Bei strahlendem Sonnenschein machten sich Menschen aus dem Bonner Land, sogar aus Köln und Düsseldorf auf den Weg nach Bornheim zum inzwischen 17. Frühlingserwachen
Frühlingserwachen BornheimMit dem Blüten-Express durch die Plantagen

Für die Traktorfahrten durch die blühenden Obstbaumplantagen Schmitz-Hübsch standen die "Passagiere" gerne lange in der Schlange an.
Copyright: Margret Klose
„Die Natur sprießt, die Sonne lacht und wir dürfen das Frühlingserwachen feiern“, wollte Biobauer Heinz Bursch am Sonntag gar nicht mehr aufhören, sich zu freuen. Das Fest sei in diesem Jahr eine richtige Punktlandung. „Sogar der Spargel ist reif – gut zehn Tage früher als in den Vorjahren“, schwärmte er. Und: „Wir haben sogar schon die ersten Erdbeeren aus dem Tunnel gegessen.“ Mit dem Erntestart rechnet der Biobauer in ein paar Tagen. Doch schon jetzt ist die Auswahl an regionalen Köstlichkeiten gigantisch: In den Hofläden quollen beim Frühlingserwachen die Theken buchstäblich über von regionalen und saisonalen Köstlichkeiten.
ADFC fährt acht Stationen mit dem Rad an
Andreas Forschbach vom Gemüsehof Steiger ließ die Besucher sogar einmal in seine Produktionsstätte hineinsehen, dort wo in den Gewächshäusern all die saisonalen Leckerbissen heranwachsen. Spinat, Radieschen, Salate, Kohlrabi und Kräuter. Direkt nebenan im Freiland wird zurzeit täglich der Spargel gestochen und der Rhabarber gezogen. Einst gegründet um für die regionalen Köstlichkeiten zu werben, hat sich das Frühlingserwachen zu einem Event entwickelt, das weit über Bornheims Stadtgrenzen hinaus beliebt geworden ist und Menschen aus Köln, Bonn und sogar aus Düsseldorf anlockt.
„Und ich darf dieses 17. Frühlingserwachen eröffnen“, freute sich Bürgermeister Christian Mandt, als er gegen 11 Uhr zusammen mit der amtierenden Spargelkönig Sabrina Guimaraes am Bienenhaus des Imkervereins in Kardorf aus der Menge heraustrat. Schon da zeichnete sich ab, dass dieses Frühlingserwachen teilnahmemäßig ein Fest der Superlative werden könnten. Hunderte Radfahrer starteten wenig später von dort mit Kurt Schuwy vom Allgemeinen deutschen Fahrradclub (ADFC) der Ortsgruppe Bornheim. Wie jedes Jahr hatte er eine Radtour zu allen Stationen ausgearbeitet. „In diesem Jahr besuchen wir acht Stationen und radeln etwa 23 Kilometer“, erklärte er.

So sahen die Bienenkörbe vor 150 Jahren aus.
Copyright: Margret Klose
Nicht alle radelten die komplette Strecke. Sowieso reichte ein Tag nicht aus, um die ganzen Informationen aufzunehmen, die alleine der Imkerverein für die Gäste parat hatte. „Wir haben hier heute sogar eine kleine Ausstellung“, verriet die Vorsitzende des Vereins Gabriele Jahn. „Das sind zum Beispiel Bienenbauten aus dem 19. Jahrhundert – aus dem Jahre 1870“, erklärte sie und zeigte auf die Strohkörbe. Daneben standen auch Bienenkästen aus Holt – so wie sie in den Anfängen des 20. Jahrhunderts gebaut wurden. Sie erzählte auch, dass der Imkerverein aktuell 55 Mitglieder ha, die zusammen insgesamt 227 Völker ihr eigen nennen.
Wenn man annimmt, dass jedes Volk im Sommer mindestens 20.000 Bienen zählt, dann sind im Auftrag des Imkervereins mindestens 4,54 Millionen Arbeiterinnen im Vorgebirge unterwegs. Alle Gäste waren natürlich auch eingeladen, von der köstlichen Honigauslese zu kosten. 500 Gramm der heimischen Köstlichkeit im Glas gab es für 9 Euro. Etwas andere MarmeladeVöllig umsonst durften sich die Kinder am Stand des Arbeitskreises Stadtbild Nistkästen für die Vögel zimmern.
Ernte-Anhänger als Besucherwagen im Einsatz
Richtig spannend waren auch die Informationen von Martina Scholze. Die Fachfrau in Sachen Kräuter hatte ein Rezept für Löwenzahn-Marmelade mitgebracht. Die Wurzeln von Löwenzahn seien als Tee eine Wohltat für den Magen. „Und geröstet lässt sich daraus sogar Muckefuck-Kaffee aufbrühen“, erzählte sie. Nur wenige Kilometer weiter auf dem Hofgelände von Elmar Schmitz-Hübsch war die Haltestelle des „Blüten-Express“. Die Anhänger, die eigentlich bei der Ernte im Einsatz sind, waren am Sonntag mit Sitzen für die Passagiere ausstaffiert. Voller Freude winkten Kinder und Erwachsene bei den Fahrten durch die blühende Plantage einander zu. „Hab den Wagen vollgeladen“, hieß es auch bei Christoph Hau in Walberberg, wo sein Traktor die Gäste zu den Kulturen der Gartenbaumschule fuhr.
Als Bindeglied zwischen Landwirten und Hobbygärtnern hatte sich auch wieder Norbert Wirtz aus Sechtem mit seinem Agrarhandel am Frühlingserwachen beteiligt. Das Geschäft ist nicht nur eine „Fundgrube“ für Samen, unter anderem von Tomaten, dort findet man auch noch richtige alte Sorten Blumen- und Gemüsesamen. Und was wäre das schönste Fest ohne die Kunst und den Wein. Dafür standen die Weinhandlung Jakob Antwerpen in Hersel ein, der Kunsthof in Merten und die Kunstausstellung auf dem Hofgelände Schmitz-Hübsch.
