KÖLN / RHEIN-ERFT-KREIS. Im Prozess gegen Hardy Fuß vor dem Kölner Landgericht wegen Beihilfe zur Untreue wurde gestern der Spiegel-Redakteur Georg Bönisch als Zeuge vernommen. Bönisch hatte im Jahr 2002 in dem Hamburger Nachrichtenmagazin gemeinsam mit seinen Co-Autoren Frank Dohmen und Alexander Jung einen Text unter dem Titel Schmutzige Töchter veröffentlicht. Darin hatten er und seine Kollegen behauptet, dass im Müllgeschäft seit Jahren kaum ein Auftrag ohne Landschaftspflege oder Beatmung (gemeint ist ,Korruption in weitestem Sinne) läuft, sei in der Branche ein offenes Geheimnis.
Einen vor kurzem ausgeschiedenen RWE-Spitzenmanager zitierten sie mit den Worten: Dass sich Trienekens auch auf diesen Part des Geschäfts glänzend versteht, war uns allen bekannt. Ende Februar dieses Jahres hatten die Verteidiger von Hardy Fuß beantragt, die drei Spiegel-Reporter als Zeugen zu vernehmen. Den Namen des RWE-Spitzenmanagers erfuhren die Prozessbeteiligten gestern allerdings nicht. Journalist Bönisch, der damals als Redakteur für den Text verantwortlich war, berief sich gestern vor Gericht zum Schutz seines Informanten auf sein Zeugnisverweigerungsrecht.
Auf Nachfrage von Fuß-Verteidigerin Gaby Münchhalffen bestätigte der 58-jährige Journalist dann aber doch den Wahrheitsgehalt des Zitates. Dürfen wir denn davon ausgehen, dass die Angaben, die da stehen, so richtig sind?, fragte die Rechtsanwältin den Journalisten. Diese Frage beantwortete Bönisch mit Ja.
Die Verteidigung verzichtete daraufhin auf die Vernehmung seiner beiden Co-Autoren Frank Dohmen und Alexander Jung. Neben dem Journalisten vernahm das Gericht gestern auch die ehemalige Leiterin der Bereiche Controlling und Unternehmensplanung bei Trienekens. Hellmut Trienekens hatte sie schon frühzeitig in die Praxis der Scheinrechnungen eingeweiht. Bevor sie die erste Rechnung auf den Tisch bekam, hatte ihr der Unternehmenschef erklärt, das Geld sei für den Aufbau von Auslandsaktivitäten gedacht.
Dies sei mit RWE so abgesprochen, habe Trienekens ihr gesagt. Das habe ich dann auch den Fachabteilungen des Konzerns geantwortet, wenn es Nachfragen zu den Rechnungen aus der Schweiz gab, erklärte sie gestern dem Gericht. Die Mitarbeiterin verteilte anschließend die Rechnungen auf die verschiedenen Tochterunternehmen. Zahlen musste, wer es gerade verkraften konnte, erklärte sie ihre Praxis.