Johannes Oerding in der Lanxess ArenaWarum der Wahl-Hamburger seine Tour in Köln startet

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Johannes Oerding bei einem Auftritt mit MIkro in der Hand.

Johannes Oerding in der Arena.

Er ist Wahl-Hamburger, aber den Auftakt für seine aktuelle Tour feiert Johannes Oerding in Köln.

Womit soll man anfangen? Wenn man von diesem rundum gelungenen Tour-Auftakt erzählt? Mit der cleveren Sandra? Mit John F. Kennedy? Oder mit der Goldwaage, die man auspacken muss, um doch wenigstens ein bisschen kritisch rüberzukommen? Die Lanxess Arena ist die erste Station der „Plan A“-Tour von Johannes Oerding, auf der er sein Ende 2022 erschienenes siebtes Album vorstellt.

„Hat jemand Liebeskummer?“, fragt Oerding vor dem traurigen „Vielleicht“. Sandra meldet sich. Um dann zu gestehen: „Ich habe das nur gesagt, damit du zu mir kommst, aber wo du schon mal hier bist – ich bin Single und auf der Suche.“ Flugs den Wunschkandidaten skizziert („Gut gebaut, kein Sixpack, 25 bis 35“) und dann noch den Instagram-Account durchgegeben. Besser geht’s nicht.

„Ich bin ein Kölner“. Diesen Satz hat Oerding nicht gesagt. Aber er ist nahe dran. „Ich bin so glücklich, dass das unser Startpunkt ist. Es verbindet mich ganz viel mit dieser Region und dieser Stadt“.

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Um dann von seinem ersten Konzert-Erlebnis zu erzählen, Bon Jovi im Stadion, und von den Familienticket-Fahrten für 35 Mark von Geldern-Kapellen am Niederrhein in die Domstadt: „Für uns war Köln damals so was wie ’ne heilige Insel.“ Und von all den vielen Clubs und Hallen, wo er später selbst aufgetreten ist: „Live Music Hall, Blue Shell, Luxor, E-Werk, Palladium…“.

Oerding hat wunderschöne Stücke geschrieben. Darunter auch „Kaleidoskop“, mit dem der Abend beginnt. Packt man die Goldwaage aus, geht eine Zeile wie „Und all deine Träume stehen bis zum Hals in Flammen“ sprachlich ein bisschen in Richtung vom Philipp Lahm’schen Salz, das man erst in der Suppe suchen muss, aber ein wunderschönes Stück bleibt es trotzdem, und ohne Silbenverschlucker („In mei’m Kaleidoskop“) kommt kaum ein deutscher Liedermacher aus. Das gehört schon fast zum guten Ton.

„Ich bin wieder da, meine Band ist wieder da, mein Herz ist wieder da – und für die nächsten sieben Stunden gehört es euch“, verspricht der 41-jährige Sänger. Augenzwinkernd. Weil es natürlich nicht sieben Stunden werden.

Aber über zweieinhalb. Allein das ist beachtlich, weil den meisten Künstlern nach rund 90 Minuten die Puste ausgeht. Der Mann mit dem Hut und den vielen Lachfältchen, dem Udo Lindenberg, „eine Kehle aus Gold“ attestierte, hält durch bis zum Schluss. Und bekommt das letzte Stück, „Für immer ab jetzt“, bei dem er dann ganz allein auf der Bühne steht, noch richtig sauber hin.

Das Konzert mit dem Wahl-Hamburger und seiner tollen Band – Moritz Stahl (Gitarre), Kai Lindner (Piano), Robin Engelhardt (Bass) und Simon Gattringer (Schlagzeug) – ist wie ein doppelter Martini. Gerührt und geschüttelt.

Gerührt von Szenen wie der, wo Oerding mit Mini-Fan Jannis (7) auf der Mittelbühne am Flügel sitzt und beide „An guten Tagen“ singen. Und gut (durch)geschüttelt vom Abtanzen, etwa beim „Santa Fu“-Medley, wenn auch Los del Rios, Tony Holiday und Whitney Houston musikalisch mitreißend Reverenz erwiesen wird.

„Ihr habt doch bestimmt noch Restalkohol vom Karneval?“, fragt Oerding, ganz Kenner Kölner Gepflogenheiten. Was obsolet ist. Schönsaufen muss man sich diesen langen, aber kein Stück langweiligen, Abend fürwahr nicht.

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