Schlager-GrandseigneurSo lief der emotionale Auftritt von Roland Kaiser in Köln

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Roland Kaiser auf der Bühne der Lanxess-Arena.

Roland Kaiser auf der Bühne der Lanxess-Arena.

Roland Kaiser steht seit 49 Jahren auf der Bühne, am Samstagabend mal wieder in Köln. So lief sein emotionales Konzert.

Zum 70. Geburtstag im vergangenen Mai hat sich Roland Kaiser selbst ein Geschenk gemacht. „Meine große Geburtstagstournee“ ist inzwischen in der zweiten Halbzeit angekommen – und in Köln. Der Grandseigneur des deutschen Schlagers, der stets elegant im schwarzen Anzug mit rotem Einstecktuch auftritt, darf wohl als Phänomen gelten. Schaffte er es doch wieder, die Lanxess-Arena mit Fans aus drei Generationen zu füllen. Und alle standen schon bei den ersten Takten von „Es ist alles ok (was im Leben passiert)“.

So gab Roland Kaiser seiner Tour denn auch den Übertitel „Perspektiven“. Was er vor dem Lied „Freunde bleiben“ erklärte: Lebensthemen wolle er betrachten in seiner Musik. In einem Nebensatz erfuhren die „lieben Freundinnen und Freunde“, wie er sein Publikum gerne anredet, dass er inzwischen seit 49 Jahren auf der Bühne steht und nicht vorhat, aufzuhören. Tröstlich sicher für alle, denen seine weit über den üblichen Schlager-Herzschmerz hinausgehenden Texte aus der Seele sprechen. „Das Leben, die Liebe und das, was kommt“, wolle er „an einem emotionalen Abend feiern“, versprach der Künstler, der das Publikum wie schon beim Konzert im Herbst 2021 von der ersten Minute an in seinen Bann zog.

Vertraute Schlagerrhythmen

„Danke für Ihre Reaktion auf das Lied“, sagte er sichtlich bewegt nach dem neuen Lied „Liebe kann uns retten“, das Peter Plate, ehemals „Rosenstolz“, für ihn schrieb. Es handelt von der Kraft, die Mut macht, mit den eigenen Hoffnungen und Wünschen eine schönere Welt zu gestalten. „Ein Ende kann ein Anfang sein“, heißt es in „Alles, was du willst (liegt in deiner Seele)“, von Tina Tandler aus Kaisers fantastischer Band kraftvoll auf dem Saxofon untermalt.

Dennoch klingen die vertrauten Schlagerrhythmen der 70er- und 80er-Jahre durch die beat-lastiger gewordene Musik, der in „Wohin gehst du“ auch ein rockiges E-Gitarren-Solo guttut.

„Ihr seid super“, freute sich Roland Kaiser, nachdem aus tausenden Kehlen der Refrain zu seinen größten Hits „Santa Maria“ oder „Dich zu lieben“ gesprudelt war, kaum dass die ersten Töne angespielt waren. „Eine Zeitreise zu alten Freunden“ nennt der Sänger ein Medley aus eigenen Liedern der 80er-Jahre, die noch immer ankommen.

Flotter Disco-Fox-Rhythmus

Heute ist es wohl auch das moderne Frauenbild in den Texten, das alle Generationen anspricht. Liebeserklärungen werden längst nicht mehr festgemacht an Schönheitsattributen, sondern am Charakter. „Du bist eine Löwin, kämpfst für dich allein. Doch falls du mich brauchst, ich steh für dich bereit“, beginnt „Sag mir wann“. Im flotten Discofox-Rhythmus kommt das herüber.

Die über 10.000 in der Lanxess-Arena folgten Roland Kaiser auch sofort, als er sich auf einen Hocker setzte, um mit dem Chanson „Bis zum letzten Atemzug“ still und intim seine Lebenseinstellung zu offenbaren. Fans dürften wissen, dass dem Schlagerstar 2010 eine Lunge transplantiert wurde, woraufhin ihn die Musikbranche totsagte. Doch schon ein Jahr später meldete er sich zurück und füllt bis heute regelmäßig die großen Konzerthallen und Stadien. Vielleicht erklärt eine solche vorgelebte Perspektive das Phänomen Roland Kaiser.

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