Köln – Die „Westspange Köln“ soll die Lösung für Engpässe im Schienenverkehr der Region sein: Schon jetzt sind jährlich 100 Millionen Fahrgäste und 440 000 Züge im Bahnknoten Köln unterwegs – und laut Deutscher Bahn werden die Zahlen sogar noch steigen in den nächsten Jahren. Der Plan: Zusätzliche Gleise und neue S-Bahn-Linien sollen Fern-, Regional- und Güterverkehr voneinander trennen, die sich bislang auf denselben Gleisen behindern. Vor allem das Nadelöhr Kölner Hauptbahnhof will die Bahn entlasten.
75 Prozent übernimmt der Bund
Ein Projekt ist die „Westspange“, die Pläne dafür gibt es seit Jahren – jetzt ist nach einigem Streit klar, wer das Großprojekt finanziert: Der Bund hat zugesichert, 75 Prozent der Kosten zu zahlen. Wie teuer der Bau wird, steht noch nicht fest, sagte NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) am Montag. Derzeit geht Wüst von etwa 2,3 Milliarden Euro aus. Das Land NRW hat laut NRW-Finanzminister Lutz Lienenkämper (CDU) einen Betrag von bis zu 900 Millionen Euro zugesagt.

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Noch im Frühjahr hatten die Finanzierungspläne der „Westspange“ für Ärger gesorgt. Die Landesregierung wollte ursprünglich Geld nutzen, die für den Strukturwandel des Rheinischen Reviers vorgesehen waren. Aus den Kommunen rund um den Tagebau gab es erfolgreichen Widerstand, unter anderem hatte die SPD-Bundestagsabgeordnete Claudia Moll aus Aachen gesagt: „Die Milliarden fehlen uns sonst bei der Förderung von guten Arbeitsplätzen im Rheinischen Revier.“
Bessere Anbindung an Hürth
Im Mittelpunkt der „Westspange“ stehen zwei neue S-Bahn-Gleise zwischen Köln-Hansaring und Hürth-Kalscheuren. Derzeit verkehren auf diesem Abschnitt drei Regionalbahn-Linien und drei Regional-Express-Linien mit Zwischenstopps in Köln-West und Köln-Süd. Die neuen Pläne sehen drei neue S-Bahn-Stationen vor: zwischen Köln-West und Köln-Süd auf Höhe der Aachener Straße sowie weiter südlich auf der Weißhausstraße und an der Grenze zwischen den Stadtteilen Klettenberg und Zollstock. Drei neu geschaffene S-Bahn-Linien verbinden Köln mit der Eifel (S 15) und Bonn (S 17). Die S 16 schafft über die geplante S-Bahn-Station Bonner Wall und die Südbrücke eine weitere Verbindung ins Rechtsrheinische, unter anderem zum Flughafen Köln/Bonn.
Verlängerung der Schnellstrecke Frankfurt bis Deutz
Auch für viele weitere Bahn-Ausbauprojekte soll die „Westspange“ den Weg ebnen, etwa die Revier-S-Bahn von Bedburg über Grevenbroich nach Neuss oder den Ausbau der S 6 von Köln über Grevenbroich nach Mönchengladbach. Die „Westspange“ ist eines von vielen Projekten des Bahnknoten-Ausbaus. Ein weiteres Großprojekt ist der Ausbau der S 11 zwischen Bergisch Gladbach und Köln-Worringen. Hierfür soll die Strecke zwischen Köln-Dellbrück und Bergisch Gladbach zweigleisig werden, der Kölner Hauptbahnhof und der Bahnhof in Deutz benötigen je einen zusätzlichen Bahnsteig. Eine weitere Maßnahme ist die Verlängerung der Schnellstrecke zwischen Frankfurt/Main und Köln nach Deutz.
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Offene Fragen zur Detailplanung gibt es viele. So soll am Hansaring etwa ein zweiter Bahnsteig entstehen – woher der Platz kommen soll, ist unklar. Gleiches gilt für die geplanten Kölner Haltepunkte. Der Landtagsabgeordnete Martin Börschel (SPD) richtete sich mit der Frage nach den Plänen für den Hansaring mit einer Anfrage an die Landesregierung. Wüst antwortete, das Ende der Planung 2023 müsse man abwarten. Auch am Montag wollte er sich nicht zur Situation an einzelnen Haltepunkten äußern. Börschel sagte: „Verkehrsminister Wüst tut dem Projekt mit seiner Geheimniskrämerei keinen Gefallen. Wer die Akzeptanz für den Ausbau des Bahnknotens Köln in der Bevölkerung nicht verlieren will, muss von vornherein mit offenen Karten spielen.“

