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„Cold Case“ in KölnVersuchter Raubmord landet nach fast 36 Jahren vor Gericht

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Akten liegen vor einem Prozess in einem Gericht auf dem Tisch.

Akten liegen vor einem Prozess in einem Gericht auf dem Tisch.

Nach einem Schlag mit einem Kegelpokal erholte sich ein damals 50-Jähriger nie wieder richtig. Nun soll der Fall vor Gericht eine späte Aufklärung erfahren.

Der Schlag, mutmaßlich mit einem Kegelpokal gegen den Kopf, hatte schlimme Folgen für das Opfer. Mit schweren Kopfverletzungen war der damals 50-Jährige im Mai 1987 in ein Krankenhaus gekommen. Von den Verletzungen erholte sich der Mann nie wirklich. Seine Erinnerung war dahin, sein Sprachvermögen lange Zeit auch.

„Er war sehr desorientiert, weil er Sachverhalte durcheinander schmiss“, sagte nun der damalige Leiter (70) der Mordkommission der Kölner Polizei im ersten sogenannten „Cold Case“-Verfahren vor dem Landgericht. In dem Prozess vor der 4. Großen Strafkammer wird derzeit versucht, den von der Staatsanwaltschaft als versuchten Raubmord qualifizierten Fall aufzuklären.

DNA-Spur an der mutmaßlichen Tatwaffe gefunden

Laut Anklage soll das Opfer damals vom Angeklagten (56) mit einem Pokal niedergeschlagen worden sein. Der Täter soll mehrere hundert D-Mark entwendet haben. Belastet wird der Angeklagte durch eine DNA-Spur an der mutmaßlichen Tatwaffe. „Als ich die Ladung bekommen habe, über einen Fall von 1987 auszusagen, da habe ich das zuerst für einen Scherz gehalten“, sagte der Zeuge. Der damalige Leiter der Mordkommission bekundete, dass bei den Ermittlungen vieles im Dunklen geblieben sei.

So habe in all den Jahren nie wirklich geklärt werden können, ob der Geschädigte im Anschluss an eine ausgiebige und feuchtfröhliche Kneipentour in Ehrenfeld von einem oder von zwei Männern in seine Wohnung auf der Subbelrather Straße begleitet worden sei. „Das hat er immer wieder durcheinander gebracht“, sagte der 70-Jährige über die damalige Vernehmungen des Opfers. Von Nachteil bei den Ermittlungen sei zudem gewesen, dass die Kriminalpolizei erst am frühen Abend des Folgetages mit dem Fall betraut worden sei. Zu der Zeit sei allerdings schon mindestens ein Nachbar oder eine Nachbarin in der Wohnung des Opfers gewesen und hatte diverse Spuren der Tat beseitigt.

Als ich die Ladung bekommen habe, über einen Fall von 1987 auszusagen, da habe ich das zuerst für einen Scherz gehalten.
Ehemaliger Leiter der Mordkommission

Laut dem pensionierten Ermittler waren die Bewohner in dem Mehrfamilienhaus davon ausgegangen, dass der Geschädigte im Alkoholrausch gestürzt sei. Darum seien Blutspuren im Treppenhaus bereits weggewischt gewesen. Gleiches habe auch für Blutspuren in der Wohnung des Opfers gegolten. „Die haben da herum gewischt. Im Flur, am Treppengeländer…“, winkte der Zeuge ab. Der Erkennungsdienst habe „viel zu tun“ gehabt. Als „potenzielle Schlagwerkzeuge“, so die Erinnerung des 70-Jährigen, seien eine Flasche und zwei Pokale sichergestellt worden.

Zum Opfer konnte der 70-Jährige mitteilen, dass der im Ruf stand, eine „leicht pöbelnde Ader“ zu haben. Vor allem, wenn er Bier getrunken hatte, was laut Auskunft anderer Zeugen nicht selten vorgekommen sei. Aufbrausend habe der damals 50-Jährige auch reagiert, als die Polizei ihn gefragt habe, ob er „was mit Männern“ habe. „Ich meine, da hat der etwas erbost reagiert“, sagte der Zeuge. Zwar sei Homosexualität erst spät entkriminalisiert worden. 1987 sei das in Köln aber schon kein Thema mehr gewesen. „Köln war damals schon eine offene Stadt“, sagte der Zeuge. Köln habe die Gesetzesänderung nicht gebraucht, der Zeitgeist in der Domstadt sei tolerant gewesen. Der Prozess wird weiter fortgesetzt.