Das Markenzeichen der Trienekens AG war ein ausgeklügeltes Geflecht aus Beraterverträgen, von denen nicht wenige ein Instrument zur politischen „Landschaftspflege“ waren. Nachdem RWE Umwelt die Trienekens AG übernommen hatte, kamen alle Verträge auf den Prüfstand. Nur wo aus Sicht des Unternehmens die Leistungen nachvollziehbar und -prüfbar erschienen, wurden sie fortgeführt. Ein Vertrag, der die Prüfungen nicht überlebte, ist der mit der Rösrather Immobilienfirma GWG. Wie RWE Umwelt gestern bestätigte, hatte ein solcher Vertrag aus dem August 2000 bestanden. Nach Rundschau-Informationen soll Trienekens vorgehabt haben, der „Gesellschaft für Wohn- und Geschäftsimmobilien“, über vier Jahre 4,8 Millionen Mark für die „Beratung bei Immobiliengeschäften“ zu zahlen. Unter anderem ging es um die Suche nach einem Grundstück für die Papiersortieranlage.
Pikant: Die GWG gehört dem Steuerberater Bernd Kolle, der in den 90-er Jahren Sozius in der Kanzlei von CDU-Fraktionschef Rolf Bietmann war. Bis 1996 war Bietmann selbst mit der GWG beziehungsweise ihrer Kölner Vorgängerfirma BIP geschäftlich als Treugeber verbunden, was ihm nach der Wende Vorwürfe nach dem Verkauf eines Bullenmastbetriebs in Thüringen eingebracht hatte.
Bietmann hatte den verkaufenden Landkreis beraten. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Mühlhausen wurden eingestellt, Bietmann galt als rehabilitiert. Bietmann betonte, dass er seit 1996 keine direkten, geschäftlichen Beziehungen mehr zur GWG unterhalte und nichts von einem Beratervertrag der Firma mit Trienekens wisse. Über diesen Vertrag könne nur die GWG selbst Auskunft geben. Doch die wollte sich trotz dreimaliger Anfrage in den letzten Tagen nicht zu ihren Trienekens-Verbindungen äußern. Nachfragen wurden nicht beantwortet.
Für Aufregung sorgte gestern auch eine WDR-Reportage, die nicht nur noch einmal die alten Bullenmast-Vorwürfe aufrollte, sondern auch über ein gemeinsames Immobiliengeschäft von Bietmann und GEW-Chef Helmut Haumann in Gera berichtete. GEW-Aufsichtsratschef Bietmann ist genau wie Haumann zusammen mit weiteren Eigentümern an einer Seniorenresidenz beteiligt - für Bietmann „nichts Verwerfliches“. Die Anfrage der Rundschau, ob die Rösrather GWG in Gera als Hausverwalter fungiere, ließ Bietmann offen.
Unterdessen hat die Kölner Staatsanwaltschaft mit ihren Ermittlungen wegen des Anfangsverdachts der Vorteilsnahme gegen den CDU-Fraktionschef begonnen. Die Entscheidung des Bundestages, Bietmanns Immunität aufzuheben, sei nun „offiziell“, so Sprecher Günther Feld. Man werde prüfen, welche Gegenleistungen für die Zahlungen der Trienekens AG an Bietmanns Anwaltssozietät erbracht worden seien. Bietmann habe im Stadtrat mit über den Teilverkauf der Abfallwirtschaftsbetriebe abgestimmt, während seine Kanzlei gleichzeitig die Interessen des Käufers vertreten habe. Das begründe einen „Anfangsverdacht, dass es da Zusammenhänge geben könnte“, so Feld. Wie lange die Ermittlungen dauern könnten, sei nicht abzuschätzen. Bietmann hat die Vorwürfe entschieden zurückgewiesen.