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Museum für Ostasiatische KunstExperte aus Japan gestaltet den Innenhof neu

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Hugo Torii, Gartenbaumeister aus Kyoto in Japan, beim Baumschnitt im Innenhof des Museums für Ostasiatische Kunst in Köln.

Der japanische Gartenbaumeister Hugo Torii hat den verwilderten Innenhofgarten des Museums für Ostasiatische Kunst in Köln erneuert.  Im Frühjahr soll das Museumscafé wiedereröffnet werden.

Ein kurzer Griff, ein paar flinke Schritte, und Hugo Torii steht in der Krone des kleinen Fächerahornbaums. Mit geübtem Blick identifiziert er, welche Äste entfernt werden müssen, und schneidet sie mit seiner Schere sorgfältig ab. Es sind die letzten Handgriffe, die der japanische Gartenbaumeister aus Kyoto bei seinem jüngsten Projekt in Köln vornimmt. Zwei Wochen lang hat die Gartenbaufirma „GartenLandschaft Peter Berg“ aus Sinzig unter seiner fachkundigen Aufsicht den japanischen Garten im Innenhof des Museums für Ostasiatische Kunst (MOK) neu gestaltet.

„Es ist ein besonderer Auftrag in einem einzigartigen Umfeld“, betont Hugo Torii im Gespräch mit der Rundschau. „Dieser Innenhofgarten wurde von einem berühmten Bildhauer geplant, das Museum hat ein weltbekannter Architekt entworfen. Das sind sehr große Fußstapfen, in die ich hier trete. Ein wirklich spannendes Projekt!“

Es ist ein sehr künstlerisch gestalteter Garten. Wenn im Frühjahr das Wasser angestellt wird, wird er seine Wirkung erst richtig entfalten.
Hugo Torii, Gartenbaumeister aus Japan

Die Stadt Köln hatte den Garten jahrzehntelang vernachlässigt. Im Kies wucherte das Unkraut, der Wasserlauf im Innenhof war seit Ewigkeiten trockengelegt. Doch nun wurde das gesamte Areal wieder auf Vordermann gebracht – rechtzeitig zum großen Jubiläum, das 2027 gefeiert wird. Dann jährt sich die Eröffnung des Museumsneubaus zum 50. Mal. Am 2. Dezember 1977 war das Ensemble am Aachener Weiher feierlich eingeweiht worden – im Beisein des japanischen Star-Architekten Maekawa Kunio, der das Museumsgebäude entworfen hat.

Viele Pflanzen wurden beschnitten, andere neu gepflanzt.

„Es ist wichtig, das ursprüngliche Design und die Absicht des Künstlers zu verstehen, um daraus Regeln für die Neugestaltung abzuleiten“, beschreibt Hugo Torii seine Vorgehensweise. Außerhalb Japans habe er schon viele vernachlässigte japanische Gärten gesehen. „Sie werden mit viel Herzblut eingerichtet, erhalten über die Jahrzehnte aber häufig nicht die spezielle gärtnerische Pflege, die es braucht, um einen japanischen Garten auf dem gewünschten Niveau zu halten.“

Das Wachstum der Pflanzen muss begrenzt werden

Es gebe viele Arten japanischer Gärten, sie seien ein Abbild der japanischen Landschaft mit ihren vielen Bergen, so Torii. „Gärten werden geboren, wenn man sie anlegt. Dann wachsen und reifen sie. Und meist leben sie länger als ihr Erschaffer.“ Die richtige Gartenpflege über einen längeren Zeitraum zu leisten, sei eine große Herausforderung und verlange viel Hingabe. Es gelte stets, die Komposition und die Proportionen zu wahren. Da die Gartenfläche nicht zunehme, müsse das Wachstum der Pflanzen begrenzt werden. Bei der Neugestaltung in Köln hat Torii neben den vorhandenen Ahornbäumen auch die Büsche kräftig beschnitten. „Die waren so groß geworden, dass man die grünen Felsblöcke von der Insel Shikoku kaum noch gesehen hat.“ Er hat auch viele Sträucher entfernt und neue Pflanzen gesetzt, darunter Azaleen, japanische Stechpalmen (Ilex crenata), japanische Lavendelheide (Pieris japonica) und Sumpfschachtelhalm. „Wir wollten etwas, das den Frühling repräsentiert, und haben uns für die Kornelkirsche entschieden, die sehr früh blüht.“

Ein steinernes Wasserbecken ziert den Museumsgarten.

Beim Beschneiden der Bäume arbeite er viel von innen nach außen. „Sonst sieht es steif aus.“ Man dürfe nicht zu viel auf einmal schneiden, sondern müsse in mehreren Schritten vorgehen. Entworfen wurde der Garten seinerzeit vom japanischen Bildhauer Nagare Masayuki. Er war ein modernistischer Künstler und in seinen Überzeugungen sehr konsequent. Gegen seinen Willen drängte ihn die japanische Regierung, in dem Garten eine steinerne Laterne und ein mit traditionellen Ziegeln gedecktes Mäuerchen aufzustellen und eine symbolische Kiefer zu pflanzen. Weil er diese drei traditionellen Elemente als klischeehaft ansah, war er über diese Einmischung so verärgert, dass er 1977 der Eröffnungszeremonie fernblieb.

