Putin seinem eigenen Land mit der „Spezialoperation“ etwas Gutes tut, werden wohl nur er selbst und ihm treu ergebene Landsleute glauben; tatsächlich haben vier Kriegsjahre Russland zusehends geschwächt, wirtschaftlich und auch politisch.
Die Sanktionen des Westens greifen tiefer als eingeräumt. Zwar hat Moskau Wege gefunden, seine Kriegswirtschaft über Umwege am Laufen zu halten, doch die Auszehrung ist unübersehbar. Das Loch im Staatshaushalt wächst, der Industrie mangelt es an Ersatzteilen und Arbeitskräften, die Auslandsinvestitionen sind eingebrochen, der Rubel verliert an Wert und der Lebensstandard vor allem in den Regionen jenseits der Metropolen sinkt. Hinter der Fassade staatlicher Stärke wächst Russlands Abhängigkeit von China. Für Europa ergibt sich daraus eine doppelte Aufgabe: Es muss der Ukraine weiter beistehen. Waffenlieferungen, wirtschaftliche Unterstützung und humanitäre Hilfe sind keine bloßen Gesten, sondern Ausdruck europäischer Selbstbehauptung.
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Gleichzeitig gilt es, die Spannungen innerhalb der EU erfolgreich zu moderieren, die zum Jahrestag des Krieges einmal mehr offen zutage treten. Die immensen Ausgaben für Waffen und Wiederaufbau, hohe Energiepreise sowie die Aufnahme Millionen Geflüchteter verschärfen soziale Konflikte innerhalb der Union. Vor allem Ungarn und die Slowakei ziehen immer weniger mit.
Ob Europa am Ende gestärkt oder geschwächt aus der von Moskau aufgezwungenen Zeitenwende hervorgeht, hängt davon ab, ob es gelingt, militärische Abschreckung, wirtschaftliche Reformen und sozialen Ausgleich so zu verbinden, dass die Ukraine-Unterstützung nach innen mehrheitsfähig bleibt. Im fünften Kriegsjahr bleibt Europa herausgefordert.

