- Polizeipräsident Uwe Jacob hatte das Porträt zu Hupkes 70. Geburtstag in der Rundschau gelesen.
- Darin erzählte Bezirksbürgermeister Hupke, dass er noch nie erkennungsdienstlich erfasst wurde.
- Das kann man ändern, dachte sich Jacob und machte Hupke ein besonderes Geschenk.
Ein wenig „mulmig“ fühle er sich, beschreibt Andreas Hupke die Beklemmungen, die im Keller des Kalker Polizeipräsidiums in ihm aufsteigen. Eine Beamtin nimmt ihn bei der Hand, schwärzt die Finger und drückt deren Kuppen auf eine glatte Oberfläche. „Erkennungsdienstliche Behandlung“ heißt das im Polizeijargon. Doch der Bezirksbürgermeister der Innenstadt hat sich nichts zu Schulden kommen lassen – er wird „ehrenhalber“ wie ein Verdächtiger behandelt.
Mitte Januar hatte Polizeipräsident Uwe Jacob das Porträt zu Hupkes 70. Geburtstag in der Rundschau gelesen. Von den Anfängen seines politischen Engagements hatte Hupke erzählt, vom Aufbegehren gegen die Entscheidungen des Stadtrats und von seiner Vergangenheit als Hausbesetzer. Noch nie sei er dabei festgenommen oder erkennungsdienstlich behandelt worden, hatte er stolz erzählt.
Nachträgliches Geburtstagsgeschenk vom Erkennungsdienst
Uwe Jacob bot an, dies zu ändern. Als nachträgliches Geburtstagsgeschenk folgte jetzt die Einladung in den Keller des Präsidiums, wo Hupke mit der Arbeitsweise des Erkennungsdienstes vertraut gemacht wird.Zu seiner wilden Zeit hat sich Hupke nie die Finger schmutzig gemacht – damit ist es nun vorbei.

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„Man sieht, dass Sie nicht hart arbeiten müssen“, scherzt einer der Beamten beim Blick auf Hupkes Hände. In einer Molkerei hatte der Politiker der Grünen einst eine Ausbildung absolviert und später bei den Bühnen der Stadt gearbeitet, doch das ist lange her.
Alle Abdrücke sind genommen
Hupke hat durchaus besondere Finger – zumindest Daumen und Zeigefinger der linken Hand fallen auf. „Die meisten Menschen haben ein Streifen- und Wirbelmuster. Sie haben ein Bogenmuster, das gibt es nur bei sieben Prozent der Menschen“, weiß der Beamte. Dann heißt es: Daumen hoch für Hupke. Alle Abdrücke sind genommen.
Wer im Keller des Präsidiums landet, dem zieht es unwillkürlich die Schuhe aus. Auch Hupke. Ein Polizist bittet den Bezirkspolitiker zunächst zum Messen. Stattliche 1,89 Meter liest der Polizist ab. „Für mein Alter geht das doch“, befindet Hupke und erzählt, letztmals sei er bei seiner Musterung amtlich vermessen worden. Nun ist es offiziell: Hupke ist ein Großer.
Von manchen Menschen nehmen die Beamten auch einen Ohren-Abdruck
Bei manchen Tatverdächtigen werde auch ein Ohrabdruck genommen, berichtet einer der Spezialisten. Denn oftmals lauschen Einbrecher an Türen, um festzustellen, ob jemand zu Hause ist und hinterlassen dabei einen verräterischen Ohrabdruck.

Bitte nicht lächeln: Andreas Hupke wird im Beisein von Polizeipräsident Uwe Jacob erkennungsdienstlich behandelt.
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Bei Hupke verzichtet die Polizei auf diese Spezialbehandlung. Stattdessen muss sich der Politiker zunächst vor eine Fotowand stellen und dann auf einen Stuhl setzen, wo er frontal und im Profil abgelichtet wird. Vielleicht kann Hupke das Fahndungsfoto ja demnächst als Wahlplakat verwenden.Andreas Hupke zeigt sich beeindruckt vom Besuch im Polizeikeller.
Schönes Zeichen für die Transparenz der Polizeiarbeit
„Eine grandiose Idee. Diese Aktion weckt Vertrauen und ist ein schönes Zeichen für die Transparenz der Polizeiarbeit“, lobt Hupke. Normalerweise würde die Polizei die persönlichen Daten des Bezirksbürgermeistern nun in die Datenbank einspeisen, auf die auch das Bundeskriminalamt Zugriff hat. Doch der Polizeipräsident hält das nicht für nötig.
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Mit Scheuerpulver darf Hupke schließlich seine Finger reinigen. „Früher wurde Persil und Margarine genommen“, sagt Hupke. Das weiß er natürlich nur vom Hörensagen.