Erneuerung kostete 75.000 Euro

Folgerichtig wurde der Garten nicht eins zu eins im Zustand von 1977 rekonstruiert, sondern von Hugo Torii ein Stück weit neu interpretiert. Dabei blieben viele steinerne Objekte und ein Teil der Pflanzen erhalten. Der gesamte Schotter im Innenhof wurde ausgetauscht, der Wasserlauf wiederhergestellt. „Nagare sind die Elemente Stein und Wasser besonders wichtig gewesen“, erläutert Torii. „Es ist ein sehr künstlerisch gestalteter Garten. Wenn im Frühjahr das Wasser angestellt wird, wird er seine Wirkung erst richtig entfalten.“

„Wir haben schon viel mit Hugo Torii zusammengearbeitet, etwa beim japanischen Garten im Arp Museum Bahnhof Rolandseck“, erzählt Susanne Förster, Co-Geschäftsführerin von GartenLandschaft Peter Berg. Torii habe in ihrer Firma gelernt, wie man in Deutschland Gärten anlegt. Auf der anderen Seite habe man auch schon Mitarbeiter zu Workshops in Japan geschickt, um sie fortzubilden. Das Projekt im Innenhof des Museums sei künstlerisch interessant, aber logistisch schwierig gewesen, so Förster. „Wir haben eigentlich alles mit einem Kran rein und raus gebracht.“ Die Erneuerung hat rund 75.000 Euro gekostet. Die Gartenbaufirma soll künftig in Absprache mit Hugo Torii die Pflege des Museumsgartens übernehmen. Diese sei mindestens ein- bis zweimal im Jahr erforderlich, erläutert der japanische Gartenbaumeister. Der international gefragte Experte, der in Portland im US-Bundesstaat Oregon lebt, ist bereits mit dem nächsten Projekt beschäftigt – einer Gartenerweiterung in Kyoto.

Der über viele Jahre hinweg verwilderte Zustand des Garten spiegelte längst nicht mehr die Standards des traditionellen japanischen Gartenbaus wider.
Shao-Lan Hertel, Direktorin des Museums für Ostasiatische Kunst

Die Direktorin des Museums für Ostasiatische Kunst, Shao-Lan Hertel, ist sehr glücklich über die Erneuerung: „Der über viele Jahre hinweg verwilderte Zustand des Gartens spiegelte längst nicht mehr die Standards des traditionellen japanischen Gartenbaus wider.“ Das sei absolut bedauerlich gewesen, da der Garten „das Kernelement des Museumsbaus als architektonisches Gesamtkonzept – ja Gesamtkunstwerk – verkörpert“. Er sei „ein mit Wasser, gesetzten Steinen und Pflanzen belebtes Herzstück, das die Dynamik des Gesamtbaus wesentlich mitträgt und beim Rundgang durch die Ausstellungsräume von allen Seiten betrachtet werden kann“.

Hertel betonte, sie sei der Stiftung zur Förderung japanisch-deutscher Wissenschafts- und Kulturbeziehungen, der Orientstiftung zur Förderung der ostasiatischen Kunst, dem Fördererkreis des MOK sowie der Stadt Köln „tief dankbar, dass sie das Projekt der Gartenerneuerung als fördernswertes Anliegen begreifen und unsere öffentliche Museumseinrichtung dabei unterstützen, der Verpflichtung zur Pflege ihres denkmalgeschützten Kulturguts nachkommen zu können“. Damit könne sich das Haus „als attraktiver Museumsstandort angemessen und zeitgemäß präsentieren“.


Museumscafé soll im Frühjahr wieder öffnen

2020 wurde das Café im Museum für Ostasiatische Kunst (MOK) im August geschlossen. Doch nun soll es nach fünfeinhalb Jahren Pause bald wieder einen neuen Gastronomiebetrieb geben. Nach Rundschau-Informationen gibt es einen neuen Betreiber für das 163 Quadratmeter große Café im Foyer des Museums, zu dem eine rund 185 Quadratmeter große überdachte Terrasse mit Aussicht auf ein Wasserbecken und den Aachener Weiher gehört.

Die Stadt hatte den Betrieb im Oktober ausgeschrieben, mehrere Bieter haben sich beworben. Man befinde sich im Finalisierungs-Prozess, bestätigte eine Stadtsprecherin. „Angestrebt ist eine Vertragsunterzeichnung bis Jahresende und Aufnahme des Café-Betriebs im Frühjahr 2026.“

Die Terrassen-Seite des Museums.

In dem Wasserbecken vor der Museumsterrasse befindet sich eine rechteckige steinerne Insel. Dort steht eine große Granitskulptur des berühmten japanischen Bildhauers Nagare Masayuki , der den japanischen Garten im Innenhof des Museums erschaffen hat. Das Werk mit dem Titel „Fahne im Wind“ entstand 1979. Das Museum besitzt außerdem eine kleine Bronzeskulptur von Nagare, sie heißt: „Ritus der Verzierung“.