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Tina TurnerDiese Stimme zersägt Diamanten

3 min

Sie ist wieder da: Tina Turner (Bild: dpa)

KÖLN - Anna Mae Bullock ist Jahrgang 1939. Andere in ihrem Alter treffen sich bei einem Tässchen Tee zum Bridge oder Ähnlichem. Sie nicht. Sie liebt das Leben „the rough way“, auf die harte Tour. Und das, seit sie sich 1960 den Künstlernamen Tina Turner zugelegt hat - eine Promotion-Idee ihres späteren Mannes Ike Turner und der Anfang einer beispiellosen Karriere.

Am Mittwoch gastierte sie vor 15 000 Zuschauern in der Lanxess-Arena. „A Recap of my Work done“ nannte sie ihr Konzert, einen Rückblick auf ihr bisheriges Schaffen. Nicht von ungefähr. Bei US-Talk-Ikone Oprah Winfrey hat Tina Turner im Mai 2008 die Katze aus dem Sack gelassen: Sie werde noch einmal auf Tour gehen, und das wär's dann. Das Auftaktkonzert in Kansas soll binnen zwei Minuten ausverkauft gewesen sein.

Perfektionistin durch und durch

Jetzt ist sie in Europa angekommen, nach vier Abenden in Köln geht es im selben Stil weiter durch die Metropolen - in 43 Konzerten bis April. Offenbar wartet die Welt auf die selbstbewusste, aber keineswegs egomane Inszenierung dieser Legende.

Auf den Videowänden um die multifunktionale High-Tech-Bühne passieren Stationen der Karriere von Tina Turner Revue, man sieht sie mit Ike, mit den Stones, mit Clapton, sieht Sequenzen aus dem letzten Teil der „Mad Max“-Trilogie von 1985, während sie in ihrem Rollenkostüm als Bandenchefin „Aunty Entity“ den Titelsong „We don't need another Hero“ singt. „A recap“ - aber was für eins. Kaum eine hat ähnliche Spuren in der Rockgeschichte hinterlassen. Faszinierend ist die Art, wie sie diese Biografie auf der Bühne umsetzt.

Probleme mit dem Älterwerden scheint sie nicht zu haben. Eher hat das Älterwerden Probleme mit ihr. Sie kann es sich leisten, bei den zahllosen Garderobenwechseln Beinfreies zu bevorzugen, und ihre Tänzerinnen müssen das Tempo nur ein wenig drosseln, wenn sie sich häufig zu ihnen gesellt. Die Turner schont sich in nichts, zeigt sich auf Schwindel erregenden Podesten, stöckelt zu ihrer Zugabe „Nutbush City Limits“ auf ihren geliebten High Heels über den Arm eines schmalen Kranauslegers, meterhoch über den Köpfen der Menge, ungesichert.

Ein Bühnentier, Perfektionistin durch und durch. Es gab eine Zeit, die 80er bis Mitte der 90er, da verwandelte sich alles, was Tina Turner in die Hand nahm, sofort in Gold. Aus dieser Ära stammte das meiste, was sie für sich und ihre perfekte, zu Beginn allerdings deutlich zu laut abgemischte Band herausgesucht hat. Früheres wie „River deep, Mountain high“ oder das Cover des John Fogerty-Titels „Proud Mary“ blieb die Ausnahme zwischen Welterfolgen wie „What's Love got to do with it“, „Private Dancer“, „Typical Male“, „What you see is what you get“, „Steamy Windows“, „Golden Eye“ oder „The Best“ - wer könnte annähernd ähnlich aus dem Vollen schöpfen wie Tina Turner. Schier unglaublich ist, dass diese Stimme, die Stahl schmelzen und Diamanten zersägen kann, über die Jahre nicht von ihr gewichen ist. Als Sängerin bleibt sie souverän im Gleis, mit derselben gewaltigen Durchschlagskraft wie eh und je.

Wenn sie jetzt von der Bühne geht, dann als Phänomen, als absoluter Weltstar.

Weitere Konzerte in der LanxessArena am 18. Und 19.1., Beginn 20 Uhr, eine Pause, Dauer ca. drei Stunden.