Die CDU in der Kölner Innenstadt kritisiert den Kölner Sozialdezernenten Harald Rau und fordert seinen Rückzug vom Amt. Der verteidigt sich.
Streit um DrogenpolitikCDU fordert Rücktritt von Kölns Dezernent Rau

Dr. Harald Rau, Beigeordneter für Soziales, Gesundheit und Wohnen der Stadt Köln.
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In der Debatte um die Drogenpolitik der Stadt gerät Sozial- und Gesundheitsdezernent Harald Rau unter Druck. Der Vorstand des CDU-Stadtbezirks Innenstadt und die Unionsfraktion in der dortigen Bezirksvertretung fordern gemeinsam den Rücktritt von Rau. „Mit allem gebührenden Respekt bitten wir Herrn Dr. Rau, seinen Platz für einen neuen Dezernenten freizumachen, der dieser krisenhaften Lage gewachsen ist“, heißt es in einer Erklärung von Parteivorsitzendem Andreas Bohl und Fraktionschef Florian Weber.
Hintergrund ist vor allem die Verärgerung der CDU darüber, dass das aktuelle Konzept für das geplante Suchthilfezentrum am Perlengraben nicht ausgereift sei und viele Fragen unbeantwortet seien. Bei einer Bürgerveranstaltung habe Rau „bitter enttäuscht“ und viele ratlose Gesichter zurückgelassen. Den größten Teil der an dem Abend gestellten Fragen habe er nicht beantwortet oder sei ihnen „in haarsträubender Form ausgewichen“.
Lob für Burmester
Ausdrücklich begrüßt die Innenstadt-Union den Kurs von Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD), der „mit konstruktiver Entschlossenheit und hoher Gesprächsbereitschaft an den Lösungsweg herangeht“. Das tue der Stadt gut. „Wir stärken Herrn Burmester den Rücken, analog zu seiner Entscheidung bei der Mülheimer Brücke die Drogenpolitik in Köln zur Chefsache zu machen“, erklärte Bohl.
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Konkret lehnt die lokale Union den Standort für das Suchthilfezentrum am Perlengraben nicht ab. Sie fordert aber mehr Transparenz darüber, welche Standorte wie geprüft wurden. Außerdem müsse ein möglicher Standort neben dem Polizeipräsidium in Kalk in Betracht gezogen werden. Schließlich müssten in der Stadt kurzfristig mehrere Drogenhilfezentren geschaffen werden, wofür schnell ein verlässlicher Ausbauplan erforderlich sei. Schließlich habe Zürich, an dessen Modell sich das Zentrum am Perlengraben orientiert, vier solcher Standorte, obwohl es gegenüber Köln nur halb so viele Einwohner habe.

Andreas Bohl, CDU Vorsitzender Stadtbezirk Köln-Innenstadt.
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„Das Weglassen einzelner Säulen oder Maßnahmen dieses Modells führt zum Scheitern“, so die Union. Auch müssten die Finanzierung gesichert sowie Repressions-Maßnahmen verstärkt werden. Gemeinsam mit dem Land NRW solle ein regional abgestimmtes System von Drogenzentren entworfen werden.
Harald Rau, der von den Grünen nominiert und im März 2024 – auch mit Stimmen der Union - für eine zweite Amtszeit als Dezernent wiedergewählt worden war, traut die Innenstadt-CDU eine verlässliche Drogenpolitik nicht mehr zu. Rau hatte angekündigt, mit seinem Renteneintritt Ende 2028 das Amt aufgeben zu wollen. Das reicht der Union nun offenbar nicht mehr. Die Stadt habe „einen Sozialdezernenten verdient, der die Drogenproblematik erkennbar in den Griff bekommen und das verlorene Vertrauen zurückgewinnen kann“, heißt es in einer Erklärung. Dass Andreas Bohl sie mitunterzeichnet hat, hat politisches Gewicht, da er stellvertretender Kreisvorsitzender der Kölner CDU ist. Auf dieser Ebene wolle er das Thema ebenfalls zur Sprache bringen, so Bohl gegenüber der Rundschau.
Rau weist Vorwürfe zurück
Auf Anfrage verwies Rau darauf, dass die Auswirkungen der offenen Drogenszene auf betroffene Menschen und den öffentlichen Raum in Köln wie auch anderen vergleichbaren Großstädten durch die zunehmende Verbreitung von Crack enorm seien. Der Drogenkonsumraum am Neumarkt sei noch unter der Dominanz der Opiate in Betrieb genommen worden, werde aber den Konsummustern, die mit Crack einhergehen, nicht mehr gerecht.
„Deshalb habe ich dem Hauptausschuss im September 2025 eine Erweiterung des Kölner Suchthilfekonzepts vorgeschlagen, die nun umgesetzt werden soll“, so Rau: „Das Scheitern der bisherigen Konzepte in Köln und vergleichbaren Städten ist kein Hinweis auf persönliches oder fachliches Versagen, sondern spiegelt die sich rasch und dramatisch verändernde Dynamik der offenen Drogenszene wider.“ Als zuständiger Dezernent gestalte er den Umgang mit dieser „schwierigen und uns alle belastenden Problematik“ im Zusammenwirken mit nationalen und internationalen Expertinnen und Experten, Trägern der Kölner Suchthilfe und der Kommunalpolitik. Er sei „es gewohnt, eine Projektionsfläche für kritische Themen darzustellen“.

