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Hölderlin-Gymnasium Mülheim Ferienschule „Sommer in Köln“ für geflüchtete Jugendliche

Köln – Der, die oder das Tisch? Auf dem oder den Tisch? Lehramtsstudent Michél klettert zur Erläuterung der Artikel von Dativ und Akkusativ kurzerhand aufs Pult: „Na, wie heißt es, wenn es dabei um eine Bewegung geht? „Akkusativ: Ich springe auf den Tisch!“ Masoumeh, Zulfiya, Ahmed und die anderen in der Gruppe „Deutz“ machen eifrig mit in der Ferienschule. Während Mitschüler aus den Vorbereitungsklassen für Flüchtlinge gerade im Schwimmbad Spaß haben oder im Park spielen, lernen rund 50 zehn- bis 16-jährige Jugendliche Deutsch als Zweitsprache.

Vormittags Grammatikunterricht und nachmittags Theater spielen

Im Mülheimer Hölderlin-Gymnasium findet seit 17. bis 28. Juli die Ferienschule „Sommer in Köln“ für geflüchtete Jugendliche statt, erläutern Dr. Diana Gebele und Magdalena Kaleta vom Institut für Deutsche Sprache und Literatur II. Mit Lehramtsstudierenden der Universität zu Köln stehe vormittags Unterricht mit Grammatik auf dem Stundenplan, nachmittags Theater, bei dem die Schüler spielerisch ihre Talente und sich selbst vorstellen, die Umgebung näher kennenlernen.

„Ich bin seit ungefähr einem Jahr in Köln und komme aus Afghanistan“, sagt Masoumeh. Die Zwölfjährige besucht eine Vorbereitungsklasse und wird nach den Sommerferien in eine Regelklasse wechseln. „Ich freue mich darauf. Es ist wichtig, zu lernen, das ist besser für die Sprache und die Schule“, sagt sie und lacht. „Ich bin fleißig, weil ich mal anderen helfen will. Ich helfe schon jetzt.“ Tischnachbarn erklärt sie gern das Arbeitsblatt, die verzwickte Sache mit Artikeln, Akkusativ und Dativ... „Er setzt sich an den Tisch, aber Er sitzt an dem Tisch! Ich finde das leicht, in der Realschule haben wir schon alles gehabt – Tempus, Kasus und so.“

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Möglichkeit für Studierende um Praxiserfahrung zu sammeln

Die Ferienschule für junge Flüchtlinge, meist aus Afghanistan, Syrien sowie dem Irak und Iran, ist Teil des Projekts „Sprachliche Bildung“ des Instituts für Deutsche Sprache und Literatur II der Kölner Uni. Dozentinnen für Sprachdidaktik konzipierten die Ferienschule als „praxisorientierten Baustein“ der Lehramtsausbildung im Fach Deutsch. „Es ist eine Möglichkeit, wichtige Praxiserfahrungen zu sammeln“, sagen Studierende. Je fünf angehende Lehrer betreuen zehn Kinder pro Gruppe. „Ich finde es super, hier zu unterrichten. Ich komme aus Berlin und habe viele Freunde, die selbst geflüchtet sind. Hier lerne auch ich viel dazu“, sagt Michél Lier.

Die Schüler sind hoch motiviert. Ahmed zum Beispiel möchte nach den Ferien am liebsten am Herder-Gymnasium bleiben. „Er ist mit seiner Familie aus Syrien nach Köln geflüchtet, und ihm gefällt es hier. „Das Essen! Der Wald und der Rhein sind auch sehr schön.“ Nicht gefällt ihm, dass er aus Seeberg rund 50 Minuten zur Schule fahren muss. „Wenn ich mich verbessere, bleibe ich auf dem Gymnasium. Das wünsche ich mir.“ Und noch etwas liegt dem Jungen am Herzen: „Ich wünsche für uns ein großes Haus, eine Wohnung in der Nähe meiner Schule. Aber wir finden keine...“

Die Ferienschule mit intensiver individueller Förderung ist ein Kölner Vorzeigemodell, sie findet im zweiten Jahr speziell für Flüchtlingskinder statt, die bis zu einem Jahr in Deutschland sind. Zu Kooperationspartnern des Projekts gehören das Mercator Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache der Uni Köln, das Zentrum für Mehrsprachigkeit und Integration Köln (ZMI) und die Zukunftsstrategie Lehrerinnen Bildung. Unterstützt wird es durch die Alfred Neven DuMont-Stiftung und die Annemarie und Helmut Börner Stiftung.