Christian Jäger lebt im fünften Stock eines Hauses am Konrad-Adenauer-Ufer. Die Aussicht auf den Rhein inspirierte ihn auch bei der Innenraumgestaltung.
So wohnt KölnChristian Jäger blickt aus dem Bullauge auf die Bastei

Vom Balkon im Haus am Konrad-Adenauer-Ufer blickt man auf den Weckschnapp und die Bastei Richtung Norden.
Copyright: Sandra Milden
Der Blick fällt vom großen Balkon im fünften Stock auf die Promenade am Konrad-Adenauer-Ufer, schweift von dort über den Rheinpark bis zur Bastei. „Der Ausblick ist der Hammer. Das war das Ausschlaggebende. Ich wollte immer am Wasser wohnen“, sagt Christian Jäger. Nach 17 Jahren am Ebertplatz, wo er in der Wohnung des Kölner Künstlers Bernhard Schultze hinter einer Tresortür als Eingangstür wohnte, wechselte der promovierte Jurist vor drei Jahren in das Prestigeobjekt am Rhein. Das Gebäude wurde 1966 ursprünglich als Bürogebäude gebaut und mehrfach erweitert.

Christian Jäger sitzt auf seinem passend zu den Möbeln angefertigten Rundsofa.
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Die Wohnung im fünften Stock ist das Produkt einer Kernsanierung, die den 60er Jahre-Trakt mit einem angrenzenden Jahrhundertwende-Bau verbindet. Gefunden hat er sie ganz klassisch über ein Maklerbüro. Der Suchauftrag: Innerhalb der Ringe, im Zentrum, ein großer Balkon, ein Grundriss, der Freiräume für die eigene Kreativität lässt, kein 08/15.
Jäger gestaltete die Wohnung komplett nach seinen Wünschen
Der Bauträger hatte die beiden oberen Etagen erworben, zu individuellen Eigentumswohnungen umgebaut, alle Wände zunächst herausgenommen. „Prinzipiell war ich hier Innendekorateur und Bauleiter.“ Jäger, der zwischenzeitlich Regie am Theater führte, eine Filmschule in New York besuchte, kam 2005 nach Köln zurück, konzentrierte sich zwei Jahre auf die Filmerei. Heute arbeitet der Düsseldorfer eben dort wieder als Anwalt mit Schwerpunkt Urheber, Lizenzen, Marken- und Wirtschaftsrecht.

In den Wohnzimmertisch ist ein Billardtisch integriert.
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Seine Gestaltungsideen konnte er auf den 180 leeren Quadratmetern nach Herzenslust umsetzen. Bei der Raumaufteilung kam ihm sein Ausflug ins Filmgeschäft zugute. „Dadurch verfüge ich über eine gewisse Vorstellungskraft.“
Jäger, ein eher markanter Typ, hat einen Hang zur runden Form, selbst die Wandecken sind abgerundet. Auf den Rhein blickt man teils durch runde an Bullaugen eines Schiffs erinnernde Fenster. Der Wohnraum hat etwa von einem Rheindampfer, der mit seinen edlen hölzernen Elementen und dem dunklen Stein graziös seine Fahrt aufnimmt. Die Rundungen verleihen dem Wohnraum Leichtigkeit, fast Weichheit.

Runde Fenster erinnern an einen Schiffsdampfer. Passend dazu der Blick auf den Rhein.
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Ein strategischer Partner beim Innenausbau war ein Tischlermeister der „Reinform Möbelmanufaktur“, den er über seinen ersten Kauf eines Tischs der Nobelmarke Lignet Roset kennengelernt hat. Von Jäger gezeichnete Ideen setzte Fabian Buik in Tineo, einem mehrfach lackierten Furnierholz, um. Ein Sideboard etwa und ein Esstisch, der zugleich ein Billardtisch ist. Einer der letzten Billardtischbauer baute ein Stahlgerüst ein, so dass man hier tatsächlich den Queue zur Hand nehmen kann. Dafür wird die Tischplatte lediglich abgenommen.

Der Wohn- und Essbereich ist von der halben Wand mit Kachelofen vom in edlem Holz gestalteten Küchenbereich getrennt.
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Auch der Schreibtisch folgt Jägers Entwürfen. In Kombination mit dem Steinmetz entstand ein Möbel, das einem Schiffsbug gleicht. Das Großwerk ist aber die Küche. Eine runde Wandverkleidung mit Lichtband und flächenbündigen Objekttüren, die alles verschwinden lässt (sogar das Gäste-WC). Der Küchenblock lässt sich öffnen und bringt ein Ceranfeld und eine Bar zum Vorschein.
Wohnung im „Bauhaus-Deco“
Die gesamte Idee des Interieurs bezeichnet der Jurist als „Bauhaus-Deco“, in Anlehnung vielleicht an Mies van der Rohe. Eine Mischung aus Bauhaus und Art Deco. „Ich wollte verschiedene, natürliche Materialien kombinieren und die 1920er bis 1950er Jahre neu beleben.“ Über zwei Jahre dauerte der Umbau.
Da passt sich die gesammelte Kunst perfekt ein. Viele der Kunstwerke sind Freundschaftsgeschenke, manche selbst gekauft oder Lohn für juristische Vertretungen. Die Balkonfassade hat Martin Gerwers, ein befreundeter Düsseldorfer Künstler, in seinen Farbfeldgeschichten gestaltet. An der Wand hängen Werke von Norbert Tadeusz. Die „Trashstones“, aus Produktionsabfällen sind mit Kunstharz überzogene Findlinge, die auf dem Boden liegen. Gestaltet hat sie Bildhauer Wilhelm Mundt. Es hängen Werke von Ulrich Rückriem zwischen eigenen analogen Fotografien, die Jäger auch verkauft. Dazu ein Alien-gleicher Kopf der Düsseldorfer Künstlerin Hede Bühl.

Die Küche im Halbrund ist Maßarbeit mit sich öffnendem Küchenblock
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Museal wirkt die Wohnung nicht, großräumig ja - und männlich. „Die Wohnung soll bewohnt aussehen, sie muss hands-on sein“, so Jäger. Eine namensgleiche, schwere Holzfigur, die seine Mutter bemalte, steht auf dem Balkon. Die Jägerfigur begleitet ihn bereits seit seiner Studienzeit. Neben dem großen Wohn- und Essbereich, verteilen sich, offen und dennoch versteckt, ein Gästezimmer und Videoraum, ein Arbeits- und Schlafzimmer und ein Bad. Was ihm neben dem Ausblick gefällt? Alles. Nur der Blick auf den Dom, den hat er nicht. Die Umgebung nutzt er für diverse Restaurantbesuche. Das Luciano am Bahnhof, die Hanse Stube im Hotel Excelsior an Festtagen oder das Brauhaus Max Stark. Sein Herzensprojekt ist die Bastei, eine andere Geschichte. Für ihn eines der schönsten Bauwerke der Stadt. Solange sie noch steht.
