Sechtemer Bürger und die Dorfgemeinschaft retten beim Abriss das Firmenschild mit dem Seidel-Schriftzug. Es wird auf dem Gelände des „Blauen Hauses“ aufbewahrt.
Abriss von Seidel-GebäudeFirmenschild bleibt Sechtem erhalten

Das Schild der Firma Seidel konnte gerettet werden. Darüber freuten sich Andreas Geuer (links) und Oli Wirtz.
Copyright: Frank Engel-Strebel
Der Geruch von eingemachtem Sauerkraut oder sauren Schattenmorellen ist verflogen, die Fabrikhallen und der Schornstein sind niedergerissen. Wenn die riesigen Logistikhallen der niederländischen Firma „Delta Development“ voraussichtlich 2027 am Sechtemer Bahnhof stehen, wird nichts mehr an die frühere Konservenfabrik Seidel, die dort mehr als 125 Jahre lang Obst und Gemüse aus dem Vorgebirge verarbeitet und eingekocht hat, erinnern. Ein Erinnerungsstück aber bleibt, wie Andreas Geuer stolz der Rundschau berichtete: Das gusseiserne Firmenschild mit dem markanten geschwungenen weißen Seidel-Schriftzug auf rotem Grund konnte vor dem Schredder gerettet werden und befindet sich nun auf dem Gelände des „Blauen Hauses“, dem Vereinsheim der Dorfgemeinschaft, an der Ottostraße, unweit des einstigen Seidel-Geländes.
Den Aufschlag machte Matthias Weiler, den viele vom Fußballverein Salia Sechtem kennen. Er sprach mit seinem Kumpel Andreas Geuer darüber, ob man das Schild nicht retten könne? Geuer holte seinen Vater Franz-Josef mit ins Boot, der Heimatforscher ist und in Waldorf lebt. Über ihn kam dann der Kontakt zu Stadtarchivar Simon Oelgemöller zustande. Da bei ihm kein Platz für so ein großes, massives Objekt ist, kam die Idee auf, den Trägerverein des Dorfgemeinschaftshauses mit ins Boot zu holen. Geschäftsführer Oli Wirtz war sofort einverstanden, das Firmenschild auf dem Gelände des „Blauen Hauses“ aufzubewahren.

Das Schild der Firma Seidel hängt am Haken eines „Manitous“.
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Sebastian Römer von der städtischen Wirtschaftsförderung stellte den Kontakt zur Firma „Delta Development“ her, die zusagte, dass das Schild im Ort bleiben dürfe. Das Unternehmen erklärte sich sogar bereit, dass zwei Kollegen der Firma mit einen sogenannten „Manitou“, einem Schwerlastkran, das Emblem von der Baustelle zum „Blauen Haus“ transportierten.
Der Trägerverein des Dorfgemeinschaftshauses überlegt nun, wie das Schild weiter verwendet wird. Zunächst war angedacht, dieses auf dem Container neben dem Haus zu platzieren, was aber aus statischen Gründen zu riskant ist, denn das Schild ist etwa zehn Meter lang und mindestens einen Meter hoch. Auch das Gewicht ist enorm. Genau gewogen hat es bislang niemand, Andreas Geuer mutmaßt aber, dass es gut 250 Kilo auf die Waage bringt. Sehr wahrscheinlich wird es fest in den Boden montiert und verankert und soll künftig wie eine Skulptur an das Traditionsunternehmen erinnern, schilderte Andreas Geuer, der selbst Mitglied des Trägervereins ist.
Schild wird in Schuss gebracht
Das ziemlich ramponierte Schild soll vorher aber noch restauriert werden. Und wie kommt das bleischwere Relikt vom Dach des Containers wieder runter? Andreas Geuer ist sich sicher, dass eine befreundete benachbarte Firma oder am Ende die Feuerwehr helfen werden. Fest steht für Andreas Geuer nach Abschluss der Aktion: „Alle wollten das Schild erhalten, alle packten mit an, es war eine erfolgreiche Gemeinschaftsaufgabe.“ Für Sechtem und die Stadt Bornheim bleibt damit ein Erinnerungsstück an die Firma Seidel.
