Über 20 Jahre war Andreas Hupke Bezirksbürgermeister der Innenstadt. Bei einem Spaziergang durch sein Veedel zeigt er seine Lieblingsorte.
„Kwartier Latäng ist Turbo-Viertel“Auf Veedelstour mit dem langjährigen City-Bürgermeister Andreas Hupke

Andreas Hupke schätzt die Atmosphäre im Café Feynsinn.
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Andreas Hupke sitzt in seinem Lieblings-Café. Er schaut nachdenklich aus dem Fenster des „Feynsinn“ am Rathenauplatz hinaus in sein Viertel. „Ich bin weiterhin frohen Mutes und von Demut vor dem Leben erfüllt. Die Demokratie muss jeden Tag erkämpft werden. Sie kennt keine Altersgrenze. Ich werde immer versuchen, meinen Beitrag dafür zu leisten“, sagt der ehemalige Bezirksbürgermeister der Innenstadt mit fester Stimme bevor er seinen Blick wieder auf den Gesprächspartner richtet. Nach 20-jähriger Amtszeit für die Grünen hatte sich Hupke nach politischen sowie persönlichen Differenzen im letzten Sommer von der Partei getrennt und verlor als Kandidat des neu gegründeten „Aktionsbündnis Innenstadt/Deutz“ im Zuge der Kommunalwahl sein Mandat im Bezirksparlament. Den Vorschlag für einen Spaziergang durch sein Lebensumfeld hatte Hupke zuvor unabhängig vom Abschneiden des Votums angenommen und trotz der deutlichen Niederlage Wort gehalten.
Das Café Feynsinn ist für mich ein Leuchtturm.
Hupke macht im Zuge des Gesprächs keinen Hehl aus seinem emotionalen Bezug zum Kwartier Latäng. „Ich lebe seit über 50 Jahren in der Kölner Innenstadt. Meine erste Wohnung befand sich auf der Roonstraße. Ich habe zwar zwei Jahre im Kunibertsviertel gewohnt, bin dann aber wieder zurückgekommen. Ich war eh jeden Tag hier, man hat gar nicht gemerkt, dass ich weg war“, berichtet der Lokalpolitiker. Den Treffpunkt für den Rundgang hatte der gebürtige Monschauer mit Bedacht gewählt: „Das Café Feynsinn steht für Klasse statt Masse. Wenn ich hier bin, kommt es mir so vor als wäre ich im Pariser Quartier Latin. Das Feynsinn ist für mich ein großer Leuchtturm im Veedel. Die Menschen, die hier einkehren, genießen die Services der Gastronomie und die Lesekultur. Es ist ein generationenübergreifender Ort“, erklärt der einstige hauptberufliche Bühnentechniker. Nach einem Heißgetränk ziehen wir weiter.

In seinem Lieblingskiosk „Hin & Weg“ ersteht der Ex-Bezirksbürgermeister seine Tageszeitungen.
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Direkt um die Ecke befindet sich der Kiosk Hin & Weg. „Hier hole ich mir meine Zeitungen. Nachdem der einstige Büdchen-Besitzer nach Jahrzehnten aufgab, hatten wir alle die Befürchtung, es käme nun ein ‚Ballermann-Laden‘, wie auf der Zülpicher Straße“, erklärt Hupke. Doch die Ängste zerstreuten sich. Die neuen Inhaber hätten vielmehr eine attraktive Mischung aus Café und Kiosk geschaffen. Nur einen Steinwurf entfernt liegt der Rathenauplatz. „Dieser Ort ist mir sehr wichtig. Früher war die Stätte total abgerockt und von der Politik immens vernachlässigt“, erinnert sich Hupke. Erst die Bürgerschaft habe sich in den 90er Jahren dafür eingesetzt, dass ursprünglich für den Straßenbau vorgesehene Gelder in den Platz flossen. Durch eine Einschränkung der Parkmöglichkeiten für Pkw und die Ermöglichung einer Gastronomie auf Erbpacht sei der eigentliche Platzcharakter erst entstanden.
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Das Atelier-Theater gehört zu den bevorzugten Veranstaltungsorten des ehemaligen Bühnentechnikers Andreas Hupke.
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Die friedliche Nutzung aller Generationen spreche für sich, so der Veedelsbewohner. Über die Roonstraße und an der markanten Synagoge vorbei befindet sich Richtung Lindenstraße das Atelier-Theater. „Ich komme sehr gerne zu den Aufführungen. Das ist immer kritisches und inspirierendes Theater“, hebt der Aktivist das Programm hervor. Der nächste Stopp kommt unerwartet: Andreas Hupke steuert auf eine Schusterei zu. „Bei Ralf Heider bin ich regelmäßig – nicht nur für Reparaturen, denn ich wurde dazu erzogen, Gebrauchsgegenstände wertzuschätzen. Ralf spricht noch seine Muttersprache, Kölsch. Das finde ich klasse“, begeistert sich der Wahlkölner.

