In Bornheim diente das Bauwerk zum Schutz einer Obst-Plantage und zwischenzeitlich als Open-Air-Ausstellung.
Mauerfall300 Meter Mauer prägten 130 Jahre lang das Ortsbild von Merten – Jetzt ist sie Geschichte

Bagger machten sich an den Betonwänden zu schaffen. Die Mauer ist nun Geschichte – ihr Abriss öffnet jetzt den Blick mitten in die herrliche Plantage.
Copyright: Magret Klose
Fast 130 Jahre prägte sie das Ortsbild: Die Mauer. Jeder kennt sie. Es gab sie schon, bevor der aktuell älteste Mertener das Licht der Welt erblickte. Jetzt ist sie Geschichte. Wie ein finsteres Gerippe ragen zurzeit nur noch die verrosteten Stahlpfähle aus dem Fundament. Die meisten Steine sind bereits verschwunden. Auf einer Länge von 300 Metern hatte sie der Gründer der Apfel- und Birnenplantage Otto Schmitz-Hübsch 1896 beim Aufbau seiner Plantage errichten lassen.
Neuer Radweg bis nach Sechtem
„Birnen lieben die Wärme“, erklärt der Urenkel des Gründers Roland Schmitz-Hübsch. Sein Urgroßvater habe sich die Wärme zunutze gemacht, die die Mauer tagsüber durch die Sonneneinstrahlung aufnahm, um sie nachts an die Spalierbirnen abzugeben. Früher sei sogar der komplette Betrieb von einer Mauer umzogen gewesen.
„Die Mauer hielt auch den Wind ab“, berichtet der Obstbauer. Richtig schön fand Roland Schmitz-Hübsch das Bauwerk nie. „Es war die hässlichste Mauer im ganzen Vorgebirge“, sagt er. Auch deswegen freut er sich jetzt in ganz besonderer Weise, dass dieses Bauwerk endlich dem Erdboden gleichgemacht wird – zumal Spalierbäume bis in eine Höhe von vier Metern heutzutage ohnehin unwirtschaftlich sind.

Die Mauer von Bornheim erinnerte von weitem zwischenzeitlich dank einer Kunstaktion ein bisschen an die East Side Gallery in Berlin.
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„Ich bin wirklich froh, dass sie jetzt wegkommt“, sagt er. Die Bausubstanz sei ohnehin schon in die Jahre gekommen. „Wahrscheinlich wäre die Mauer sogar in ein paar Jahren von ganz alleine umgefallen“. Versuche die Mauer aufzuhübschen gab es viele. Zuletzt hatte die ehemaligen Ortsvorsteherin Hildegard Helmes vor gut 20 Jahren sogar eine Kunstaktion gestartet, um mit großflächigen Gemälden von Schülern, Künstlern und Anwohnern ein bunteres Bild ins triste Mauerwerk zu schaffen. Doch mit den Jahren sind viele der Bilder beschmiert, andere abgebrochen und mutwillig beschädigt worden. Die Mauer aber hielt allen Unwettern und Angriffen zum Trotz.
„Wir wohnen hier seit über 20 Jahren – haben uns mit dieser Mauer irgendwie arrangiert und wussten gar nicht wie schön frei und hell es jetzt hier ohne Mauer sein kann“, schildert eine Anwohnerin ihre Empfindungen während des Abrisses. Wie gebannt habe sie den Arbeitern zugesehen und mit jedem Stück Mauer das fiel, sei es vor ihrer Haustüre heller und schöner geworden. Am liebsten würde sie jetzt morgens bei ihrer Laufrunde geradewegs über die Wiesen durch diese Plantage joggen. Doch ganz offen bleibt die Plantage dort nicht.

Die Mauer, 1896 errichtet, diente als Windschutz und als „Wärmespeicher“ für die Birnen, die bis in vier Meter Höhe wuchsen.
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Neuer Radweg bis nach SechtemAuflage des Investors für die Bebauung des Areals im nördlichen Merten Richtung Walberberg ist nämlich, die Händelstraße zwischen der L183 bis hinter den Bahnhof zu erneuern – inklusive eines vier Meter breiten Fuß- und Radwegs. Das benötigte Grundstück hat ihnen Schmitz-Hübsch bereits verkauft. Er selber friedet seine Plantage mit einem anthrazitfarbigen Stabgitter-Zaun ein – 180 Zentimeter hoch und mit einem Abstand von vier Metern zum Mauerfundament.
Die Arbeiten für die neue Straße mit Fuß- und Radweg sollen unmittelbar nach den Abrissarbeiten beginnen. „Dann haben wir hier bald einen durchgehenden breiten und gut ausgebauten Fuß- und Radweg von Merten bis nach Sechtem“, freut sich Schmitz-Hübsch. Im September sollen die Arbeiten bereits fertig sein.
