Polizeiaufgebot aufgestocktTausende Kölner FC-Fans wollen auch ohne Ticket nach Heidenheim

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Das Wahrzeichen von Heidenheim: Schloss Hellenstein liegt 74 Meter über der Stadt.

Das Wahrzeichen von Heidenheim: Schloss Hellenstein liegt 74 Meter über der Stadt.

 Ein Aufruf auf „Südkurve e.V.“ erwartet einen Ansturm von Fans, trotz limitierter Eintrittskarten. Die Polizei verstärkt die Sicherheitsvorkehrungen.

Der Aufruf im Fan-Portal „Südkurve e.V.“ ist eindeutig. „Alle in Rot nach Heidenheim“ lautet die Empfehlung an die Kölner Gemeinde für das abschließende Saison-Hochamt im Süden der Republik. „Rot anziehen und “FC Jeff Jas“-Fahne einpacken. Fahnen sind auch vor Ort erhältlich. Ob mit oder ohne Ticket: Wir sind die Fans – Wir sind der Verein! Alle in Rot nach Heidenheim auch ohne Karte“, lautet der weiterführende Text für die gemeinschaftliche Reise zum Saisonfinale der Fußball-Bundesliga, bei dem sich die Zukunft des 1. FC Köln entscheidet. Klassenerhalt oder Abstieg. Alles oder nichts.

Wir versuchen alle rüberzufahren. Es wird einen ziemlichen Ansturm geben. Es geht um Unterstützung und Präsenz.
Ultra-Fan des 1. FC Köln

Das beschauliche Albstadion, wie die Arena in Heidenheim bei den heimischen Fans noch immer genannt wird, wird mit 15 000 Fans ausverkauft sein, den Kölner Gästen steht ein Kontingent von rund 1500 Karten zur Verfügung, so wenige wie bei keinem anderen Auswärtsspiel. „Es werden mindestes doppelt so viele Fans anreisen, vielleicht auch dreimal mehr“, vermutet ein Dauerkartenbesitzer des FC. Die Polizei ist alarmiert, denn schon beim Auswärtsspiel in Bochum am 11. November hatten Kölner Fans einen Blocksturm versucht, Ordner und Polizisten waren verletzt worden, gegen einen Kölner Fan (26) war anschließend Haftbefehl erlassen worden. Die Polizei in Heidenheim bereitet derzeit einen Fanbrief vor, der auch in der Kölner Fanszene verbreitet werden soll. Der Appell ist eindeutig: Bitte nicht ohne Eintrittskarte nach Heidenheim reisen.

1. FC Köln gegen Heidenheim: Polizei verstärkt Sicherheit

Die Polizei in Köln und Ulm befinden sich bereits im Austausch, um Ausschreitungen rund um das Saisonfinale zu verhindern. Es seien bereits zusätzliche Kräfte angefordert worden, teilt ein Sprecher der Ulmer Polizei auf Anfrage der Rundschau mit. Permanent sollen die „Einsatzvorplanungen angepasst“ werden. Die Botschaft: Wir sind vorbereitet. Eine Größenordnung, wie viele Kölner Fans den FC nach Heidenheim begleiten werden, gibt es nicht. „Zu den genauen Zahlen von Fans des 1. FC Köln am Spieltag kann das Polizeipräsidium Ulm derzeit keine belastbaren Angaben machen“, sagt Polizeisprecher Sven Vrancken.

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In der Kölner Fanszene kennt man in diesen Tagen nur eine Richtung: ab in den Süden. „Wir versuchen alle rüberzufahren. Es wird einen ziemlichen Ansturm geben. Es geht um Unterstützung und Präsenz“, sagt der Fan einer Ultragruppierung. Für die meistens Fans ohne Karte werde es darum gehen, das Spiel irgendwo in Stadionnähe in einer Kneipe zu schauen, um etwas vom Geschehen auf dem Rasen mitzubekommen.