In das Provinzialat der Dominikaner an der Lindenstraße soll das Theater Der Keller ziehen. Für Hupke ein absoluter Gewinn für das Veedel.
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Nach einen kurzen Plausch geht es zur nahegelegenen ehemaligen Klosterkirche „Heilig Kreuz“ der Dominikaner, dem zukünftigen Domizil des Theater Der Keller ab der Spielzeit 2027/28. „Dass hier das Theater einzieht, ist ein Segen fürs Viertel. Es bedeutet nochmal einen Push für die Aufenthaltsqualität“, ist Hupke sicher. Auf dem gegenüberliegenden Jean-Claude-Letiste-Platz mischen sich die Gemütszustände des 75-Jährigen: „Ich bin sehr froh, dass wir hier einen Platz haben, der nach dem Namen eines maßgeblichen Initiators der deutschen Schwulenbewegung und Mitgründer der Kölner Aids-Hilfe benannt ist. Gleichzeitig nerven mich die vielen wild abgestellten Räder und die Trennwände des Lokals. Es ist alles zugestellt. Das müsste ein viel offenerer Raum sein.“ Wir spazieren an die Grenzen des Stadtbezirks. Andreas Hupke legt großen Wert auf den Besuch des Hiroshima-Nagasaki-Park und der dortigen Gedenkstätte für die Opfer der Atombomben-Abwürfe auf Japan im Jahr 1945.
Ich würde es gerne sehen, wenn wir auf den Erdhügeln im Hiroshima-Nagasaki-Park ein Denkmal für die Kölner Trümmerfrauen errichteten.
Vor einem Stein im südlichen Bereich der hügeligen Grünanlage verweilt der Humanist in Stille. Danach redet Hupke Klartext: „Es ist kein Geheimnis, dass ich mich immer sehr darüber aufrege, wenn am 11.11. Menschenmassen in den Hiroshima-Nagasaki-Park strömen, um dort Karneval zu feiern und eine riesige Müllhalde hinterlassen. Dieser Gedenkort wird im wahrsten Sinne des Wortes mit Füßen getreten. Hier hat man sich respektvoll zu verhalten. Das darf kein Ballermann sein. Ich würde es auch gerne sehen, wenn wir auf den Erdhügeln ein Denkmal für die Kölner Trümmerfrauen errichteten. Der Wiederaufbau durch diese Frauen wird viel zu wenig gewürdigt.“ Das angedachte Ziel des Rundgangs erreichen wir aus Zeitgründen nicht, soll aber dennoch beschrieben werden: „Es handelt sich natürlich um das Theater in der Filmdose. Ebenso wie das Feynsinn bildet das Haus einen direkten Bezug zum Quartier Latin, wo ich meinen Bruder, einen Künstler und Elektromeister, früher oft besucht habe“, erzählt Hupke.
Die Väter und Mütter der Filmdose, etwa Regisseur Walter Bockmayer oder die Gastronomen Manni Lennartz, Hubert Keller sowie Oma (Paula) Kleinmann hätten sich den Lebensstil aus der französischen Metropole abgeschaut. Vor Ort sei die Bewunderung für Künstler wie Dirk Bach entstanden, der seinerzeit regelmäßig auf der Bühne zu sehen war. „Theater und Operette in einer Kneipe. Diese Mischung fand und finde ich fantastisch“, so der vielbeschäftigte Ruheständler über sein Lebensumfeld. „Das Kwartier Latäng ist nach wie vor ein Turbo-Viertel. Es setzt viel positive Energien frei, auch wenn es kein Künstlerviertel mehr ist. Diese Zeiten sind leider vorbei“, verabschiedet sich Andreas Hupke. Er muss zum nächsten Termin.
Hupkes Lieblingsplätze1. Café Feynsinn, Rathenauplatz 72. Hin & Weg-Büdchen am Rathenauplatz, Meister-Gerhard-Straße 13. Atelier Theater, Roonstraße 784. Schuh- und Schlüsseldienst Ralf Heider, Lindenstraße 55 5. Jean-Claude-Letiste-Platz, Lindenstraße 386. Theater in der Filmdose, Zülpicher Straße 39

