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Gottesdienst der KarnevalistenSicherheitsvorkehrungen am Kölner Dom bleiben vorerst

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Polizisten stehen in Zelten, in denen die Sicherheitskontrollen stattfinden.

Die Zelte für die Visitationen werden bis auf Weiteres vor dem Dom zu sehen sein.

Am heutigen Mittwochabend steht der traditionelle Gottesdienst für die Karnevalisten an, mit dem nach der Weihnachtspause die heiße Phase der Session langsam eingeläutet wird.

Der Säbel muss draußen bleiben. Keine Waffe darf mit genommen werden in die Kathedrale. Was im Rest der Republik wie eine Selbstverständlichkeit klingen dürfte, ist in Köln ein weiteres deutliches Zeichen dafür, dass auch nach dem Jahreswechsel am Dom der Ausnahmezustand herrscht. Am heutigen Mittwochabend steht der traditionelle Gottesdienst für die Karnevalisten an, mit dem nach der Weihnachtspause die heiße Phase der Session langsam eingeläutet wird. Ein Anlass, zu dem sich in Köln verbindet, was diese Stadt zu einer „K.u.K-Monarchie“ macht: Kirche und Karneval. Doch die Sicherheitsauflagen machen auch vor dieser Monarchie nicht Halt. Der Warnhinweis, der bei Sicherheitskreisen einging, bezog sich zwar auf eine Bedrohungslage zu Silvester, doch wann die Bewachung für Kölns Wahrzeichen wieder abrücken kann, ist auch am ersten Arbeitstag nach dem Jahreswechsel noch vollkommen offen.

Zwar gibt die Kölner Polizei am Dienstagnachmittag bekannt, dass die Schutzmaßnahmen reduziert worden seien, aber das Bild zeigt sich leider immer noch vertraut. Der Eingangsbereich am Westportal ist abgegittert. Wer Gottesdienste besuchen oder beichten möchte, muss sich in einem der beiden vorgelagerten Zelte von Polizeibeamten visitieren lassen. Außerhalb der Gottesdienst- und Beichtzeiten ist die Kathedrale weiterhin verschlossen. Touristen müssen sich mit einem Foto von außen begnügen. So ist es seit den frühen Morgenstunden des Heiligabend Realität.

„Kääzebud“ vor dem Dom ist weg

Wobei, eine Änderung gibt es doch. Allerdings eine eher traurige: Die „Kääzebud“ ist weg. Die ehemalige Weihnachtsmarktbude wurde neben dem abgesicherten Bereich auf der Domplatte aufgestellt, um den Menschen zu ermöglichen, was im Dom zurzeit nicht mehr erlaubt ist – eine Kerze anzuzünden. Das Angebot wurde intensiv genutzt. Unzählige Menschen kamen, entzündeten ein Licht, und viele taten es für den Dom. Warum wurde die „Kääzebud“ wieder abgebaut? „Es hatte keinen Sinn mehr bei diesem Wetter. Die Kerzen wurden vom Wind und Regen gelöscht und weggeblasen“, sagt ein Domschweizer auf Nachfrage.

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Dennoch, wie bei den Gottesdiensten zu Weihnachten soll auch bei dem Gottesdienst für die Karnevalisten so weit wie möglich Normalität herrschen. Der wird traditionell zelebriert von einem katholischen und einem evangelischen Geistlichen. Auf katholischer Seite lässt sich diese Ehre Stadt- und Domdechant Robert Kleine nicht nehmen. „Ja, Säbel und alle anderen Schauwaffen dürfen in diesem Jahr unter diesen Bedingungen nicht mit in den Dom gebracht werden“, bestätigt er der Rundschau. Doch ansonsten gebe es keine Einschränkungen. Kommen dürfe jeder, der an diesem ganz besonderen Gottesdienst Interesse und Spaß habe, wie immer auch gerne kostümiert, oder, wie bei den organisierten Karnevalisten üblich, in Uniform. Wichtig sei halt nur, wie auch zu Weihnachten, dass wegen der Kontrollen alle Besucher frühzeitig kommen, bittet Kleine.

Jedoch ein bisschen Essig muss die Polizei noch in den Messwein geben. „Das ,Plaggenschwenken' muss dieses Mal allein im Dom stattfinden, es kann nicht wie sonst bereits vor der Kathedrale durchgeführt werden“, sagt ein Polizeisprecher der Rundschau. Das Schwenken der Fahnen würde wohl die Lage bei den Sicherheitskontrollen zu unübersichtlich machen.

Aber eine Aussage dazu, wie lange die Sicherheitsmaßnahmen im und am Dom noch aufrecht erhalten werden, macht die Polizei nicht. „Es ist ein Bild, das sich niemand von uns wünscht, wenn Einsatzkräfte Besucher christlicher Messen durchsuchen und wir hoffen alle, dass wir möglichst bald wieder in eine gewisse Normalität zurückkehren können. Solange erforderlich, werden wir die Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz der Menschen und des Doms aufrechterhalten. Eine Vorhersage des Zeitpunkts, ab wann wir gegebenenfalls Maßnahmen weiter zurücknehmen können, ist aktuell nicht möglich“, sagt Martin Lotz, Leiter der Direktion Gefahrenabwehr und Einsatz.

Zurückgefahren wurde aber offensichtlich die Bewachung der Zufahrt zur Dom-Tiefgarage. Die wurde am Silvestertag eingeführt, nachdem bekannt wurde, dass es Pläne gab, einen Pkw oder Transporter für einen eventuellen Anschlag zu nutzen. Doch am Dienstag war zumindest zeitweise die Zufahrt zu der Tiefgarage wieder frei zugänglich.


Gewahrsam

Fünf Männer wurden zwischenzeitlich im Zusammenhang mit dem „Gefahrenhinweis“ für den Kölner Dom in Gewahrsam genommen. Wie die Polizei am Dienstagnachmittag offiziell bekannt gab, verbleiben davon auf richterliche Anweisung ein am 23. Dezember in Nörvenich festgesetzter Tadschike (30) und ein am 31. Dezember in Nörvenich in Gewahrsam genommener 25-Jähriger weiterhin in Sicherheitsverwahrung. (ngo)

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