Eine ähnliche Reisebegeisterung herrschte in der Kölner Fanszene zuletzt am 14. September 2017, als der FC nach jahrzehntelanger Abstinenz erstmals wieder im Europapokal bei Arsenal London antreten durfte. Damals zogen etwa 20.000 Kölner bei einem Fanmarsch durch London, viele von ihnen hatten damals englischen Fans die Karten abgekauft oder sich vorab Tickets von Heimfans besorgen lassen. Heidenheim hat jedoch das kleinste Stadion der Bundesliga. Rund um die Albarena dürften die Kölner Fans somit am Samstag deutlich in der Überzahl sein.


Kleiner Tourismus-Steckbrief

450 Kilometer beträgt die Entfernung zwischen Köln und Heidenheim. Bei der Eingabe des Städtchens Heidenheim ins Navigationssystem ist Vorsicht geboten. Wer lediglich „Heidenheim“ aufruft, landet in der Fränkischen Alb, 71 Kilometer östlich von Heidenheim an der Brenz, dem Zuhause des Fußball-Bundesligisten 1. FC Heidenheim. Die Autofahrt von Köln über die A3 und die A7 dauert rund fünf Stunden.

Wer kein Ticket für das Abstiegs-Endspiel des 1. FC Köln in der Voith-Arena ergattern konnte, findet im Tourismus-Kalender abwechslungsreiche Alternativen. Am Samstag lockt der Wochenmarkt nahe des Rathauses in der Straße Am Wendelgraben, um 14 Uhr treffen sich die Einheimischen im Brenzpark zum „Internationalen Fahnenschwingen“. Die ein oder andere FC-Fahne könnte sicherlich zur Auflockerung beitragen. Außerdem ist am Samstag ab 14 Uhr das Vereinsheim des Kleingartenvereins „Zanger Berg“ geöffnet. Auch ein Besuch der Pauluskirche ist möglich. Um 19 Uhr gastiert hier der Oratorienchor und singt „Paulus“ von Felix Mendelssohn-Bartoldy – ein eher besinnlicher Ausklang nach einem Tag voller Stadiongesänge.

Zum Aufwärmen findet um 10 Uhr im Oetinger-Gemeindehaus der Männerfrühschoppen mit -Forstwirt Rainer Grundler statt. Das Thema ist die moderne Waldwirtschaft.

74 Meter über der Stadt   liegt Schloss Hellenstein, das Wahrzeichen von Heidenheim an der Brenz. Die Burganlage der Staufer wurde zwischen 1130 und 1145 errichtet und später bei einem Brand fast völlig zerstört. Das Schloss selbst stammt aus dem 16. Jahrhundert und wurde von Herzog Friedrich I. von Württemberg erbaut. Wer eine Besichtigung plant, muss sich beeilen, denn samstags schließt die Anlage bereits um 13 Uhr. Die Burgruine ist im Sommer auch Schauplatz der feierlichen Opernfestspiele.

Der grüne Hügel von Heidenheim: Opernfestspiele im Sommer.

Der grüne Hügel von Heidenheim: Opernfestspiele im Sommer.

Ein Besuch des Schlosses auf dem Hellensteinfelsen lohnt sich nach Auskunft der Tourismusverantwortlichen in Heidenheim nicht nur für passionierte Historiker, sondern „allein schon wegen des herrlichen Ausblicks über Heidenheim und dessen Umgebung“. Leider ist von der Schlossanlage kein Blick ins Heidenheimer Stadion möglich, das Mitbringen von Feldstechern lohnt sich also eher, um den Blick über die Landschaft schweifen zu lassen.

Neben drei Punkten und dem Verbleib in der Bundesliga lohnen sich weitere Mitbringsel aus Heidenheim. Hoch im Kurs steht der trockene Rilling-Sekt „Schloss Hellenstein“ für 7,50 Euro, der „Swabian Dry Gin“ für 25,90 Euro die Flasche. Zum Kochen und Backen gibt es „Schwäbische Hefeknöpfle“ (Mehlmischung in Heidenheimer Tradition) für 3,50 Euro pro 500-Gramm-Packung. Zum gleichen Preis gibt es eine Backmischung „Genetzte Wecken“, die Backmischung „Schwäbische Brezeln“ in Heidenheimer Tradition kostet 6,75 Euro (570 Gramm). Die Fototasse „I love Heidenheim“ als Andenken gibt es schon für 9,99 Euro. (tho)

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