Die Stadt Köln hat den künftigen Betreiber für den Weihnachtsmarkt am Dom ausgewählt, die Vergabe soll in Kürze erfolgen. Doch unterlegene Bieter kritisieren das Verfahren - unter anderem, weil der Berliner Rapper Sido an dem Markt beteiligt sei.
Klage drohtKein Ende im Vergabestreit um Weihnachtsmarkt am Dom

Fahrzeugsperren am Eingang zum Weihnachtsmarkt auf dem Roncalliplatz.
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Der Vergabestreit um den Weihnachtsmarkt auf dem Roncalliplatz geht in die nächste Runde. In Kürze will die Stadt Köln die Konzession für die Durchführung des Marktes in den Jahren 2026 bis 2030 vergeben. Nach Rundschau-Informationen hat sich die „Kölner Weihnachtsgesellschaft mbH“ (KW), die den Markt seit 2010 veranstaltet, bei der Bewertung der Angebote durch die Verwaltung erneut als beste Bewerberin durchgesetzt und soll den Zuschlag erhalten. Doch ein unterlegener Bieter hat bereits bei der Stadt dagegen protestiert. Sollte er den Rechtsweg beschreiten, droht der Markt in diesem Jahr auszufallen. Hinzu kommt das Problem der maroden Tiefgarage. Aber der Reihe nach.
Bis zu fünf Millionen Gäste besuchen jedes Jahr den Weihnachtsmarkt am Dom, er wurde von der London Times als bester in Europa ausgezeichnet. Bei der Vergabe geht es um sehr viel Geld, dementsprechend wird mit harten Bandagen um die Konzession für die nächsten fünf Jahre gekämpft. Im ersten Auswahlverfahren im Sommer 2025 hatte sich die Kölner Weihnachtsgesellschaft durchgesetzt. Doch nach Intervention unterlegener Bieter hob die Stadt Köln das Verfahren im August auf. Begründung: Es habe Fehler in der Ausschreibung gegeben. Gegen diese Entscheidung legte die KW im November Beschwerde bei der Vergabekammer Rheinland der Bezirksregierung Köln ein – sie hielt die Aufhebung für ungerechtfertigt. Parallel startete die Stadt ein neues Ausschreibungsverfahren.
Abgabetermin für die Angebote war der 19. Dezember, am 30. Januar präsentierten die Bewerber ihre Konzepte einer Findungskommission aus Vertretern der Stadtverwaltung. „In der Woche danach haben wir von der Vergabestelle der Stadt Köln den Hinweis erhalten, dass wir für den Zuschlag vorgesehen seien“, bestätigte KW-Geschäftsführerin Monika Flocke der Rundschau. „Deshalb werden wir unsere Beschwerden bei der Vergabekammer Rheinland zurückziehen.“ Wenn dies erfolgt ist, kann die Stadt Köln formal den Zuschlag erteilen.
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Unterlegener Bieter interveniert bei der Stadt Köln
Doch der Vergabezoff ist damit nicht vorbei. Wie der „Express“ berichtete, haben Anwälte der Kanzlei Lenz & Johlen im Auftrag eines Mitbewerbers bei der Stadt interveniert. Dabei handele es sich um den Bauer des Dreigestirns von 2009, Bernd Tschirschnitz. Er ist Gastronomie- und Getränkegroßhändler. Demnach rügen die Anwälte, dass der Berliner Rapper Sido, bürgerlich Paul Würdig, seit 2024 über ein Firmengeflecht an der Kölner Weihnachtsgesellschaft beteiligt sei. Dadurch bestehe die Gefahr eines „Reputationsschadens“ für die Stadt Köln, die Hohe Domkirche und den Weihnachtsmarkt am Dom.
Es treffe zu, dass Sido seit 2024 an einer Firma beteiligt sei, die wiederum an der Kölner Weihnachtsgesellschaft beteiligt sei, bestätigte Monika Flocke auf Anfrage. Sie betonte: „Dabei handelt es sich jedoch um eine rein finanzielle Beteiligung. Sido kann keinerlei Einfluss auf das operative Geschäft der KW und die Ausgestaltung des Weihnachtsmarkts am Dom nehmen.“ In Berlin veranstaltet Sido seit 2018 eine eigene Weihnachtsshow. Im Dezember 2025 spielte er 15 ausverkaufte Konzerte in der Berliner Columbiahalle, dabei gab es auch einen kleinen Weihnachtsmarkt vor der Halle.
Weiterer Bieter erwägt, gegen Vergabe vorzugehen
Noch ein weiterer unterlegener Bieter erwägt, den Rechtsweg zu beschreiten und Beschwerde bei der Vergabekammer einzulegen. Es handelt sich um Ralf Schlegelmilch, Präsident der Will Ostermann Gesellschaft und Geschäftsführer des Veranstaltungsdienstleisters „Die Feiermacher“. Sein Anwalt Rolf Bietmann sagte der Rundschau, man prüfe den Fall und werde sich bald inhaltlich dazu äußern. „Derzeit spricht vieles dafür, dass wir den Vorgang vor die Vergabekammer bringen werden.“
Ein Sprecher der Stadt Köln wollte sich auf Anfrage nicht zum Stand des Verfahrens äußern. Er wiederholte frühere Aussagen, man habe „alles Notwendige unternommen, um ein diskriminierungsfreies Vergabeverfahren zu gewährleisten“. Der aktuelle Zeitplan sehe weiterhin einen Zuschlag im ersten Quartal 2026 vor, also spätestens am 31. März. „So soll sichergestellt werden, dass auch im Jahr 2026 ein Weihnachtsmarkt stattfinden kann“, sagte der Sprecher
Sollte die Vergabekammer eingeschaltet werden und schließlich entscheiden, dass die Vergabe des Weihnachtsmarkts an die KW rechtens war, könnten unterlegene Bieter das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf anrufen. Wegen der langen Dauer solcher Gerichtsverfahren wäre dann zu befürchten, dass der Weihnachtsmarkt am Dom dieses Jahr ins Wasser fällt. Im Rechtsstreit um die Deutzer Kirmes hat der Gang zum OLG bereits dazu geführt, dass das Volksfest zweimal ausgefallen ist und auch an Ostern 2026 nicht stattfinden wird.
