Die Kölner Gesellschaft für Arbeits- und Berufsförderung steckt in akuten Finanznöten. Ohne Hilfe der Stadt hätte das Unternehmen, das unter anderem den Heinrich-Böll-Platz bewacht, die Dezembergehälter nicht zahlen können.
Heinrich-Böll-Platz-WacheWachdienst-Firma in finanziellen Nöten – Stadt gewährt Kredit

Wachleute der städtischen Firma KGAB bewachen den Heinrich-Böll-Platz.
Copyright: Thomas Banneyer
Rund 362.000 Euro lässt sich die Stadt Köln im nächsten Jahr die Bewachung des Heinrich-Böll-Platzes kosten (wir berichteten). Seit 1999 sichern Wachleute den Platz bei Konzerten und Proben, weil sich sonst wegen Schallschutzmängeln Tritt- und Rollgeräusche in den darunterliegenden Konzertsaal der Philharmonie übertragen. Bis Ende 2026 summieren sich die Gesamtkosten auf 4,7 Millionen Euro.
Nun stellt sich heraus: Die Firma, die den Wachdienst leistet, steckt in großen Finanznöten. Es ist die „Kölner Gesellschaft für Arbeits- und Berufsförderung“ (KGAB), die zu 100 Prozent der Stadt Köln gehört. Die Stadt musste ihr diese Woche eine Kreditlinie über bis zu 1,8 Millionen Euro gewähren. Sonst hätte die KGAB die Dezembergehälter nicht an ihre Beschäftigten auszahlen können. Fragen und Antworten.
Um welche Art Unternehmen handelt es sich?
Die KGAB wurde 1989 gegründet, mit dem Ziel, Langzeitarbeitslosen in Köln mit Beschäftigungs- und Qualifizierungsprogrammen eine neue Perspektive zu geben und ihre Chancen auf dem regulären Arbeitsmarkt zu verbessern. Arbeitslose werden befristet eingestellt und tariflich bezahlt. Ein Teil dieser Beschäftigungsverhältnisse wird vom Jobcenter gefördert. Zurzeit hat die KGAB rund 306 Mitarbeitende, davon sind 51 gefördert.
Alles zum Thema Henriette Reker
- Fackelzug für den Festkomitee-Präsidenten So emotional war die Verabschiedung von Christoph Kuckelkorn
- Machbarkeitsstudie Stadt Köln „spart“ sich die City-Maut
- Einigung mit Krankenkassen Kölner müssen für Rettungsdienst auch künftig nicht zuzahlen
- Kölns Dezernent Fraktionen sehen Rücktrittsforderung gegen Rau kritisch
- Einigung mit Kassen Rettungswagen-Einsätze in Köln bleiben kostenfrei
- Neue Aufgabe für Kölns OB? Burmester für Vorsitz der Metropolregion im Gespräch
- Mülheimer Brücke Lackmustest für neuen OB und Verkehrsdezernenten
Wie sieht die Förderung aus?
Nach Sozialgesetzbuch II, Paragraph 16i („Teilhabe am Arbeitsmarkt“), erhalten Arbeitgeber für Leistungsberechtigte, die sie sozialversicherungspflichtig beschäftigen, einen Zuschuss zum Arbeitsentgelt. Dieser beträgt in den ersten beiden Jahren 100 Prozent, im dritten Jahr 90 Prozent, im vierten 80 Prozent und im fünften Jahr 70 Prozent. In dieser Zeit sollen Menschen, die lange keiner Arbeit mehr nachgegangen sind, wieder an den Arbeitsmarkt herangeführt werden.
Welche Leistungen bietet die KGAB an?
Neben Wachdiensten erbringt das Unternehmen verschiedene Handwerksleistungen im Bereich Garten- und Landschaftsbau, Schlosserei, Schreinerei und Objektbetreuung. Unter anderem sanieren Beschäftigte der KGAB die historischen Zaunanlagen am Rhein in Bayenthal. Seit Januar 2024 leistet die Firma auch die Bewachung der städtischen Museen. Dafür wurden vom zuvor dort tätigen Sicherheitsunternehmen 167 Sicherheitskräfte übernommen. Die KGAB bildet auch selbst aus, unter anderem Kaufleute für Büromanagement, Landschaftsgärtner, Fachkräfte für Metalltechnik, Metallbauer und Tischler.
Woher rühren die finanziellen Probleme?
Gegenüber dem Finanzdezernat der Stadt betont die KGAB, man verfüge „über eine sehr gute Auftragslage“. Die Probleme seien insbesondere auf geänderte Förderbedingungen zurückzuführen. 2023 habe man noch 3,8 Millionen Euro Förderung erhalten, 2025 seien es nur noch 1,7 Millionen Euro gewesen.
2024 verbuchte die KGAB einen Verlust in Höhe von 339.254 Euro, 2025 werden es rund 451.000 Euro sein. Nachdem im November das tarifliche Weihnachtsgeld ausgezahlt wurde, sank die Liquidität weiter ab. Ohne den Kredit der Stadt hätte die Zahlungsunfähigkeit gedroht.
Was sagt die Geschäftsleitung dazu?
Geschäftsführerin Bettina Herzberg, die erst seit Oktober 2025 im Amt ist, sagte der Rundschau, der Rückgang der geförderten Beschäftigung sei „eine Entwicklung, die so nicht vorherzusehen war. Diese Veränderung hat sich nachteilig auf unsere Erlöse ausgewirkt.“ Sie sei „dankbar für die Unterstützung der Stadt Köln in dieser akuten Lage. Wir haben eine gute Perspektive für 2026, genügend Aufträge und motivierte Mitarbeitende. Natürlich hat uns diese Situation sensibilisiert, und wir werden weiterhin nach Optimierungen suchen, um das Betriebsergebnis zu stabilisieren.“
Wie geht es jetzt weiter?
Die Kreditvereinbarung mit der Stadt ist bis 31. Dezember 2027 befristet. Die Geschäftsführung muss der Eigentümerin Stadt Köln und dem Aufsichtsrat nun ein Sanierungskonzept vorlegen, das aufzeigt, wie die KGAB „spätestens ab 2027“ ohne Hilfe der Stadt „ihrem Unternehmenszweck dauerhaft nachkommen kann“. Laut Wirtschaftsplan wird für 2026 wieder ein Plus von rund 42.000 Euro erwartet. Es sind Einsparungen und Preiserhöhungen geplant.

