Der ideale Einstieg in den Karnevalssamstag ist das Funkenbiwak für Elfie (73) aus Köln. Wir waren mit dabei.
Funkenbiwak in KölnWenn der Neumarkt zum jecken Feldlager wird

Das Mariechen der Funken, Elena Stickelmann, schwebte über den Neumarkt.
Copyright: Thomas Banneyer
Für die Roten Funken und ihre Helferinnen und Helfer bedeutet das traditionelle Biwak am Karnevalssamstag auf dem Neumarkt vollen Einsatz. „Wir bauen unser Feldlager über Nacht in etwa sechs Stunden auf. Um 14 Uhr ist dann Schluss. Dann haben wir genau zwei Stunden Zeit, den Platz besenrein an die Stadt zu übergeben. Mit unseren eigenen Leuten, den Helfern und der Security sind bis zu 60 Kräfte an diesem Tag im Einsatz“, berichtet der Vizepräsident Boris Müller, der am Morgen die Moderation des Vorprogramms übernimmt, das in diesem Jahr von den Swinging Funfares aus Düsseldorf übernommen wurde.
Das ist für uns der echte Straßenkarneval, bei dem man draußen sein und mit freundlichen Menschen und kölschen Klängen feiern kann.
Auch wenn es in der Innenstadt noch grau und winterlich kalt ist, finden sich schon kurz vor 8 Uhr die ersten Biwakbesucher auf dem Neumarkt ein, der mit Absperrgittern gesichert wird. Zu den ersten Gästen zählen dort die Kölner Piraten: „Wir kommen seit 30 Jahren mit unserem 1974 selbst gebauten Schiff Santa Colonia hierher und gehen in diesem Jahr auch als Gruppe vor dem Rosenmontagszug mit. Unseren Ursprung haben wir 1968, als unser Gründer mit den Piraten etwas in dem von Korpsuniformen geprägten Kölner Karneval ändern wollte. Inzwischen sind wir das ganze Jahr aktiv und besuchen Hafenfeste in ganz Deutschland. Was als Erlös von unseren Auftritten übrig bleibt, spenden wir dem Kölner Kinderhospiz. Für das Biwak sind wir heute schon gegen 5.30 Uhr aufgestanden“, sagt Captain Sperrholz.

Mittendrin em Schmölzje: Der Kölner Oberbürgermeister Torsten Burmester im weißen Funkenumhang.
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Auch Jutta und Lisa aus dem Rhein-Sieg-Kreis treffen bereits kurz nach 8 Uhr an der Bühne ein. „Wir wollen einen guten Platz kriegen und das auch ohne ein Ticket. Das ist für uns der echte Straßenkarneval, bei dem man draußen sein und mit freundlichen Menschen und kölschen Klängen feiern kann. Früher war das Gelände allerdings nicht abgesperrt, da konnte man auch mal kurz samstags beim Einkaufen vorbeischauen. Das funktioniert heute leider nicht mehr“, sagt Jutta. Extra zum Straßenkarneval ist Sabrina aus Karlsruhe angereist: „Das Biwak besuchen wir schon zum siebten Mal. Da gibt es eine ganz tolle, traditionelle Stimmung mit all den Traditionskorps und man lernt auch mal eine neue Band kennen“, sagt die Badenerin, die später auch noch zum Kostümball der Roten Funken ins Maritim will.
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Nach mehr Tradition hat das Biwak bei Peter und Elfi aus Köln. „Ich kenne das Biwak von Anfang an. Es ist zwar meist ein ähnliches Programm. Aber das gefällt uns noch immer und es ist der perfekte Einstieg in den Karnevalssamstag“, sagt der 73-Jährige. 17 Jahre alt war Sylvia, als sie das erste Mal bei den Roten Funken auf dem Neumarkt gefeiert hat. „Für mich ist das immer ein Treffen mit der Familie und mit Freunden wie mit Barbara aus Stuttgart. Ich war ihre Trauzeugin und wir haben auch gemeinsam studiert. Hier herrscht eine tolle Gemeinschaft. Alle singen mit, sind gut gelaunt und passen aufeinander auf“, sagt die 57-Jährige.

Stippeföttche mit den Helligen Knäächte un Mägde soweit das Auge reicht!
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Ohne die Helfer auch aus den eigenen Reihen würde das Biwak nicht funktionieren: „Ich bin seit einem Jahr Hospitant bei den Roten Funken und bin in unserer Familie damit schon die dritte Generation Funk. Beim Biwak war ich schon als Kind und kümmere mich heute hier um die Versorgung mit Kölsch“, erklärt Sascha Buhs, der durch seine weiße Montur als Helfer zu erkennen ist.
Pünktlich um 10 Uhr ziehen dann die Roten Funken zusammen mit den Helligen Knäächte un Mägde mit klingendem Spiel auf dem Platz ein. Mit dabei sind in der Funkenuniform OB Torsten Bumester, der seine Premiere auf dem Neumarkt feiert, und seine Vorgängerin Henriette Reker. Auch die frühere Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes und der frühere Festkomiteepräsident und Rote Funk Markus Ritterbach sind beim rot-weißen Tross dabei. Und der zeigt mit seinen Wibbelkünsten und seinem Tanzpaar sehr zur Freude des Publikums auf dem sich stetig füllenden Platz direkt, was er kann.

Auch stille rut-wiesse Momente gab es beim Funkenbiwak.
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Zu Gast ist auch Pfarrer Franz Meurer, für den Kinder- und Jugendprojekt Hövi-Land die Roten Funken mit der Kötterbüchs unterwegs waren, ist zu Gast und kann auf der Bühne von Präsident Dirk Wissmann einen Spendenscheck in Höhe von 30.000 Euro in Empfang nehmen. Für die Räuber gibt es später noch eine Auszeichnung für das beste Lied „Weil mer Kölsch sin“. Gegen 10.30 Uhr ist der Neumarkt kurz vor dem Aufzug der Blauen Funken noch nicht komplett gefüllt, aber die Menschentrauben vor den Einlasskontrollen werden immer größer.
