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Fest in GoldUnikatorden von Nachwuchs-Goldschmieden verliehen

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Fabia Telkmann macht mit ihrem Orden auf die Vermüllung in der Stadt aufmerksam.

Fabia Telkmann macht mit ihrem Orden auf die Vermüllung in der Stadt aufmerksam.

Auch Oberbürgermeister Torsten Burmester bekam seinen ersten Unikatorden.

Gleich zwei Premieren gab es am Freitagmittag beim traditionellen Fest in Gold in der Kölner Handwerkskammer: Für den Präsidenten der Kammer, Thomas Radermacher, genauso wie für den neuen Oberbürgermeister Torsten Burmester, der dort seinen ersten Unikatorden verliehen bekam. Diese wurden allesamt von Praktikanten und Auszubildenden im Gold- und Silberschmiede-Handwerk angefertigt.

Fabia Telkmann kennt das Fest von Kindesbeinen an, ist ihr Vater Ingo Telkmann doch dessen Präsident. Ihr Orden zeigt den beliebten und stets mürrischen Oskar aus der Sesamstraße in seinem Mülleimer. „Ich habe diese Sendung als Kind gerne geguckt und weiß auch, dass es in Köln Ecken gibt, die dank der Vermüllung nicht gerade schön sind. Das wollte ich mit meinem Orden auf die Schippe nehmen“, sagt die Praktikantin, die in diesem Jahr bei ihrem Vater ihre Lehre beginnen wird.

Maria Etzbach und ihr Orden zur Wiederbelebung der Kölner Lichter.

Maria Etzbach und ihr Orden zur Wiederbelebung der Kölner Lichter.

Und der erinnert sich noch an seinen ersten Orden für das Fest: „Das war 1982 und hat wirklich Spaß gemacht. Da war ich gerade ein halbes Jahr in der Ausbildung. Der Orden hat eine Figur gezeigt, deren Körper eine Zeitung war und deren Kopf ein Fernseher mit Tünnes und Schäl darstellte. Heute existiert davon im Archiv des Karnevalsmuseums leider nur die Hälfte“, berichtet Telkmann, während der OB gerade die Orden in Augenschein nimmt: „Ich bin begeistert, welche Themenvielfalt es da gibt und mit welcher Kreativität sich die Auszubildenden ihrer Arbeit gewidmet haben.“

Das Sessionsmotto umgesetzt hat Soheil Tabani in seinem Orden „Für Köln - Gemeinsam stark“. „Im Mittelpunkt stehen die helfenden Hände, die Anhänger zeigen Bereiche wie die Kinder- und Jugendhilfe oder der Einkaufsservice für Ältere, wo das Ehrenamt wichtig ist. Ohne dieses Engagement und den starken Zusammenhalt wäre Köln nichts. Mit dem Orden wollte ich dem Ehrenamt meinen Dank zurückgeben“, sagt der Auszubildende im zweiten Lehrjahr, der etwa zwei Wochen Arbeit in seinen Orden investiert hat.

Bei Mara Horst geht es um das kölsche Sprichwort „Et kütt wie et kütt“ und um die Bahnen der KVB, die Kölner Veedel miteinander verbinden, auch wenn sie noch an ihrer Pünktlichkeit arbeiten müssen. „Es gibt viele Ausfälle und Verspätungen, aber trotzdem ist es gut, dass die Bahnen fahren. Da braucht es manchmal etwas Gelassenheit beim Warten“, sagt die Praktikantin, die sich freut, mit dem Orden ihre eigene Kreativität bei einem großen Werkstück eingebracht zu haben.

Unikatorden als Kamelleautomat

Ein Wunschtraum der kleinen und auch der großen Jecken findet sich im Orden von Tim Luca Kleinoeder wieder: „Ich habe bei den Umzügen gesehen, wie wichtig Kamelle für Kinder und auch für Erwachsene sind. Mein Kamelleautomat sorgt da für die endlose Versorgung mit Süßem. Für mich war der Orden eine schöne Möglichkeit, etwas selbst zu gestalten, das größer als die üblichen Ringe oder Anhänger ist“, sagt der Auszubildende im zweiten Lehrjahr.

Zu den ausgezeichneten Orden zählt die „Arche Kölle“ von Maria Etzbach: „Er zeigt ein Schiff auf dem Rhein, das alle Menschen mitnimmt und das keinen allein und einsam zurücklässt. Damit habe ich auch meine Freude ausgedrückt, dass die Kölner Lichter auf dem Rhein zurück sind. Das Schiff ist beweglich und auch die Figuren am Ufer können herausgenommen werden“, erläutert die Auszubildende im zweiten Lehrjahr.

Ihre Ausbilderin Ulrike Ullmann aus Brühl hat Anfang der 2000er Jahre drei Orden zum Wettbewerb beigesteuert und ist inzwischen selbst vor 15 Jahren beim Fest in Gold aktiv geworden. „Das war für mich eine tolle Gelegenheit, andere Auszubildende kennenzulernen. Früher gab es noch eine gemeinsame Studienfahrt“, berichtet Ullmann, die inzwischen auch als Archivarin beim Karnevalsmuseum am Maarweg tätig ist, wo sich in der Sammlung 511 der Unikatorden finden. „Manche wurden uns gespendet, andere haben wir aus Nachlässen bekommen. Einer meiner Orden gehört auch dazu. Ab März gibt es bei Kleingruppenführungen auf Anfrage auch wieder Einblicke in das Museum.“

Ein ernstes Thema hat Paula Lina Glaser bei ihrem Orden „It’s a dress, not a yes!“ aufgenommen. „Es geht um sexuelle Übergriffe im Karneval, insbesondere bei Gardetänzerinnen. Da ist ein kurzer Rock keine Einladung zum Übergriff. Ich tanze selbst bei einer Garde und habe das genauso wie die anderen Tänzerinnen bei uns schon häufig erlebt“, berichtet die Auszubildende im ersten Lehrjahr.