An die 1000 Kinder haben in den letzten 50 Jahren den Weg in den Kölner Kinderchor gefunden; das Besondere daran ist, dass von Anfang an Professor Hans-Günter Lenders den Chor dirigiert hat. Das verdienstvolle Wirken des Kinderchores im Chorgesang und seine vorbildlich geleistete kulturelle Arbeit würdigte der Präsident der Kreissängervereinigung, Klaus Schulz, mit einer Urkunde.
In diesen 50 Jahren seit 1953 hat sich viel gewandelt. Für den Chorgesang muss man regelmäßig an seiner Stimme arbeiten. Damals und noch bis in die 80er Jahre hinein war die Verpflichtung zu laufenden Chorproben für die Pänz im Kinderchor keine Last, und die Sollstärke von 60 Mitgliedern war recht leicht zu erreichen; heute tun sich Kinder weit schwerer. Die Kinder gehen heute lieber zu einem Popkonzert in der Kölnarena. Sie konsumieren Musik, anstatt sie zu reproduzieren. Das ist im Übrigen kein Kölner Phänomen und auch nicht auf Chöre beschränkt; Vereinsmüdigkeit kennt etwa auch der Sport.
Zurzeit hat der Kölner Kinderchor einen Durchhänger, seit einem Jahr ruht der Konzertbetrieb, doch Professor Lenders (Telefon 0 22 38 / 1 36 36) will jetzt einen Neuanfang in die Wege leiten. Eine Ehemalige, so seine Wunschvorstellung, wird die Chorleitung schon bald übernehmen und den Kölner Kinder- und Jugendchor, wie er jetzt heißt, zu neuer Blüte führen. Er selbst will sich dann ganz dem Chor-Ensemble Köln widmen, einem Frauenchor, den er aus früheren Sängerinnen des Kinderchors geformt hat.
Auch was das Repertoire betrifft, ist das halbe Jahrhundert Geschichte an dem Kinderchor längst nicht spurlos vorübergegangen. Lieder wie ,Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt kann man nicht mehr bringen, weil sie ihre Funktion verloren haben. Es gibt diesen Bauern nicht mehr, erklärt Lenders.
Die klassische Chorliteratur, die speziell für Kinder geschrieben wurde, etwa von Walter Rein oder Karl Marx, hat der Dirigent in das Repertoire aufgenommen; nach oben grenze man sich im Schwierigkeitsgrad von der klassischen Musik, nach unten von Schlager und Popmusik ab. Brahms, Schubert, Mozart oder Mendelssohn aber wird von den Frauen im Chor-Ensemble gepflegt.
Immer schon haben sich weit mehr Mädchen (drei Viertel) als Jungen (ein Viertel) für den Kinderchor interessiert. Das macht grundsätzlich nichts, sagt der 74-jährige Chorleiter. Allerdings geben auch schon wenige Jungen dem Mädchenklang eine besonders schöne Färbung.
Hauptberuflich war Lenders Dozent an der Rheinischen Musikschule, aber auch nach seiner Pensionierung nimmt er weiterhin Lehraufträge an. Dass er den Kölner Kinderchor so lange leiten würde, hätte er sich wohl 1953 bei der Gründung auch nicht träumen lassen. Ich bin eben, sagt Lenders, immer meiner Idee treu geblieben, einen gemischten Kinderchor zu führen.