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Römisch-Germanisches MuseumAls Bill Clinton auf dem Dionysosmosaik Mittagspause machte

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Ausgrabungen des Römisch-Germanischen Museums im Stadtzentrum.

Ausgrabungen des Römisch-Germanischen Museums im Stadtzentrum.

Das Römisch-Germanische Museum zeigt Bilder aus seiner 50-jährigen Geschichte am Roncalliplatz. Wir geben einen Einblick.

Als Marcus Trier vom 50-jährigen Jubiläum des Römisch-Germanischen Museums (RGM) erzählt, schwingt ein wenig Traurigkeit in seiner Stimme mit. „Wir hätten diesen Geburtstag gerne Hand in Hand mit Poblicius gefeiert“, erklärt der Museumsdirektor. Damit spielt er auf das geschlossene Haupthaus des RGM am Roncalliplatz an, das der Grund für dieses Jubiläum ist. Denn die Fertigstellung des heutzutage denkmalgeschützten Baus in direkter Nachbarschaft des Kölner Doms erfolgte 1974.

Die Trauer über das bereits seit Jahren geschlossene Haus, welches laut aktuellem Stand 2028 wieder öffnen soll, weicht schnell einer wehmütigen Euphorie über das „hervorragende Interim“ im Belgischen Haus an der Cäcilienstraße. Dort sind viele Stücke ausgestellt, aber eben nicht das Grabmal des Poblicius und das Dionysosmosaik, auf dem schon Gerhard Schröder beim G8-Gipfel 1999 mit Bill Clinton und weiteren Regierungschefs tafelte — das RGM als internationale Bühne.

Anlässlich des 50. Geburtstages nimmt das Museum seine Besucher im Belgischen Haus mit auf eine rund achtminütige Zeitreise durch 49 Bilder. Diese Bildpräsentation läuft ab heute und bis zum 20. März während der Öffnungszeiten im kinoartig bestuhlten Festsaal des Belgischen Hauses an der Cäcilienstraße. Die Ausstellung ist mittwochs bis montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet und dienstags geschlossen.

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Die Fotos zeigen die Zeitreise von den Vorgängern des RGM, dessen Ausstellungsstücke sich zuvor in der Römischen Abteilung des Wallraf-Richartz-Museums (1861 bis 1953) und des Museums für Vor- und Frühgeschichte im Bayenturm (1907-1943) befanden. Beide wurden im 2. Weltkrieg zerstört, die römischen Denkmäler jedoch vorzeitig ausgelagert, so blieb viel erhalten.

Ab 1946 existierte dann das eigenständige Römisch-Germanische Museum, allerdings ohne eigene Bleibe. Zeitweise war es in der Alten Wache im Zeughaus untergebracht. Trier zitiert den damaligen Bürgermeister Theo Burauen, der beim Ausstellungsstart im Zeughaus gesagt haben soll: „Das ist ein Auftakt für eine würdige Neubaumaßnahme.“ Die Standortfrage war dabei schnell geklärt: der Fundort des Dionysosmosaiks. Das Alleinstellungsmerkmal des Museums wurde 1941 bei den Arbeiten für den Dombunker gefunden.

Der Baubeschluss für Domplatte und Museum wurde 1962 gefasst, der Architektenwettbewerb endete 1967. Im selben Jahr starteten die Bauarbeiten, doch Poblicius geschuldet musste noch eine Änderung gemacht werden. Auf dem Entwurf der Braunschweiger Architekten Heinz Röcke und Klaus Renner war die Dachgaube nicht eingeplant. Doch der Ankauf des Grabmals sorgte 1970 dafür, dass das Museum wachsen musste. Schließlich sollte das fast 15 Meter hohe Denkmal hineinpassen. Das Grabmal hatten die Brüder Heinz und Josef Gens im Keller ihres Elternhauses am Chlodwigplatz ausgegraben. Die Stadt Köln soll damals etwas mehr als 500 000 Mark bezahlt haben.

Die feierliche Eröffnung des Museums fand am 4. März 1974 statt. Seitdem strömten mehr als 22 Millionen Besucher in das Museum. Der Generaldirektor der Museen und Leiter des RGM, Hugo Borger, entwickelte es von Anfang nach einem Prinzip, das heute wieder sehr populär ist. Das Konzept der dritten Orte. Also nicht nur Museum, sondern auch Aufenthaltsort zum Verweilen. So gab es ein Café im Museum mit Designmöbeln aus den 70ern, aber auch Ruheräume mit Sitzplätzen und Literatur zum Nachstöbern. Auch im Außenbereich, auf der Domplatte, standen Denkmäler.

Aktuell sind die letzten Zeugnisse der Römer im geschlossenen Museum am Roncalliplatz lediglich durch die große Fensterscheibe zu betrachten. Bleibt zu hoffen, dass das „Schaufenster zur Römerzeit“ seinen 55. Geburtstag im frisch sanierten Haupthaus feiern kann.

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