Freie Fahrt für RadfahrerSo läuft es ohne Autos rund um den Dom

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Auf der Straße sind zwei Fahrradspuren eingezeichnet.

Die Straße wurde als Fahrradstraße umgebaut.

Die Trankgasse ist jetzt eine Fahrradstraße. Doch bei allen Autofahrern ist das noch nicht angekommen.

Manches wird erst schlimmer, bevor es besser werden kann. In der Regel sagen Ärzte so etwas, wenn Medikamente bei Patienten ein oder zwei Tage brauchen, bis sie anschlagen. In der aktuellen Situation gilt das allerdings auch für die neue Verkehrsführung am Kölner Dom. Denn die neue Fahrradstraße Trankgasse gleicht aktuell – mitten in der Umgestaltungsphase – ein wenig dem Wilden Westen.

Seit dem 16. April arbeitet die Stadt an der Umgestaltung: Neue Fahrbahnmarkierungen, Straßenschilder, Sperrflächen. Bis Mitte Mai sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Doch derzeit herrscht Chaos. Wer sich mitten im schnelllebigen Großstadttrubel einen Moment Zeit nimmt, der beobachtet dort Kuriositäten am laufenden Band. Bei vielen Fußgängern sorgt die Gewohnheit oder der Alltagsstress dafür, dass sie an den Bordsteinkanten unterhalb der Ampeln stehenbleiben, obwohl keine Signale mehr leuchten. Nur Momente danach gehen sie weiter und erschrecken kurz danach vor einem heranrauschenden Radfahrer oder einem Auto oder Lieferwagen.

Ein Schild von einem Polizisten, der auf ein Schild mit der Aufschrift "Verkehrsführung geändert" zeigt.

Schilder weisen auf die geänderte Verkehrsführung hin.

Dabei ist das schlimmste, dass die Autofahrer nicht aus Versehen, sondern mit voller Absicht noch von der Marzellenstraße links in die Trankgasse abbiegen, obwohl genau das nicht mehr erlaubt ist. Ein großes Fahrradsymbol ziert den Asphalt der Linksabbiegerspur. Lediglich das Abbiegen nach rechts in die Einbahnstraße Komödienstraße ist noch zulässig. Die Kfz zu beobachten, wie sie erst den Schlenker nach rechts machen und dann auf der Straße in der Menschenmenge drehen um doch nach links in die Trankgasse davon zu rasen, ist wie Schafe zählen: Es werden schnell viele.

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Verkehrsführung Trankgasse

Verkehrsführung Trankgasse

Viele Pkw sind es auch, die nachdem sie rechts auf die Komödienstraße abgebogen sind, mitten auf der Straße parken. Das liegt daran, dass zwischen Fahrradspur in Richtung Dom und Einbahnstraße in Richtung Nord-Süd-Fahrt jetzt eine Ladezone für den Lieferverkehr eingerichtet ist. Lieferfahrzeuge sind allerdings Mangelware. Und obwohl am Straßenrand der Tunisstraße auf einem Schild steht: „Verkehrsführung geändert“ und „Keine Durchfahrt Rheinufer Philharmonie“ sind in den ersten Tagen nach der Änderung zahlreiche Autos in Richtung Dom abgebogen. Polizei und Ordnungsamt sind dabei, den Autofahrern die neuen Regeln zu erklären.

„In dieser Woche war die Polizei zwar vor Ort, um über die neue Verkehrsführung aufzuklären, aber erst in der nächsten Woche wird sie erst für Verwarnungen vor Ort sein“, sagt die Verwaltung, die zugleich betont: „Die Beschilderung ist eindeutig.“ Es gilt: Wer mit dem Kfz von der Tunisstraße aus zum Dom will, der muss am Breslauer Platz auf der anderen Seite des Hauptbahnhofs vorbei. Die Einfahrten zu den Tiefgaragen unter dem Wahrzeichen der Stadt und zur Philharmonie sind nur noch seitens der Rheinuferstraße möglich. Wer aber jemanden zum Bahnhof bringen will, gelangt durch die Straßen Unter Sachsenhausen und an den Dominikanern mit dem Auto bis zum Bahnhofsvorplatz. Das wird auch so bleiben, denn die Veränderungen sind kein Verkehrsversuch.

Ein Autofahrer biegt ab.

Autofahrer müssen sich an die neue Fahrradstraße gewöhnen.

Nach der Fußball-EM 2024 sind etwaige Anpassungen möglich, dann sollen die Erfahrungen einfließen, die nun gesammelt werden. Gegenwehr scheint es wenig zu geben: „Im Dezernat für Mobilität sind bisher nicht viele Beschwerden zur neuen Verkehrsführung in der Trankgasse eingegangen.“ Lediglich über die Sozialen Medien seien „einige Kommentare/Anregungen“ eingegangen. Das Dezernat erklärte zudem: „Erfahrungsgemäß braucht es eine Eingewöhnungsphase von einigen Wochen.“ Ob die Rechnung in Wochen bei so einschneidenden Veränderungen ausreicht, bleibt abzuwarten. Die Radfahrer zumindest scheint es zu freuen. Eigene Spuren in beide Richtungen machen auch in zügigem Tempo ein Vorbeirollen am Dom möglich. Doch noch müssen sie die Bremse ziehen, wenn die Autos wie im Wilden Westen ihre eigenen Regeln machen. Irgendwann wird es besser.

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