Das Landschulheim der Stadt Köln auf der Nordsee-Insel Föhr steht seit Jahren leer. Jetzt gibt es einen Interessenten für die Immobilie.
Früheres LandschulheimWas die Stadt Köln mit ihrem Grundstück an der Nordsee vorhat

Das ehemalige Landschulheim der Stadt Köln in Wyk auf Föhr: Hier könnte ein Seniorenheim entstehen.
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Nach jahrelanger Suche hat die Stadt Köln nach Rundschau-Informationen einen Interessenten für ihr ehemaliges Landschulheim an der Nordsee gefunden. Auf dem 3266 Quadratmeter großen Areal soll dem Vernehmen nach ein Seniorenheim entstehen.
Rund 430 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Köln und dem schmucken Inselstädtchen Wyk auf Föhr. Das Nordseeheilbad mit 5000 Einwohnern und kilometerlangem Sandstrand ist ein beliebtes Urlaubsziel für Naturliebhaber und Familien. Mehrere Dutzend Eigentumswohnungen und Häuser stehen laut gängigen Immobilienportalen im Moment dort zum Verkauf – zu Preisen von bis zu 1,8 Millionen Euro für ein 174-Quadratmeter-Haus.
Auch die Stadt Köln hat seit 2010 mehrfach versucht, ihren Immobilienbesitz am Amselweg 2 in Wyk zu veräußern – ohne Erfolg. Trotz bester Lage im angesagten Wohngebiet Südstrand – das Meer ist nur ein paar Minuten zu Fuß entfernt – fand sich für das mit alten Bäumen bestandene, parkähnliche Grundstück samt Gebäuden kein Käufer. Weder die Mieter noch Investoren noch die Stadt Wyk zeigten Interesse.
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Stadt Köln hat seit 2010 einen Käufer für das Insel-Grundstück gesucht
Denn die Sache hat einen Haken: Zum einen sind die vorhandenen Bauten stark sanierungsbedürftig. Zum anderen legt der Bebauungsplan das Areal als Sondergebiet für Einrichtungen zur Betreuung von Kindern und Jugendlichen fest.
Anfang des 20. Jahrhunderts hatte die Stadt Köln das Grundstück in Wyk auf Föhr gekauft und darauf ein Landschulheim errichtet. Laut Liegenschaftsamt diente es „Kölner Kindern zur Erholung in besonderer Umgebung“. 1930 wurde das Haupthaus und daneben ein freistehendes Wohnhaus gebaut – im norddeutschen Stil, mit Backsteinfassade und Krüppelwalmdach. In den 70er-Jahren kam ein Anbau dazu.
Im Laufe der Zeit habe man die Gebäude „sowohl für städtische Zwecke genutzt als auch an externe Vereine und Träger vermietet, die dort verschiedene Betreuungs- und Unterbringungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche anboten“, so die Stadtverwaltung. Pläne der Kölner Jugendhilfe, in Wyk schwer erziehbare Jugendliche zu betreuen, wurden nie umgesetzt. Auch die Idee der Kölner Uniklinik, dort Krebspatienten unterzubringen, zerschlug sich.
Erbbaurechtsvertrag über 99 Jahre geplant
Bis August 2023 nutzte eine Kindertagesstätte den Anbau, seitdem steht das Landschulheim leer. Lediglich das Wohnhaus ist vermietet. Die anderen Gebäude seien so marode, dass sie „nach der aktuellen Wertermittlung (…) keinen wirtschaftlichen Wert mehr besitzen“, erklärte das Liegenschaftsamt. Da die Stadt den Grundbesitz nicht mehr für eigene Zwecke benötige und eine wirtschaftliche Nutzung „nur mit erheblichen Sanierungskosten möglich wäre“, sei das Objekt als „nicht mehr rentierlich“ einzustufen. Deshalb habe man eine Vermarktung im Erbbaurecht gegen Höchstgebot eingeleitet. Die Abgabefrist endete am 30. November, ein Bieter habe ein gültiges Angebot vorgelegt, das das festgelegte Mindestgebot überstieg.
Bei dem Bieter handelt es sich nach Rundschau-Informationen um eine Ende 2024 gegründete Grundstücks- und Projektentwicklungsgesellschaft, die auf Föhr ansässig ist. Sie soll das Landschulheim für 99 Jahre nutzen dürfen – für einen Erbbauzins von vier Prozent des Grundstückswerts pro Jahr. Bei 1,4 Millionen Euro sind das 56.000 Euro jährlich oder 4667 Euro pro Monat. Der Kölner Stadtrat soll am 5. Februar grünes Licht für den Vertrag geben, der Liegenschaftsausschuss hat bereits zugestimmt.
Für ein Seniorenheim müsste der Bebauungsplan geändert werden
Andreas Hansen, Pressesprecher der Stadt Wyk, erklärte auf Anfrage: „Offiziell ist bislang weder die Stadt Köln noch ein Bauträger auf die Stadt Wyk zugegangen. Daher können wir dazu noch nichts sagen. Grundsätzlich könnte sich die Stadt Wyk sehr gut an dortiger Stelle ein Seniorenheim vorstellen.“ Dazu müsse aber der Bebauungsplan geändert werden.
Dass die Stadtvertretung von Wyk zustimmen wird, gilt als wahrscheinlich. Denn auf Föhr gibt es Bedarf für Senioreneinrichtungen, die es älteren Inselbewohnern ermöglichen, ihren Lebensabend in der Nähe ihrer Familien zu verbringen. Dagegen würde eine B-Plan-Änderung für die Errichtung von Ferienwohnungen oder Luxus-Apartments wohl eher kritisch gesehen.
So oder so will sich die Stadt Köln für alle Eventualitäten wappnen: Im Falle einer höherwertigen oder intensiveren Ausnutzung des Grundstücks soll der Verkehrswert neu ermittelt und der jährliche Erbbauzins entsprechend erhöht werden.
