- Der frühere Bundestagsabgeordnete Wolfgang Wolfgang Bosbach engagiert sich auch dieses Jahr im Wahlkampf der Union.
- Mit ihm sprach Sandro Schmidt über die Lage.
Herr Bosbach, es läuft nicht gut im Wahlkampf der Union. Oder täuscht der Eindruck?
Wahlkämpfer sollten zwar immer Optimismus und Siegeszuversicht ausstrahlen, aber dennoch nie den Bezug zur Realität verlieren. Daher: Es könnte sicherlich besser laufen, da ist noch viel Luft nach oben.
Wo liegt aus Ihrer Sicht das Problem?
Wenn es nur ein einziges Problem gäbe, hätte ich eine Sorge weniger. Ich kann mich an keinen Wahlkampf erinnern, bei dem Nebensächlichkeiten eine solche Rolle gespielt haben wie aktuell. Sicher hat Armin Laschet an der falschen Stelle gelacht – aber niemand hat sich mehr darüber geärgert als er selber ! Das disqualifiziert ihn doch nicht! Weder politisch noch menschlich. Die Union muss in den nächsten drei Wochen viel deutlicher herausarbeiten wofür sie steht, was sie von anderen Parteien unterscheidet und welche Projekte sie in den nächsten Jahren mit Priorität umsetzen will.

„Lieber Armin, bitte nicht ZU viele Berater um Dich versammeln. Bleib' bei Dir selber“, würde Wolfgang Bosbach Armin Lascht raten, wenn er gefragt würde.
Copyright: dpa
Läuft die Mobilisierung der eigenen Klientel nicht richtig oder wendet diese sich grundsätzlich ab von der Union?
Gute Frage...Ich selber mache ganz unterschiedliche Erfahrungen. Einerseits sind die Veranstaltungen bundesweit sehr gut besucht, andererseits spüre ich in den Diskussionen immer die Zweifel, ob wir den Trend tatsächlich noch wenden können. Aber wenn wir selber nicht überzeugend auftreten, wie wollen wir dann andere von uns und für uns überzeugen können?
Wäre es mit einem Kanzlerkandidaten Markus Söder oder Friedrich Merz besser gelaufen?
Eine häufig gestellte Frage, die niemand fehlerfrei beantworten kann und deren Erörterung der Union garantiert nicht hilft. Ich selber habe für Friedrich Merz als Vorsitzenden und Markus Söder als Kanzlerkandidaten plädiert, beide Male wurde es Armin Laschet. Also unterstütze ich seine Kandidatur mit ganzer Kraft und zwar Tag für Tag und das erwarte ich von allen, die für die Union im Einsatz sind.
Wolfgang Bosbach
Der Bergisch Gladbacher Wolfgang Bosbach war von 1994 bis 2017 für die CDU im Bundestag und unter anderem von 2000 bis November 2009 stellvertretender Fraktionsvorsitzender und danach bis Juli 2015 Vorsitzender des Innenausschusses. Aus gesundheitlichen und persönlichen Gründen trat er bei der letzten Bundestagswahl nicht mehr an. Bosbach leidet schon lange unter Herzinsuffizienz, 2010 erkrankte er zudem an Krebs.
Der 69-jährige Katholik ist ausgebildeter Einzelhandelskaufmann, leitete einen Supermarkt, holte später auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur nach und studierte Jura. Er praktizierte neben seiner politischen Tätigkeit als Rechtsanwalt. Bosbach ist seit 1987 verheiratet und hat drei erwachsene Töchter. (EB)
Welche Rolle spielt die lange Regierungszeit Angela Merkels und deren Kurs der liberalen Mitte?
Politische und gesellschaftliche Veränderungen führen auch immer zur Überprüfung der eigenen politischen Positionen. So weit, so gut. Aber die Union sollte nicht glauben, dass sie mit der Übernahme von politischen Positionen der Konkurrenz auch deren Wählerinnen und Wähler übernehmen könnte. Armin Laschet ist bei einer Aufgabe nicht zu beneiden: Er will einerseits glaubhaft für einen dynamischen Modernisierungsprozess stehen, andererseits soll eine Zäsur zur Ära Merkel nicht allzu deutlich werden. Ein komplizierter politischer Spagat.
Sie haben Hans-Georg Maaßen im Wahlkampf unterstützt. Bräuchte es aus Ihrer Sicht in der CDU mehr Leute, die am rechten Rand nach Wählern fischen?
Die Union muss und wird immer die Volkspartei der politischen Mitte sein und bleiben. Wir haben drei Wurzeln: eine christlich-soziale, eine liberale und eine wertkonservative. Nicht obwohl, sondern weil ich eher konservativ bin, bekämpfe ich jeden politischen Extremismus mit ganzer Kraft – auch den Rechtsradikalismus in all seinen Erscheinungsformen. Vor der Veranstaltung mit Herrn Maaßen gab es ein Riesentheater, hinterher war zunächst absolute Ruhe, dann gab es große Zustimmung zu meiner Rede dort. Auch deshalb, weil vielen die Gleichung konservativ = rechts viel zu plump ist. Und falsch obendrein.
Was kann Armin Laschet tun, um auch persönlich auf bessere Werte zu kommen?
Sollte er mich wider Erwarten um Rat fragen: Lieber Armin, bitte nicht ZU viele Berater um Dich versammeln. Bleib' bei Dir selber. Konzentration auf diejenigen Themen, die für die Zukunft unseres Landes von entscheidender Bedeutung sind, gut zuhören, was die Menschen in ihrem Alltag bewegt, was sie von der Politik erwarten und immer dran denken: Politik ist Marathon, kein Sprint.
Das könnte Sie auch interessieren:
Wie kann die Partei das Steuer noch herumreißen?
Weniger Selbstzweifel, mehr Kampfesmut! Nicht untereinander diskutieren was man im Vorfeld möglicherweise anders hätte machen können, sondern in den letzten drei Wochen geschlossen und entschlossen für die gemeinsame Sache kämpfen. Wenn wir auf dem Marktplatz einen Stand aufbauen und das Publikum kommt auf uns zu, dann darf es nicht den Eindruck bekomme, dass sich hier eine politische Selbsthilfegruppe versammelt, sondern dass dort Christdemokraten stehen, die für ihre politische Überzeugung brennen.
Müssen wie früher in einem Schattenkabinett Personen mit Ressorts und Themen verbunden werden, weil das beim Wähler mehr Identifikation schafft?
Auch das würde Armin Laschet mehr Probleme bereiten als lösen: Jede Ministerin oder Minister der Union, der jetzt amtiert und nicht genannt wird, würde neue, unerfreuliche Debatten auslösen.
Schwerpunktthemen akzentuieren und mit kompetenten Köpfen verbinden, das allerdings sollte noch passieren. Wirtschaft und Finanzen mit Friedrich Merz wäre dafür ein Beispiel. Erst die Wahl gewinnen, dann eine stabile Koalition schmieden, erst dann ein Kabinett bilden. Das ist die richtige Reihenfolge.


